Zwei Puzzleteile im falschen Karton

by Bücherstadt Kurier

„Wovon man alles nicht stirbt“ von Bar­bara Zoschke ist ein Buch rund um das Thema Flücht­linge, ins­be­son­dere Kin­der­flücht­linge, was es für sie bedeu­tet, alleine in einem ande­ren Land zu sein und wie man ihnen hel­fen kann. Die­ses über­aus ernste Thema wird in die süße Freund­schafts­ge­schichte von Lesya und Kim ver­packt. – Von Bücher­städ­te­rin Jasmin

Als Lesya neu in die Klasse 6c kommt, dau­ert es nicht lange, bis zwi­schen Kim und ihr eine feste Freund­schaft ent­steht. Denn eins haben die 13-jäh­rige Sit­zen­blei­be­rin und das ukrai­ni­sche Mäd­chen, des­sen Eltern in Gefäng­nis sit­zen, gemein­sam: Sie gehö­ren nir­gendwo dazu. Pas­sen nicht zum Rest. Doch seit sie zu zweit sind, ist das gar nicht mehr so schlimm.

Lesya wohnt bei ihrer Tante, die aber nie zuhause zu sein scheint, da sie viel mit der Arbeit zu tun hat, wes­halb Lesya in ihrer Frei­zeit die Wände mit ihrer Höh­len­ma­le­rei ver­ziert. Kim ist nach der sechs­ten vom Gym­na­sium auf die Gesamt­schule gewech­selt, um die Klasse zu wie­der­ho­len und hat seit­dem keine neuen Freunde gefun­den. Ihr Vater ist vor eini­gen Jah­ren gestor­ben, ihre Mut­ter lei­det an Dia­be­tes (dies wird im Buch mit „an Zucker lei­den“ umschrie­ben) und mit ihrem Stief­va­ter kommt sie gar nicht klar. Dann ist da noch Herr Klose, der Fahr­rad-Klose genannt wird. Dass er sich anfangs noch sehr nett gegen­über Lesya benahm, änderte sich, als Lesya auch nach ihrem „Sprachur­laub“ noch in Deutsch­land bleibt. Plötz­lich besteht Fahr­rad-Klose dar­auf, mit Tante Saskia zu reden und macht Lesya klar, dass eine Drei­zehn­jäh­rige noch nicht alleine woh­nen darf. Doch dann, nach­dem Lesya und Kim ihm den Tod gewünscht haben, stirbt er und alles ändert sich …

Ers­ter Eindruck

Auf­ge­fal­len ist mir die­ses Buch vor allem auf­grund des außer­ge­wöhn­li­chen Titels. „Wovon man alles nicht stirbt“ klang wirk­lich sehr anspre­chend und hat auf jeden Fall sofort meine Auf­merk­sam­keit geweckt. Die vie­len ver­schie­de­nen Far­ben des Covers sor­gen für eine etwas exo­ti­sche, aber auch fri­sche Aus­strah­lung des Buches, haben mich aber bei Wei­tem nicht so ange­zo­gen wie der Titel. Der Klap­pen­text wirkte eben­falls sehr inter­es­sant, wes­halb ich mich nach eini­gem Über­le­gen dazu ent­schie­den habe, die­sem Buch eine Chance zu geben, auch wenn ich nor­ma­ler­weise keine „typisch-Mädchen“-Bücher lese.

Die Schrift ist gut leser­lich, nur bei den „eigen­hän­dig“ geschrie­be­nen Lis­ten musste ich manch­mal ein zwei­tes Mal hin­gu­cken, bevor ich das Wort ent­zif­fern konnte, was mich nicht gestört und das Buch ins­ge­samt etwas inter­es­san­ter gemacht hat. Diese Lis­ten hat Kim ange­fer­tigt, weil es ihr Spaß gemacht hat, Sachen auf­zu­lis­ten und sie die Zahl Zehn mochte. Des­halb hat sie ver­sucht zu jedem Thema, das sie inter­es­sant fand, eine Liste mit zehn Din­gen anzu­fer­ti­gen, die sie dann in Ord­ner abge­hef­tet hat.

Finale Mei­nung

Geschrie­ben wurde das Buch aus der Sicht von Kim. Die Hin­ter­grund­ge­schich­ten der bei­den Prot­ago­nis­tin­nen, sowohl die von Kim als auch die von Lesya sind sehr rea­lis­tisch, wes­halb die bei­den Mäd­chen durch­aus lebens­echt wir­ken. Mir war Kim und damit auch die ganze Geschichte aller­dings zu kind­lich. Mei­ner Mei­nung nach klang es, als wäre es die Sicht einer Acht­jäh­ri­gen und nicht einer Drei­zehn­jäh­ri­gen. Das war der Grund, warum ich nach einer Weile kein wirk­li­ches Inter­esse mehr daran hatte, wei­ter­zu­le­sen. Das Ende habe ich nur über­flo­gen, da ich wis­sen wollte, wie es ausgeht.

Für den kind­li­chen Schreib­stil war die Haupt­ge­schichte wie­derum ziem­lich ernst, was dazu führte, dass diese bei­den Gegen­sätze eine gewisse Span­nung erzeug­ten, die sich durchs ganze Buch zog. Ins­ge­samt habe ich mehr erwar­tet. Die Grund­idee gefällt mir auch wei­ter­hin, sie wurde mei­ner Mei­nung nach nur schlecht umge­setzt. Emp­feh­len würde ich die­ses Buch ab zwölf Jah­ren für Mäd­chen, die gerne diese „typisch-Mädchen“-Bücher lesen.

Wovon man alles nicht stirbt. Bar­bara Zoschke. Cop­pen­rath. 2018.

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