Urlaub am See … mit Hindernissen „Das Haus am See 1“ | #Todesstadt

by Geschichtenerzähler Adrian

Cover Das Haus am SeeUnter dem DC-Black Label star­tet mit „Das Haus am See 1“ von Autor James Tynion IV und Zeich­ner Álvaro Mar­tí­nez Bueno die DC-Scho­cker-Reihe. In die­sem Band tref­fen sich alte Freunde und Bekannte sowie Fremde im titel­ge­ben­den Haus am See, das puren Luxus und Idylle aus­strahlt. Doch dahin­ter ver­steckt sich ein Geheim­nis, das Geschich­ten­er­zäh­ler Adrian zu ergrün­den versucht.

Nach zwei Jah­ren Funk­stille erhält die Künst­le­rin Ryan eine Mail von einem alten Freund: Wal­ter. Er lädt sie und andere für eine Woche in ein Haus am See ein. Doch schon kurz nach der Ankunft aller Per­so­nen, die der Ein­la­dung gefolgt sind, stellt Ryan fest, dass um sie herum die Welt wort­wört­lich in Flam­men auf­geht. Doch dies ist nicht die Krö­nung des Gan­zen, denn es stellt sich her­aus, dass Wal­ter mehr ist als ein Lieb­ha­ber, guter Freund oder Sauf­kum­pane. Statt­des­sen ent­puppt er sich als ein ver­zerr­tes und ver­dreh­tes Wesen, das seine Gäste spe­zi­ell aus­ge­sucht hat, damit sie den durch sein Volk her­bei­ge­führ­ten Welt­un­ter­gang zu über­le­ben. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es bes­ser ist, als letzte Men­schen übrig aber in Gefan­gen­schaft zu sein, als mit Freun­den und Fami­lie zusam­men zu sterben.

Optisch ein Hingucker …

Zeich­ner Álvaro Mar­tí­nez Boeno bie­tet den Lesen­den ein Spiel aus Licht und Schat­ten. Wäh­rend die Zeich­nun­gen größ­ten­teils wir­ken, als wären sie mit Blei­stift ent­stan­den, sor­gen die Far­ben für die Rich­tige Licht­stim­mung. Unter­stri­chen wer­den diese durch unter­schied­li­che Schraf­fu­ren, die auch die Plas­ti­zi­tät der Cha­rak­tere und deren Mimik verstärken.

Ebenso wie die Zeich­nun­gen bringt die Anord­nung der ein­zel­nen Panels Dyna­mik in das Gezeigte. So wird etwa in bestimm­ten Situa­tio­nen mit klei­ne­ren Panels auf das Gesicht einer Figur gezoomt, um Gesichts­aus­drü­cke besond­ders hervorzuheben.

… von der Geschichte her langweilig

Liest man den Klap­pen­text des Comics, so ver­spricht die­ser einen Hor­ror­trip für die Figu­ren, was das Cover noch­mals unter­streicht. Beim Lesen des Comics stellt sich spä­tes­tens ab der Hälfte jedoch das Gefühl ein, dass die Per­so­nen die Klap­pen­text und Cover gestal­tet haben, einen ande­ren Comic in den Hän­den hat­ten als „Das Haus am See“.

Die Geschichte düm­pelt eher als Mys­tery-Drama dahin, das es nur ein, zwei Mal schafft, wirk­lich Span­nung auf­zu­bauen, und dann daran schei­tert, diese auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Tat­sa­che, dass man eine der weni­gen Per­so­nen ist, die das Ende der Welt über­lebt hat und nun von einem ali­en­ähn­li­chen Wesen in einem Haus fest­ge­hal­ten wird, sollte bei jedem Men­schen min­des­tens zu Panik füh­ren und dem Wil­len, dem zu ent­kom­men. Jedoch kommt die­ses Ver­hal­ten gerade mal bei einer ein­zi­gen von den zehn anwe­sen­den Per­so­nen auf und auch die­ser Anflug von Rebel­lion ist nach gerade ein­mal acht­zehn (Doppel-)Seiten schon wie­der vorbei.

Zu viele Figuren …

Und da wären wir auch schon beim nächs­ten Pro­blem der Geschichte: die Anzahl der (Haupt-)Figuren. Autor James Tynion IV schien es für eine gute Idee gehal­ten zu haben, gleich elf Per­so­nen in den Fokus sei­ner Hand­lung zu stel­len. Gegen Ende kommt sogar noch eine zwölfte hinzu. Jedoch schei­tert diese Idee kom­plett, denn durch den Ver­such, allen Figu­ren Wich­tig­keit in der Geschichte zu geben, blei­ben alle blass und uninteressant.

Ein lächer­lich-tra­gi­sches Bei­spiel hier­für bil­det die Figur des Aku­punk­teurs Arturo. Die­ser scheint selbst dem Autor so unwich­tig zu sein, dass er die meis­ten sei­ner Figu­ren im Comic immer wie­der nach Arturos Namen fra­gen lässt.

… und zu wenige Konflikte

Ein Sze­na­rio, in dem meh­rere Per­so­nen auf engen Raum zusam­men ein­ge­schlos­sen sind, ist an sich eine Gold­grube für Kon­flikte, Dis­kus­sio­nen und cha­rak­ter­for­mende Gesprä­che. Die Blässe der Figu­ren und das Feh­len von aus­ge­ar­bei­te­ten Hin­ter­grün­den, machen dem jedoch einen Strich durch die Rech­nung. All­ge­mein schei­nen die Figu­ren eher kon­flikt­scheu, denn auch wenn sich mal ein Streit anbahnt, ver­läuft er sehr schnell wie­der im Sande.

130 (Doppel-)Seiten Prolog

All­ge­mein fühlt sich „Das Haus am See“ wie ein ewiglan­ger Pro­log zu einer Geschichte an, die irgend­wann noch kom­men wird – hof­fent­lich. Die Cha­rak­tere wer­den vor­ge­stellt, ein Pro­blem eröff­net und Stück für Stück gibt es einen Blick auf die Regeln der Welt, in der sich die Figu­ren bewe­gen. Jedoch pas­siert ansons­ten nicht viel und wenn man denkt, dass es jetzt end­lich los­geht, ist Band eins auch schon zu Ende.

Horror geht anders

Wer sich bei „Das Haus am See“ einen wirk­li­chen Hor­ror­scho­cker ver­spricht, wie das Label – DC-Scho­cker – sug­ge­riert, der wird nicht nur ent­täuscht, son­dern sich zudem sehr lang­wei­len. Zu viele blasse, unin­ter­es­sante und kon­flikt­scheue Cha­rak­tere in einer viel zu lang­at­mi­gen Geschichte. Ein­deu­tig ver­schenk­tes Poten­tial. Dies steht im gro­ßen Kon­trast zu den krea­ti­ven Zeich­nun­gen, vol­ler Spie­le­reien mit Licht und Schat­ten sowie Kon­tu­ren und Farben.

Das Haus am See 1. Autor: James Tynion IV. Zeich­ner & Tusche: Álvaro Mar­tí­nez Bueno. Über­set­zung: Bernd Krons­bein. Panini 2022.

Ein Bei­trag zur Todes­stadt. Hier fin­det ihr alle Beiträge.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr