Wie würdest du dich entscheiden? „Hörgefühlt“ I #Todesstadt

by Seitentänzerin Michelle-Denise

Bei „Hör­ge­fühlt“ han­delt es sich um ein kos­ten­lo­ses inter­ak­ti­ves Hör­aben­teuer. Es ist ein Pre­quel zum neuen Thril­ler „Das Letzte, was du hörst“ von Andreas Win­kel­mann und soll die Lese­rin­nen und Leser neu­gie­rig machen. Sei­ten­tän­ze­rin Michelle-Denise hat sich auf das Aben­teuer eingelassen.

„Hör­ge­fühlt“ ist über die Web­site hoer​ge​fuehlt​.de zu errei­chen. Die Seite ist durch schwarze und rote Töne in einer dunk­len und bedroh­lich wir­ken­den Farb­ge­bung gehal­ten. Auf der rech­ten Seite erblickt man die leicht beleuch­tete Sil­hou­ette einer blon­den Frau, bei der es sich um die Prot­ago­nis­tin des Hör­aben­teu­ers han­deln könnte. Das Gesamt­bild erzeugt direkt eine düs­tere Stim­mung und passt gut zum Design des Buchcovers.

Die Web­site offen­bart drei Aus­wahl­mög­lich­kei­ten „Hör­ge­fühlt“ zu spie­len: Auf einem Smart Spea­ker (Ama­zon Echo oder Google Home), auf dem Handy (Ama­zon Alexa App) oder direkt im Brow­ser (ohne Sprach­steue­rung). Ich habe mich für den Brow­ser ent­schie­den, da ich sowieso am Lap­top saß und direkt los­le­gen wollte. Das Aben­teuer konnte beginnen …

Persönlicher Einfluss auf die Geschichte

Zunächst hörte ich einen klei­nen Aus­schnitt des fik­ti­ven Pod­casts „Hör­ge­fühlt“ von Marc Maria Hagen. Er erklärte, dass es in sei­nem Pod­cast nicht um Rat­schläge gehen würde, son­dern viel­mehr um die Sen­si­bi­li­sie­rung des Hör­füh­lens. Was das genau sein soll, wurde mir hier (und lei­der auch am Ende) jedoch noch nicht klar. Anschlie­ßend führte im wei­te­ren Ver­lauf eine Erzäh­le­rin durch das Aben­teuer. Die Hand­lun­gen wur­den wie in einem Hör­spiel durch die Erzäh­le­rin sowie durch Dia­loge der Cha­rak­tere dar­ge­stellt. Ein­zi­ger Unter­schied zum klas­si­schen Hör­spiel ist hier jedoch, dass ich als Spie­le­rin die Rolle der Prot­ago­nis­tin Anne ein­nahm, die sich als Fan des zu Beginn gehör­ten Pod­casts her­aus­stellte. Es lag an mir, in ihrem Sinne Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Diese Ent­schei­dun­gen füg­ten sich in unter­schied­li­che Abschnitte der Geschichte ein. Ob beim Streit mit ihrem Freund, in Tele­fo­na­ten mit Bekann­ten oder in bedroh­li­chen Situa­tio­nen – ich hatte durch Ankli­cken von Optio­nen zu ent­schei­den, wie Anne agie­ren oder reagie­ren würde.

Ein polarisierender Podcast(er)

Bereits nach weni­gen Minu­ten wurde deut­lich, dass der Pod­cast „Hör­ge­fühlt“ kon­flikt­be­las­tet ist. Sowohl Anne als auch andere weib­li­che Cha­rak­tere schwärm­ten unent­wegt von dem Pod­cas­ter Marc Maria Hagen. Sogar im „Hörgefühlt“-Forum tausch­ten sich die Höre­rin­nen über den Pod­cast und den Mann mit der war­men cha­ris­ma­ti­schen Stimme aus. Das dies bei den Lebens­ge­fähr­ten auf Unver­ständ­nis sto­ßen würde, wurde schnell deut­lich. Bereits nach weni­gen Minu­ten hatte ich zu ent­schei­den, ob Anne in einem Streit mit ihrem Freund über den Podcast(er) ruhig reagie­ren oder sti­cheln würde. Ich ent­schied mich für eine ruhige Reak­tion. Aber egal wie ruhig und sach­lich ich mich durch die ver­schie­dens­ten Kon­flikt- und Gefah­ren­si­tua­tio­nen zu win­den ver­suchte, ich konnte nicht ver­hin­dern, dass die Geschichte wei­ter an Fahrt aufnahm.

Die Wende im Spielverhalten

Ein gewon­ne­nes Gewinn­spiel ermög­lichte Anne einen Platz für ein Coa­ching­wo­chen­ende bei kei­nem gerin­ge­ren als ihrem Lieb­lings­pod­cas­ter Hagen. Die Eupho­rie mei­nes Cha­rak­ters schwand bereits nach kur­zer Zeit, als Hagen mit Anne und den ande­ren Teil­neh­mern des Work­shops psy­cho­lo­gi­sche Spiele begann, um ihnen den Spie­gel der Gesell­schaft vor Augen zu hal­ten. Um wel­che Spiele es ging, möchte ich an die­ser Stelle nicht genauer ein­ge­hen, denn das würde nicht nur den Über­ra­schungs­ef­fekt neh­men, son­dern womög­lich auch die Ant­wor­ten beim eige­nen Spiel beein­flus­sen. Der Pod­cas­ter wurde mei­ner Rolle, genauso wie mir selbst, immer unheim­li­cher und unsym­pa­thi­scher. Der erste Tag des Coa­chings war für mich die Wende. Wäh­rend ich mir zu Beginn zwar auch Gedan­ken gemacht hatte, wie ich han­deln würde, war ich jedoch nicht voll­ends in die Geschichte ein­ge­taucht. Ab die­sem Zeit­punkt begann das inter­ak­tive Hör­aben­teuer aber span­nend zu wer­den und meine Aus­wahl war nicht mehr halb­her­zig, son­dern wohl­durch­dacht. Ich wollte unbe­dingt die rich­tige Ent­schei­dung tref­fen und Hagen die Stirn bieten.

Einfach überleben wollen

Nach einer Weile befand ich mich allein im düs­te­ren Wald und wurde von einer dun­kel geklei­de­ten Gestalt ver­folgt. Ich fürch­tete, dass Anne etwas zusto­ßen könnte, und ver­suchte, geschickt Wege zu fin­den, um sie aus der Situa­tion zu ret­ten. In den letz­ten Minu­ten habe ich es geschafft. Hätte ich es durch andere Ent­schei­dun­gen auch unbe­scha­det mit Anne durch das Hör­aben­teuer geschafft? Ich bin mir nicht sicher. Nach­dem ich „Hör­ge­fühlt“ gespielt hatte, habe ich mei­nen Freund dazu ani­miert, auch sein Glück zu ver­su­chen. Teil­weise traf er andere Ent­schei­dun­gen als ich, die jedoch durch leichte Wen­dun­gen in die glei­chen Situa­tio­nen mün­de­ten, die ich zuvor erlebte. Im ent­schei­den­den letz­ten Abschnitt ent­schied er sich jedoch wie ich. Ihm war es wohl auch wich­ti­ger, das Aben­teuer ein­fach zu über­le­ben, als mit der mys­te­riö­sen Gestalt, die Anne durch­weg zu ver­fol­gen schien, in Kon­takt zu tre­ten. Womög­lich könnte die Geschichte ein ande­res Ende neh­men, als ich es erlebt habe. Viel­leicht aber auch nicht. Pro­biert es gerne selbst aus und ver­sucht euer Glück.

Martina und Roya

„Hör­ge­fühlt“ dau­ert ca. 30 Minu­ten. Diese Zeit­an­gabe hängt jedoch auch davon ab, wie lange man über­legt, bis man die ein­zel­nen Ent­schei­dun­gen trifft. Mir hat es wirk­lich Spaß gemacht mich durch die Hand­lun­gen zu bewe­gen und Ein­fluss auf den Ver­lauf der Geschichte neh­men zu kön­nen. Mit der Vor­ge­schichte zu „Das Letzte, was du hörst“ ver­stärkt Andreas Win­kel­mann die Neu­gier auf den neuen Thril­ler unge­mein. Man lernt bereits zwei Cha­rak­tere ken­nen, die neben Marc Maria Hagen eine große Rolle im Roman spie­len könn­ten, näm­lich Mar­tina und Roya. Die bei­den Frauen sind mei­nem Cha­rak­ter Anne in unter­schied­li­chen Situa­tio­nen begeg­net und sorg­ten stets für Span­nung und Dra­ma­tik. Ihre Geschichte scheint noch lange nicht aus­er­zählt zu sein.

Gelungene Besetzung der Sprecherinnen und Sprecher

Lisa Car­di­nale, die als Erzäh­le­rin und Stimme von Anne fun­giert, führt die Höre­rin­nen und Hörer dyna­misch durch das Hör­aben­teuer und über­zeugt durch ihre ange­nehme Stimm­farbe. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist jedoch auch die Spre­cher­rolle von Charles Ret­ting­haus als Marc Maria Hagen. Hätte ich zunächst nur die Beschrei­bung der Stimme des Pod­cas­ters gele­sen, hätte ich mir diese genauso sanft und cha­ris­ma­tisch vor­ge­stellt wie sie hier durch Ret­ting­haus besetzt wurde. Als Spe­cial Guest die­ses Hör­spiels tritt sogar Andreas Win­kel­mann in Erschei­nung. Wel­che Rolle er dabei über­nimmt, sei an die­ser Stelle nicht verraten.

Im Nach­hin­ein ärgere ich mich schon ein biss­chen, dass ich mich für die Print­aus­gabe und nicht für das Hör­buch von „Das Letzte, was du hörst“, dem Thril­ler, der the­ma­tisch an das Pre­quel „Hör­ge­fühlt“ anbin­det, ent­schie­den habe, denn gerade bei der The­ma­tik Pod­cast hätte es sich ange­bo­ten, akus­tisch in die Geschichte ein­zu­tau­chen. Nichts­des­to­trotz freue ich mich auf den neuen Best­sel­ler und werde in Kürze hier dar­über berich­ten, wie die Geschichte um „Hör­ge­fühlt“ weitergeht.

Hoer​ge​fuehlt​.de. Spre­che­rIn­nen: Lisa Car­di­nale, Charles Ret­ting­haus, Andreas Win­kel­mann u.a. Rowohlt. 2022.

Ein Bei­trag zur Todes­stadt. Hier fin­det ihr alle Beiträge.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr