Wieso hast du Schiss, darüber zu sprechen? #OwnVoicesBK: Kurt Krömer: „Du darfst nicht alles glauben, was du denkst“

by Zeilenschwimmerin Ronja

Du darfst nicht alles glaubenPsy­chi­sche Erkran­kun­gen sind für viele immer noch ein Tabu-Thema. Der Come­dian Kurt Krö­mer hat mit die­sem Tabu gebro­chen und erzählt in „Du darfst nicht alles glau­ben, was du denkst“ von sei­ner Depres­sion. – Von Zei­len­schwim­me­rin Ronja

Letz­tes Jahr stol­perte ich zufäl­lig über eine Folge von „Chez Krö­mer“ (rbb), in der Tors­ten Strä­ter zu Gast war. Die Sen­dung ist im All­ge­mei­nen nicht so mein Fall, doch dies­mal blieb ich hän­gen. Kurt Krö­mers fre­che, gern auch mal derbe Ber­li­ner Art trat hier in den Hin­ter­grund. Es wurde auch kein Feu­er­werk der Comedy. Statt­des­sen ent­spann sich ein auf­rich­ti­ges, ernst­haf­tes (und trotz­dem auch mal lus­ti­ges) Gespräch über ihre Depres­sio­nen, das mit der Frage begann: „Wieso hast du Schiss dar­über zu sprechen?“

Für Kurt Krö­mer (eigent­lich Alex­an­der Bojcan) war es das erste Mal, dass er öffent­lich über seine Depres­sion gespro­chen hat – und er wurde dar­auf­hin von der Viel­zahl der posi­ti­ven, dank­ba­ren, aber auch hil­fe­su­chen­den Nach­rich­ten über­wäl­tigt. Auch dar­aus ent­stand wohl die Idee für die­ses Buch: „Ich kann nicht akut hel­fen, alles, was ich kann, ist meine Geschichte erzäh­len.“ (S. 13)

Diese Geschichte ist keine voll­stän­dige Bio­gra­fie, aber natür­lich schil­dert Bojcan Epi­so­den aus sei­nem Leben, um die Depres­sion anschau­lich zu machen. Dabei ist das Buch in drei Abschnitte unter­teilt. Teil eins wid­met sich über­wie­gend dem Leben mit der Depres­sion und ihren Sym­pto­men. In Teil zwei berich­tet Bojcan von sei­ner The­ra­pie­er­fah­rung und im kür­zes­ten drit­ten Teil geht es um „das Danach“.

„Ich habe mich doch auf ein schö­nes, unter­halt­sa­mes Depres­si­ons­buch gefreut.“ (S. 20)

Ertappt. Anfangs war ich wirk­lich über­rascht vom Ton des Buches. Sicher habe ich nicht erwar­tet, es sei ein zum Schreien komi­sches Buch über so ein erns­tes Thema, nur weil es von einem Come­dian geschrie­ben wurde. Aber eine gewisse (naïve) Erwar­tung war den­noch da. Das soll nicht hei­ßen, dass es gar nichts zu lachen gibt. Gerade im zwei­ten Teil fin­den sich ein paar nette Anek­do­ten. Obwohl (oder gerade weil?) es Bojcan wohl zuerst schwer fiel, über sei­nen Kli­nik­auf­ent­halt zu schrei­ben, ist die­ser Abschnitt die beson­dere Stärke des Buches.

„Ich hatte eine schwere Depres­sion, jetzt rede ich öffent­lich dar­über und kriege mords­mä­ßi­gen Zuspruch. Viele, viele Men­schen haben gesagt: ‚Das ist geil. Das war stark, die­ses Thema mal öffent­lich zu machen.‘ Wenn das meine Fähig­keit sein sollte, Tabu­the­men öffent­lich anzu­spre­chen, dann bin ich gerne der Ex-Depres­sive, der über seine Krank­heit spricht.“ (S. 190)

Vor allem über­zeugt das Buch aber mit einer Ehr­lich­keit, die mich auch bei der „Chez Krö­mer“ Folge mit Tors­ten Strä­ter fes­selte. Hier spricht nicht die Kunst­fi­gur Kurt Krö­mer, auch wenn sie ihren Namen als Blick­fang sicher gern zur Ver­fü­gung gestellt hat.

Für wen ist nun die­ses Buch? Für Fans von Kurt Krö­mer, sicher­lich. „Für alle, die Fra­gen habe zur Lei­dens­ge­schichte von Kurt Krö­mer […].“ (S.72) Aber auch für Leute, die mit der Kunst­fi­gur Kurt Krö­mer eher wenig anfan­gen kön­nen (oder sie auch gar nicht ken­nen), dafür aber einen ermu­ti­gen­den (und stel­len­weise lus­ti­gen) Erfah­rungs­be­richt eines (ehe­mals) depres­si­ven Men­schen lesen möchten.

Du darfst nicht alles glau­ben, was du denkst. Kurt Krö­mer. Kie­pen­heuer & Witsch. 2022.

Hier geht es zur genann­ten Folge „Chez Krö­mer“ mit Tors­ten Strä­ter.

Ein Bei­trag zum The­men­jahr #Own­VoicesBK. Hier fin­det ihr alle Beiträge.

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Tele­fon­seel­sorge: 0800 111 0 111 (24|7 besetzt, kostenfrei)

Deutsch­land­wei­tes Info-Tele­fon Depres­sion: 0800 33 44 5 33 (kos­ten­frei; Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr & Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr)

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