Warum ich Kinderbücher liebe

by Bücherstadt Kurier

Hallo. Mein Name ist San­dra. Seit fast fünf Jah­ren blogge ich schon auf www​.bue​cher​ni​sche​-blog​.de über Lite­ra­tur und Krea­ti­vi­tät. Ich liebe schön gestal­tete Illus­tra­tio­nen, gut geschrie­bene Geschich­ten und span­nende Abenteuer.

Kin­der­bü­cher und ich – das ist eine lebens­lange, sehr viel­schich­tige Ver­bin­dung inni­ger Zunei­gung zwi­schen bun­ten Buch­wel­ten und einem Men­schen, der schon immer ein Auge für Far­ben, ästhe­ti­sche Kom­po­si­tion und fan­tas­ti­sche, span­nende, bunte Geschich­ten hatte. Der Ursprung mei­ner Liebe zu Büchern, Kunst und Foto­gra­fie ist in den ers­ten Jah­ren mei­ner Kind­heit zu fin­den, als ich meine ers­ten Worte lesen konnte und meine Nase Tag für Tag lie­ber zwi­schen die Sei­ten steckte, als drau­ßen mit ande­ren Kin­dern zu spielen.

Wir sprin­gen zurück, zu einem Abend des Jah­res 1987. Schla­fens­zeit. Das Licht ist aus. Ich liege unter der Bett­de­cke und warte. Links neben dem Bett steht ein lan­ges Regal mit Büchern und Kuschel­tie­ren. Nach­dem es drau­ßen vor der Zim­mer­tür still gewor­den ist, hole ich eines der Bücher aus dem Regal und krab­bele mit einer Taschen­lampe in der Hand unter die Bett­de­cke. Der gol­dene Licht­ke­gel beleuch­tet die Foto­gra­fien und Illus­tra­tio­nen von Lena Ander­son in „Lin­néa im Gar­ten des Malers“, geschrie­ben von Chris­tina Björk.

Mit die­sem Buch began­nen die Keime mei­ner Liebe zu Kin­der­bü­chern zu trei­ben und sind bis heute tief in mei­nem Leben ver­wur­zelt. Die­ses wun­der­schöne Buch mit all sei­nen far­ben­fro­hen Zeich­nun­gen und Foto­gra­fien schil­dert die Begeis­te­rung eines klei­nen, fran­zö­si­schen Mäd­chens namens Lin­néa, das sich genau wie ihr pen­sio­nier­ter Nach­bar Blümle sehr für Blu­men und Male­rei inter­es­siert. Eines Tages machen sich die bei­den gemein­sam auf den Weg zum Haus Claude Monéts in der Nähe von Paris. Lin­néa möchte nur allzu gern den wun­der­schö­nen Gar­ten mit sei­nem See­ro­sen­teich sehen, der auch als Vor­lage für eines der bekann­tes­ten Gemälde die­ses berühm­ten Impres­sio­nis­ten diente. Mit die­sem Buch ent­brannte nicht nur meine Lei­den­schaft für Bücher; „Lin­néa im Gar­ten des Malers“ legte zugleich den Grund­stein für meine Liebe zur Foto­gra­fie und Kunst.

Klas­si­ker mei­ner Kindheit

Nach­dem ich Feuer für Lite­ra­tur gefan­gen hatte, gab es kein Hal­ten mehr. Zu Weih­nach­ten schenkte mir mein Papa Erich Käs­t­ners „Das dop­pelte Lott­chen“ und „Emil & die Detek­tive“, wel­che ich mit viel Begeis­te­rung las. Oft träumte ich sogar davon, mit Emil gemein­sam auf eine aben­teu­er­li­che Ver­fol­gungs­jagd zu gehen. Parole Emil!

Beson­ders inten­siv blieb mir in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren „Ronja Räu­ber­toch­ter“ im Gedächt­nis, das mehr als ein­mal für reich­lich Gän­se­haut sorgte. Ich hatte näm­lich schon immer ein Händ­chen dafür, mich in Geschich­ten inten­siv hin­ein­zu­den­ken. Astrid Lind­gren gehört ebenso wie Michael Ende bis heute zu mei­nen liebs­ten Kin­der­buch­au­toren. Wie sehr liebte ich die Aben­teuer im Mat­tis­wald. Abend für Abend schlich ich vor­sich­tig zwi­schen Graug­no­men und Wildd­ru­den durch die Dun­kel­heit und war so von der Atmo­sphäre der Geschichte fas­zi­niert, dass ich alles um mich herum ver­gaß. Aben­teu­er­li­che, gru­se­lige Geschich­ten hat­ten es mir ange­tan, denn ein paar Jahre spä­ter las ich mit viel Begeis­te­rung Otfried Preuß­lers „Kra­bat“ und erin­nere mich noch gut daran, dass ich dank mei­nes regen Kopf­ki­nos sogar Alb­träume bekom­men habe.

Der Funke springt über

All meine Kin­der­buch­lieb­linge, zu wel­chen ich auch Michael Endes „Die unend­li­che Geschichte“ zähle, ste­hen auch heute noch in mei­nem Regal. Seit ich selbst Mama bin, teile ich meine Liebe für Kin­der­bü­cher mit mei­nen Spröss­lin­gen und freue mich immer sehr, wenn ich sie in ihren Zim­mern statt mit Smart­phone oder Nin­tendo mit einem Buch in der Hand auf dem Bett sit­zen sehe. Erst letzte Woche hat meine große Toch­ter unser klei­nes Nest­häk­chen in die Stadt­bi­blio­thek mit­ge­nom­men und kehrte einige Stun­den spä­ter mit zahl­rei­chen Büchern im Gepäck nach Hause zurück. Ganz beson­ders mag mein Sohn im Moment inter­ak­ti­ven Lese­stoff wie zum Bei­spiel die Tiptoi-Bücher. Wenn er mit Stift und Buch ganz ver­sun­ken in sei­nem Zim­mer sitzt und auf­merk­sam lauscht, geht mir das Herz auf. Eleon liebt es sehr, wenn ich ihm abends vor­lese und freut sich schon dar­auf, ab Som­mer die­sen Jah­res end­lich selbst all die Bücher lesen zu kön­nen, die in sei­nem gut gefüll­ten Bücher­re­gal ste­hen oder im Wohn­zim­mer in Mamas Biblio­thek stehen.
Dort gibt es wirk­lich reich­lich zu ent­de­cken. Rund 650 Bücher war­ten dar­auf, ihre Geschich­ten preis zu geben und für span­nende, aben­teu­er­li­che, lus­tige, bewe­gende und atem­lose Lese­zeit zu sor­gen, dar­un­ter auch viele, neue Kin­der­buch­schätze, die ich in den letz­ten Jah­ren ent­deckt und lie­ben gelernt habe.

Zeit­los

Ein abso­lu­tes High­light für Kin­der­buch­lieb­ha­ber im All­ge­mei­nen und Bil­der­buch­freunde im Beson­de­ren sind die lite­ra­risch wie künst­le­risch glei­cher­ma­ßen fas­zi­nie­ren­den Werke des Ham­bur­ger Illus­tra­tors Tor­ben Kuhl­mann. Seit das sym­pa­thi­sche Nord­licht vor drei Jah­ren mit „Lind­bergh“ die zau­ber­hafte Geschichte einer klei­nen flie­gen­den Maus mit sei­nen magi­schen Bil­dern erzählte, bin ich völ­lig ver­liebt in sei­nen Stil. Detail­reich­tum, Far­ben und Kom­po­si­tion sei­ner Bil­der fas­zi­nie­ren mich sehr und ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ein Buch von ihm erscheint – so gesche­hen in den dar­auf­fol­gen­den Jah­ren, als „Maul­wurf­stadt“ und „Arm­strong“ publi­ziert wur­den. Ich bin sehr gespannt, was Tor­ben Kuhl­mann als nächs­tes mit sei­nen krea­ti­ven Hän­den erschaf­fen wird.

Ein wei­te­rer all-time-favou­rite und Kin­der­buch­klas­si­ker, den ich bereits in mei­ner Kind­heit sehr liebte, ist „Der geheime Gar­ten“ von Fran­ces Hodg­son Bur­nett. In den letz­ten Jahr­zehn­ten erschie­nen unzäh­lige Neu­auf­la­gen die­ses bekann­ten Kin­der­buchs, doch eine Aus­gabe hat es mir ganz beson­ders ange­tan. Sie wurde von Inga Moore illus­triert und erschien vor drei Jah­ren im Urach­haus Ver­lag. Die traum­haf­ten Zeich­nun­gen der bri­ti­schen Illus­tra­to­rin ver­lei­hen der vor fast 100 Jah­ren erst­mals ver­öf­fent­lich­ten Geschichte ihren ganz beson­de­ren, zeit­lo­sen Charme. Ich könnte stun­den­lang bei einer lecke­ren Tasse Tee im Ses­sel sit­zen und in die­sem herr­li­chen Kin­der­klas­si­ker schmökern.

