Von „Ally“ bis „Yellowfacing“ „Ein rassismuskritisches Alphabet“ | #OwnVoicesBK

by Satzhüterin Pia

Tupoka Ogette ist eine der füh­ren­den Stim­men in Deutsch­land im Kampf gegen Ras­sis­mus. Die Anti­ras­sis­mus-Bera­te­rin und Autorin hat mit „Ein ras­sis­mus­kri­ti­sches Alpha­bet“ nach ihren zwei Büchern „exit Racism“ und „Und jetzt du!“ nun ein Insta­gram-Pro­jekt als Buch her­aus­ge­bracht. – Von Satz­hü­te­rin Pia.

Im April 2021 ging der letzte Post des ras­si­mus­kri­ti­schen Alpha­be­tes, das Tupoka Ogette auf Insta­gram immer don­ners­tags ver­öf­fent­lichte, online. Unter Z geht es „Zurück zum Anfang“ – den Anfang macht A für „Ally“, Verbündete:r sein. Nein, eigent­lich steht ganz am Anfang Oget­tes Vor­wort, das eins die­ser abso­lut lesens­wer­ten, klu­gen Vor­worte ist.

Nachschlagewerk …

Wie man es als Leser:in ihrer ers­ten bei­den Bücher „exit Racism“ und „Und jetzt du“ bereits von ihr kennt, hat die Autorin zuerst ein­mal ihren eige­nen Blick­win­kel kate­go­ri­siert. Was macht mich zu einer pri­vi­le­gier­ten, was zu einer benach­tei­lig­ten Per­son? Tupoka Ogette schärft den Blick dafür, den eige­nen Stand­punkt in den Fokus zu set­zen und sich bewusst zu machen, dass die­ser die per­sön­li­che Sicht­weise immer beein­flusst – ein inter­es­san­ter Aspekt, wenn es zum Bei­spiel um Mehr­fach­dis­kri­mi­nie­run­gen geht. Auch betont sie, dass die alpha­be­ti­sche Rei­hen­folge nicht die logi­sche Auf­klä­rungs­rei­hen­folge sei, sie ersetze kei­nen Ras­sis­mus­work­shop und sei ledig­lich eine Samm­lung von Begrif­fen zum Thema Rassismus.

… und Impulsgeber

Aber was genau ist denn nun die­ses „ras­sis­mus­kri­ti­sche Alpha­bet“? Eine Schlag­wort­samm­lung, könnte man sagen. Der Auf­bau ist dabei immer gleich: Jedes „Kapi­tel“ star­tet mit einer Illus­tra­tion des jewei­li­gen Buch­sta­bens (eine pfif­fig-krea­tive Anleh­nung an das Wort unter die­sem Buch­sta­ben), gefolgt von einer Begriffs­de­fi­ni­tion und einem Kom­men­tar von Ogette und endet schließ­lich mit einem Impuls. Manch­mal ist dies eine Frage, die die Autorin ihren Leser:innen stellt, an ande­rer Stelle eine Auf­for­de­rung irgend­et­was zu tun oder zu über­le­gen oder die Seite gibt Platz für eigene Gedan­ken her sowie Hin­weise auf wei­ter­füh­rende Informationen.

Dank den kom­men­tie­ren­den Sei­ten von Ogette und den Impuls­sei­ten geht das Buch über die Postings bei Insta­gram hin­aus, denn die Bil­der und Defi­ni­tio­nen sind für das Buch selbst nicht ver­än­dert worden.

Kompakt …

„Ein ras­sis­mus­kri­ti­sches Apha­bet“ ist durch die geringe Sei­ten­an­zahl und die über­sicht­li­chen Infor­ma­tio­nen kom­pakt und zusätz­lich durch die Impulse auch inter­ak­tiv nutz­bar. Ogette spricht Leser:innen direkt an, arbei­tet viel mit Bil­dern und Vor­stel­lun­gen oder auch umge­dreh­ten Bei­spie­len, um die Pro­ble­ma­ti­ken leich­ter greif­bar und – beson­ders für weiße Leser:innen weni­ger „abs­trakt“ zu machen. Damit ist das Buch sehr leicht zugäng­lich, wenn auch kein alles­um­fas­sen­des Nachschlagewerk.

„Ras­sis­mus ist ein gro­ßes, kom­ple­xes Thema. Ras­sis­mus­kri­tisch den­ken und Leben zu ler­nen ist eine lebens­lange Reise.“ (Vor­wort von Tupoka Ogette)

Durch die Impulse und die leb­hafte Spra­che ist Oget­tes Alpha­bet mehr als nur ein (ers­ter) Kon­takt zu ras­sis­mus­kri­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung. In der Auf­gabe zu F wie „Far­bi­gno­ran­ter Ras­sis­mus“ ruft sie zum Bei­spiel dazu auf, eigene Ant­wor­ten auf eine Aus­sage wie „Ich sehe aber keine Haut­far­ben“ zu über­le­gen. Aus mei­ner eige­nen Erfah­rung kann ich sagen, dass es nicht sel­ten schwer­fällt, in einem Gespräch mit ande­ren Men­schen direkt gute Argu­mente ver­ständ­lich aus­for­mu­liert im Kopf zu haben – selbst wenn man hierzu viel gele­sen und gehört hat und sich gut infor­miert wähnt.

… und interaktiv

Auch auf ande­ren Wegen gibt das Buch uns Leser:innen Fut­ter für wei­tere Recher­chen: Mar­kierte Begriffe in den Tex­ten ver­wei­sen ent­we­der auf ein Key­word bei einem ande­ren Buch­sta­ben, oder heben wich­tige Per­so­nen her­vor und nen­nen wei­tere maß­geb­li­che Begriffe im Rah­men anti­ras­sis­ti­scher Aufklärungsarbeit.

In „Ein ras­sis­mus­kri­ti­sches Alpha­bet“ gibt es also an vie­len Stel­len leicht zugäng­li­che Mög­lich­kei­ten, sich mit dem Thema Ras­sis­mus wei­ter und ver­tieft aus­ein­an­der­zu­set­zen und auch sich selbst immer wie­der zu über­prü­fen und wei­ter­zu­bil­den. Von mir eine klare Emp­feh­lung – für Aus­stei­ger aus Hap­py­land oder Fort­ge­schrit­te­nere, und über­haupt alle Inter­es­sier­ten ab etwa 14 Jahren.

Ein ras­sis­mus­kri­ti­sches Alpha­bet. Tupoka Ogette. cbj Ver­lag. 2022.

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