Love Story

by Zeichensetzerin Alexa

Erich Segals „Love Story“ gehört zu den Büchern, von denen man sicher­lich schon mal gehört hat. Ein Klas­si­ker, eine welt­be­kannte Lie­bes­ge­schichte, die mehr­fach ver­filmt wurde. Doch wie kommt es zu die­sem Erfolg?

Die­ses Buch han­delt von einer gro­ßen Liebe zwi­schen Oli­ver und Jenny. Was zunächst zwi­schen ihnen steht, sind die unter­schied­li­chen Stände ihrer Fami­lien. Oli­ver wurde in eine rei­che Fami­lie hin­ein­ge­bo­ren und muss, wenn es nach sei­nem Vater geht, sei­nen Ruf wah­ren. Die­ser glaubt, Jenny würde die­sem Ruf nur scha­den, da sie aus einer armen Fami­lie stammt. Um Jenny seine Liebe zu bewei­sen, ver­zich­tet Oli­ver auf das Geld sei­nes Vaters, hei­ra­tet sie und zieht mit ihr weg. Nun kommt der roman­ti­sche Teil der Geschichte: ohne Geld sit­zen die bei­den da, ver­die­nen ein wenig neben­her, zäh­len jeden Cent und freuen sich den­noch, die­sen Weg für ihre Liebe gewählt zu haben. In die­sen schwie­ri­gen Zei­ten hal­ten sie zusam­men und kom­men irgend­wie über die Run­den. Viel­leicht ist das auch der beson­dere Kern der Geschichte: dass Liebe jede Schwie­rig­keit über­win­den kann, wenn sie nur groß genug ist.

„Love Story“ baut auf vie­len Kli­schees auf. Vor allem die ver­schie­de­nen Stände der Fami­lien und das tra­gi­sche Ende erin­nern sehr an „Romeo und Julia“, was nicht wei­ter schlimm wäre, wäre „Love Story“ gut geschrie­ben und aus­ge­baut gewe­sen. Von der „Liebe“ zwi­schen Jenny und Oli­ver merkt man beim Lesen kaum etwas. Die Geschichte schrei­tet sehr schnell voran, auf Beschrei­bun­gen von Gefüh­len und Situa­tio­nen wird wenig Wert gelegt, wes­halb man als Leser keine Mög­lich­keit hat, sich in die Per­so­nen hin­ein­zu­füh­len. Was emp­fin­det Oli­ver, als Jenny ihn abweist? Was emp­fin­det er, als ihn sein Vater vor die Wahl stellt? Lei­der wur­den die Emo­tio­nen, wel­che doch so wich­tig für eine Lie­bes­ge­schichte sind, nicht aus­rei­chend beschrie­ben und aus­ge­baut. Ein Erleb­nis folgt dem nächs­ten, bis zum tra­gi­schen Ende, wel­ches nicht ein­mal als beson­ders tra­gisch emp­fun­den wird, weil wäh­rend des Lesens keine Bezie­hung zu den Prot­ago­nis­ten auf­ge­baut wer­den konnte.

Der Erfolg mag auf das Erschei­nungs­jahr 1970 zurück­zu­füh­ren sein. Heut­zu­tage wer­den wir jedoch von Geschich­ten von u.a. Ceci­lia Ahern und Nicho­las Sparks ver­wöhnt, wes­halb „Love Story“ in den Schat­ten gerückt wird. Es hätte eine schöne Lie­bes­ge­schichte ent­ste­hen kön­nen, hätte der Autor uns ein biss­chen mehr gebo­ten. So ist es aber lei­der nur eine von vie­len und keine beson­ders gute „Love Story“.

Alexa

Love Story, Erich Segal, Fischer, 2004
Erst­ver­öf­fent­li­chung: 1970

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8 comments

saetzeundschaetze1 10. Februar 2014 - 8:20

Das ist jetzt viel­leicht ein rich­tig doo­fer Kom­men­tar – aber ihr seid viel­leicht eine Gene­ra­tion zu jung 🙂 (Ent­schul­di­gung). Der Hype um das Buch lässt sich nicht ohne die Ver­fil­mung mit Ryan O‚Neal und Ali Mac­Graw erklä­ren. Das hat Taschen­tü­cher ohne Ende gekostet...Klar, ist es nicht beson­ders geschrie­ben – aber Buch&Film sind – naja für mit­te­läl­ter­li­che Damen wie mich – Kult. Das ist eines der weni­gen Büchern, die ich aus dem Schrank mei­ner Eltern mit­ge­nom­men habe...Und „das alte Stein­ge­sicht“ gehört zum Sprach­ge­brauch. Aber mit der Ein­schät­zung des Buches habt ihr natür­lich recht – von daher ist ein gewis­ser zeit­li­cher Abstand hier durch­aus von Vor­teil, um das Geschrie­bene nüch­tern beur­tei­len zu können 🙂

