Welche Farbe hat die Angst?

by Bücherstadt Kurier

„Warum quälst du mich mit dei­ner Eifer­sucht? Du hast kei­nen Grund dazu, du machst mir Angst. Die Male­rei hat uns doch immer ver­bun­den, soll sie uns nun trennen?“

Ein Buch­ti­tel in Form einer Frage – das gefällt mir sehr gut, denn man beginnt doch ganz auto­ma­tisch, nach einer Ant­wort zu suchen. Mir erging es auf jeden Fall so, als ich das Buch zum ers­ten Mal in die Hand genom­men habe. Ja, wel­che Farbe hat denn die Angst? Kann Angst über­haupt eine Farbe haben? Auf jeden Fall! Far­ben und Emo­tio­nen gehö­ren zusam­men wie ein altes Ehe­paar. Man kann mit Far­ben ganz wun­der­bar seine eige­nen Emo­tio­nen wie­der­spie­geln. Wer sei­nen Emo­tio­nen beim Malen freien Lauf lässt, der wird schnell fest­stel­len, dass sein Unter­be­wusst­sein ganz auto­ma­tisch die Far­ben zur momen­ta­nen Stim­mung auswählt.
Bar­bara Rose hat in ihrem Jugend­ro­man das Thema Kunst und Emo­tio­nen schön auf­ge­grif­fen und ver­ar­bei­tet. Die Prot­ago­nis­tin Katta liebt das Malen über alles und sie kann es auch sehr gut. So gut, dass sie einen Wett­be­werb gewinnt und als Preis einen Mal­kurs bei dem Künst­ler Josef Wild antre­ten darf.
Aber so offen sie für die Kunst ist, umso ver­schlos­sen ist sie ihren Mit­men­schen gegen­über. Nicht auf­fal­len, um kei­nen Preis. Sie ist sehr intro­ver­tiert und schüch­tern und sucht oft nach pas­sen­den Wor­ten. Aber mit Far­ben kennt sie sich aus. Mit Jungs weni­ger, wie sie merkt. Sie muss ler­nen, über ihren eige­nen Schat­ten zu sprin­gen, denn wäh­rend des Kur­ses hat sie gleich zwei davon um sich – den unglaub­lich süßen Alex und ihren Kurs­part­ner Pascal.
Doch was als harm­lo­ser Kurs beginnt, ent­puppt sich recht bald zu einer Ach­ter­bahn­fahrt der Gefühle für Katta – denn in dem beschau­li­chen Ört­chen Gold­bach trügt der Schein. Katta spürt, dass hier vor eini­ger Zeit etwas vor­ge­fal­len ist, was einer frü­he­ren Schü­le­rin von Josef Wild den Tod brachte. Selbst­mord? Oder wurde sie umge­bracht? Es lässt Katta ein­fach keine Ruhe und eh sie sich ver­sieht, ist sie im Stru­del der Ereig­nisse gefangen.

Bar­bara Rose ist es gut gelun­gen, die Span­nung lang­sam anstei­gen zu las­sen, ohne dass die Geschichte zu ver­zwickt wird. Geschrie­ben ist der Roman für Kin­der ab 12 Jah­ren und die Spra­che ist der Ziel­gruppe ent­spre­chend gut, sogar sehr gut ange­passt. Nicht zu schwer, nicht zu lange Sätze, aber den­noch schon etwas mehr Tiefe durch das Ein­brin­gen ers­ter Ver­liebt­heit und dem Spiel mit den Far­ben & Emo­tio­nen. Für ältere Jugend­li­che mag es etwas zu offen­sicht­lich sein und daher an Span­nung man­geln, für die Alters­ziel­gruppe finde ich den „Schwie­rig­keits­fak­tor“ zum Mit­rät­seln jedoch ange­mes­sen und kann von den jun­gen Lesern auch beden­ken­los abends gele­sen wer­den, selbst wenn man etwas zart­be­sai­tet ist – nur für den Fall, dass sich Eltern beim Kauf durch den Titel abschre­cken las­sen – da ver­mu­tet man mehr „Thriller“-Effekt als tat­säch­lich dahin­ter steckt.

© Alex­an­dra Zylenas
Bue​cher​kaf​fee​.de

Wel­che Farbe hat die Angst?, Bar­bara Rose, Bas­tei Lübbe, 2014 

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1 comment

Monika-Maria Ehliah 3. Dezember 2014 - 14:56

Eifer­sucht ist eine unend­lich zer­stö­re­ri­sche Kraft.
Noch dazu – wenn sie grund­los ist.
Sie zer­stört – tötet die Liebe – das Herz und die Seele.
Segen!
M.M.

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