Zwischen Normalität und Wahnsinn – Abgründe der menschlichen Psyche

by Bücherstädterin Rosi

Die Psy­cho­lo­gin Sarah Mar­ten führt ein inten­si­ves Leben und ist damit zufrie­den. Doch alles ändert sich, als ihre schwer kör­per­lich und geis­tig behin­derte Schwes­ter Rebekka auf mys­te­riöse Weise in ihrem Wohn­heim ver­schwin­det und immer mehr unheim­li­che und uner­klär­li­che Dinge pas­sie­ren. Buch­schatz­meis­te­rin Rosi wagt sich „in den Grenz­be­reich zwi­schen Nor­ma­li­tät und Wahn­sinn“ und schaut in die Abgründe der mensch­li­chen Psyche.

Der Psy­cho-Thril­ler „Schock­frost“ des Autoren-Duos Petra Iva­nov und Mitra Devi beginnt im Pro­log mit einer Rück­blende. Eine junge Frau in einem wei­ßen Som­mer­kleid hat sich erhängt. Die Lei­che wird von ihrer jün­ge­ren Schwes­ter Lisa gefun­den, die dar­auf­hin in Depres­sio­nen ver­fällt und schließ­lich in einer psych­ia­tri­schen Kli­nik sta­tio­när behan­delt wird. Hier ist ein Behand­lungs­an­satz das Schrei­ben eines Tage­buchs. Lisa beschreibt darin ihren Gefühls­zu­stand: „Schock­frost“.

Immer wie­der kehrt die Hand­lung des Thril­lers zu Lisa zurück. Stück für Stück ent­hül­len sich den Lesern dabei wich­tige Infor­ma­tio­nen, um die Gesamt­hand­lung des Romans zu erhel­len und ver­steh­bar zu machen.

Mys­te­riös und verstörend

Der Haupt­er­zähl­strang han­delt jedoch von Sarah und den mys­te­riö­sen Ereig­nis­sen in ihrem Leben. Als ers­tes ist Rebekka in ihrem Wohn­heim ver­schwun­den, als Sarah sie wie üblich zum Wochen­ende abho­len will. Zwar wird Rebekka nach eini­ger Auf­re­gung wie­der­ge­fun­den, doch es kommt zu Strei­tig­kei­ten zwi­schen Sarah und der Heim­lei­tung. Sie beschul­digt Sarah letzt­end­lich, Rebekka an den Heim-Wochen­en­den zu miss­han­deln, denn an jedem Mon­tag ent­de­cken die Pfle­ge­kräfte neue Häma­tome an ihrem Kör­per. Ver­zwei­felt und hilf­los ver­sucht Sarah, sich gegen diese Vor­würfe zu weh­ren, doch es gelingt ihr nicht, diese zu entkräften.

Als wäre das noch nicht genug, ist da noch ihr Ex-Mann Kas­par, eben­falls ein Psych­ia­ter und in einer Kli­nik tätig, der ihr das Leben schwer macht, indem er ihr immer wie­der beruf­li­che Inkom­pe­tenz vor­wirft. Doch aus­ge­rech­net Kas­par über­weist einen sei­ner Pati­en­ten an Sarah: Georg Schwartz, den Drachentöter.

Georg Schwartz lei­det an Schi­zo­phre­nie und glaubt sich von allen ande­ren Men­schen bedroht. Nur bei Sarah sieht er das anders: Sie ist eine von den Guten und er glaubt erkannt zu haben, dass sie in gro­ßer Gefahr ist. Immer wie­der warnt er sie vor den Men­schen in ihrer unmit­tel­ba­ren Umge­bung, doch Sarah nimmt ihn nicht ernst. Also muss er sie beschüt­zen und ver­folgt und beob­ach­tet die Men­schen in ihrem Umfeld. Dabei macht er Ent­de­ckun­gen, die den Lesern wesent­li­che Erkennt­nisse zum Ver­ste­hen der Hand­lung liefern.

Hoch­span­nung und Action

Eines Tages hat Sarah dann zu Hause einen Unfall und fällt die Treppe hin­un­ter. Von da an pla­gen sie Kopf­schmer­zen, Seh­stö­run­gen und Gedächt­nis­lü­cken. Immer tie­fer gerät sie in den unheim­li­chen Stru­del der Ereig­nisse, die von nun an ihr Leben beherr­schen. Das Ver­hält­nis zu ihrem Sohn Dave wird immer schlech­ter. Dave hat sich in eine Inter­net-Bekannt­schaft ver­liebt, die anschei­nend als ein­zige seine chao­ti­sche, puber­tie­rende Gefühls­welt versteht.

Bei dem Ver­such, sie in „echt“ zu tref­fen, gerät Dave mit einer Gruppe jun­ger Leute in eine pre­käre Situa­tion, die ihn erpress­bar macht. Ein Unbe­kann­ter zwingt ihn, aus der Pra­xis sei­ner Mut­ter Psy­cho­phar­maka zu steh­len und Rebekka aus dem Wohn­heim zu ent­füh­ren und mit­ten in der Dun­kel­heit im Wald aus­zu­set­zen. Dave fühlt sich dar­auf­hin nicht gut, rasant ver­schlech­tert sich in der Folge sein all­ge­mei­ner Gesund­heits­zu­stand. Seine Eltern ste­hen vor einem Rät­sel. Die Ärzte kön­nen keine Krank­heits­ur­sa­che finden.

Sarah ist selbst immer wei­ter ange­schla­gen. Sie weiß bald nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Ein schreck­li­cher Zustand! Als Dave dann auch noch urplötz­lich ver­schwin­det, muss sie han­deln. Mit Hilfe einer frü­he­ren Stu­di­en­freun­din fin­det sie die Ursa­che für seine Krank­heits­sym­ptome her­aus: Dave wurde sys­te­ma­tisch ver­gif­tet. Und ein Sicher­heits­fach­mann ent­deckt eine ver­steckte Kamera in Sarahs Pra­xis­räu­men. Wer ist für all das ver­ant­wort­lich? In Sarah kommt ein ent­setz­li­cher Ver­dacht hoch. Kann das wirk­lich stimmen?

Rasant nimmt der Thril­ler im letz­ten Drit­tel noch ein­mal an Fahrt auf und führt die Leser mit Hoch­span­nung und Action zur Auf­lö­sung die­ses scho­ckie­ren­den Falls.

Prä­di­kat: Sehr empfehlenswert

„Schock­frost“ ist mehr als ein Thril­ler. Im Mit­tel­punkt der Story steht die Psy­cho­lo­gin Sarah Mar­ten, in deren Leben auf ein­mal unheim­li­che und mys­te­riöse Dinge gesche­hen, die der Titel­fi­gur den Boden unter den Füßen weg­zie­hen. Sarahs Bezie­hun­gen zu den ver­schie­de­nen, sehr schön skiz­zier­ten Cha­rak­te­ren der Hand­lung wer­den erzählt und lang­sam auf­ge­schlüs­selt. Dabei zeigt sich den Lesern nach und nach, wie ver­strickt und ver­wo­ben alles und alle mit­ein­an­der sind. Und wie weit in die Ver­gan­gen­heit alles zurück­reicht, was heute im Hier und Jetzt geschieht.

„Schock­frost“ ist ein sehr gelun­ge­ner und span­nen­der Psy­cho­thril­ler, der Höchst­span­nung von der ers­ten bis zur letz­ten Seite garan­tiert. Beim Lesen erle­ben die Leser die Ereig­nisse haut­nah mit und spü­ren in ihrem Inne­ren, wie Sarah sich gerade fühlt. Beson­ders schön ist das letzte Drit­tel des Buches, in dem die Hand­lung noch ein­mal rasant an Fahrt auf­nimmt. Alles in allem ein sehr emp­feh­lens­wer­tes Buch!

Schock­frost. Petra Iva­nov & Mitra Devi. Uni­ons­ver­lag. 2017.

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