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Bücherstadt Kurier 10. Februar 2014 - 8:48

Das ist kein doo­fer Kom­men­tar. 🙂 Ich habe mir schon gedacht, dass es an der Gene­ra­tion liegt, musste aber wis­sen, worum ein sol­cher Hype gemacht wird. Vor allem, weil die­ses Buch auch in neuen Fil­men in den Hän­den der Haupt­per­so­nen auf­taucht (lei­der weiß ich nicht mehr, wel­che Filme das waren) und als DIE Lie­bes­ge­schichte dar­ge­stellt wird. Warum die­ses Buch? Ich musste es lesen, um mir meine eigene Mei­nung bil­den zu kön­nen. Lei­der war mir die Geschichte dann doch etwas zu emo­ti­ons­los. Dafür habe ich ein­fach schon zu viele Lie­bes­ge­schich­ten gele­sen, die mich wirk­lich berührt haben – „Wie ein ein­zi­ger Tag“ von Nicho­las Sparks z.B.

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Wortakzente/Kinderohren 10. Februar 2014 - 9:48

Stimmt, das ist einer der meist­be­heul­ten Filme mei­nes Lebens. Und natür­lich habe ich damals das Buch auch gele­sen, kann mich aber nicht mehr an den Stil erin­nern. Das war ein­fach Kult. Ob ich den Film heute noch gut gemacht fände, kann ich nicht beur­tei­len, ich habe ihn ewig nicht gese­hen. Viel­leicht ist das auch bes­ser so, um eine schöne Erin­ne­rung nicht zu zerstören.

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Petra Gust-Kazakos 10. Februar 2014 - 16:16

Als ich den Film damals zum ers­ten Mal sah, war ich natür­lich vom Ende – wie die meis­ten – zu Trä­nen gerührt. Obwohl die Lie­bes­ge­schichte selbst trotz aller Wid­rig­kei­ten, die die Lie­ben­den gemein­sam meis­tern, wirk­lich eher “cool” als lei­dent­schaft­lich daher­kommt. Danach las ich das Buch, hat auch funk­tio­niert. Viele Jahre spä­ter habe ich mir die DVD gekauft und den Film seit­her noch zwei­mal ange­schaut. Wie­der mit Trän­chen, aber auch mit mehr Distanz: Natür­lich, es ist ein klas­si­scher Trä­nen­drü­sen­drü­cker, dar­auf war das Buch dank tra­gi­schem Ende hin­ge­schrie­ben und der Film trans­por­tiert das ver­läss­lich. Aber viele Klas­si­ker haben sol­che Ele­mente, beson­ders bei Fil­men klappt das bei mir auch nach dem xten Mal immer an den glei­chen Stel­len (Jen­seits von Afrika, Reise nach Indien etc.) ; ) Tat­säch­lich war es beim Buch Love Story bei mir auch so, dass mir die Figu­ren weni­ger nah kamen als im Film. Was sicher an der wun­der­ba­ren Beset­zung lag. Ich kann mir gut vor­stel­len, dass der Film und das Buch für das heu­tige Publi­kum nicht mehr so gut funk­tio­nie­ren, obwohl es auch heute viele Trä­nen­drü­sen­drü­cker gibt, die gern gele­sen oder ange­se­hen wer­den. Aber viel­leicht muss man heute ein­fach andere Regis­ter ziehen.

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Flutschbuch (2): Erich Segal – Love Story | Sätze&Schätze 31. Mai 2014 - 6:03

[…] der „Love Story“ kri­tisch ins Gericht – durch­aus berech­tigt. Aber – und das zeigt auch die inter­es­sante Dis­kus­sion dort – das ist ein Trä­nen­drü­sen­drü­cker (danke an Petra von Philea‚s Blog für die­sen herrlichen […]

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buchpost 31. Mai 2014 - 9:54

Ihr macht mir wirk­lich Lust, das Buch mal wie­der aus dem Regal zu fischen und zu lesen 🙂

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Bücherstadt Kurier 1. Juni 2014 - 19:06

Wir sind gespannt auf deine Mei­nung! 🙂 LG, Alexa

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Sonntagsleserin KW #22 – 2014 | buchpost 1. Juni 2014 - 20:37

[…] Bücher­stadt Kurier und Bir­git von Sätze&Schätze über­leg­ten, ob Love Story von Pro­fes­sor Segal immer noch ihren Kult­sta­tus inne­hat oder ob der Erfolg eher der Ver­fil­mung und einem gewis­sen Zeit­ge­fühl geschul­det war. Muss ich unbe­dingt mal wie­der aus dem Regal fischen, damit ich mit­re­den kann. […]

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