Als Kind wollte ich mal eine Zeit lang Bio­lo­gin wer­den und inter­es­sierte mich für alles, was schwamm, kroch, krab­belte und flog. So gese­hen war es kein Wun­der, dass ich mich vor eini­gen Jah­ren in Jac­que­line Kel­lys zau­ber­haf­tes Kin­der­buch „Cal­pur­nias (r)evolutionäre Ent­de­ckun­gen“ ver­liebte. Schon allein das Cover hatte mich inner­halb von Sekun­den ver­zau­bert und so war ich nach dem Umblät­tern der letz­ten Seite über­glück­lich, dass mir auch die Geschichte zwi­schen den fili­gran gestal­te­ten Buch­de­ckeln so wahn­sin­nig gut gefiel. Diese zau­ber­hafte, kluge Story, die mitt­ler­weile in einem zwei­ten Band namens „Cal­pur­nias fas­zi­nie­rende For­schun­gen“ fort­ge­führt wurde, scheint immer noch ein Geheim­tipp zu sein, daher meine unbe­dingte Emp­feh­lung an jedes Kind und jeden jung geblie­be­nen Erwach­se­nen: Wenn ihr ein Fai­ble für his­to­ri­sche Set­tings, Natur­wis­sen­schaft und Bota­nik – und nicht zuletzt lie­be­voll gezeich­nete Figu­ren habt – dann lest diese bei­den Bücher. Ihr wer­det sie lieben.

Last but not least möchte ich euch ein Schmuck­stück vor­stel­len, an dem ich auf kei­nen Fall vor­bei­ge­hen konnte. Die Rede ist von J. K. Row­lings Harry Pot­ter, genauer gesagt von den unglaub­lich schö­nen Schmuck­aus­ga­ben, die in den letz­ten bei­den Jah­ren erschie­nen sind. Band eins und zwei wan­der­ten bereits vor Erschei­nen in mei­nen Ein­kaufs­korb, so dass ich sie jeweils pünkt­lich in der Hand hielt und völ­lig ver­zückt über die wun­der­vol­len Cover strei­chen konnte. Jim Kays Illus­tra­tio­nen machen aus der mitt­ler­weile zum moder­nen Klas­si­ker erklär­ten Kin­der­buch­reihe ein abso­lu­tes High­light für jedes Bücher­re­gal, zu dem wir mit Sicher­heit mehr als nur ein­mal grei­fen wer­den. Ich wüsste kei­nen bes­se­ren Grund, um diese Reihe rund um einen der berühm­tes­ten Zau­ber­lehr­linge der Welt erneut zu lesen, und ihr? Die­ses Jahr im Okto­ber erscheint mit „Der Gefan­gene von Aska­ban“ der dritte Band als illus­trierte Buch­perle und erneut werde ich ver­liebt jede ein­zelne Seite durch­blät­tern. Ich freue mich sehr darauf.

Lesen kennt kein Alter

Egal wie jung oder alt man ist, lesen ist stets zeit­los. Es spielt keine Rolle, ob ich am Ende des Tages mit einem anspruchs­vol­len Roman, einem aben­teu­er­li­chen Kin­der­buch oder einem Krimi im Ses­sel sitze, abschalte und mei­ner Fan­ta­sie freien Lauf lasse. Bücher sind wort­ge­wal­tige Wel­ten vol­ler Zau­be­rei, in denen ich mich wohl fühle, mit­leide oder vor Span­nung bei­nahe platze. Sie sind Mul­ti­ver­sen, die mich auf eine tem­po­räre Reise mit­neh­men und erst am Ende der letz­ten Seite wie­der all­mäh­lich in den All­tag ent­las­sen. Danke an alle krea­ti­ven Wort­schöp­fer, Tin­ten­kleck­ser und Pin­sel­schwin­ger für jede ein­zelne, far­ben­frohe Leseminute.

Fotos: San­dra Zabel, www​.bue​cher​ni​sche​-blog​.de
Illus­tra­tion: Buch­stap­le­rin Maike

Ein Bei­trag zum Pro­jekt #lit­kin­der. Hier fin­det ihr alle Beiträge.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr