Über traurige Elefanten und wütende Löwen Gefühle in Kinderbüchern ab 4 Jahren

by Satzhüterin Pia

2 Bilderbuch CoverDass wir Men­schen erst mit der Zeit ler­nen, unsere Gefühle zu regu­lie­ren, ver­gisst man schnell und es wird erst wie­der beson­ders deut­lich, wenn man selbst ein Kind hat. Satz­hü­te­rin Pia hat sich zwei Neu­erschei­nun­gen zu star­ken Gefüh­len für Kin­der ab 4 Jah­ren genauer angesehen.

„Mein Elefant ist traurig“

Eines Mor­gens wacht die Haupt­fi­gur in Melinda Szy­ma­niks Kin­der­buch „Mein Ele­fant ist trau­rig“ mit genau so einem auf der Brust auf: einem blauen Ele­fan­ten! In sehr mini­ma­lis­ti­schem Design mit viel Weiß auf den groß­for­ma­ti­gen Sei­ten, fol­gen wir der warm­her­zi­gen und ein­fühl­sam erzähl­ten Geschichte eines Kin­des mit einer gro­ßen Traurigkeit.

Der in Blau­tö­nen getuschte Ele­fant ist omni­prä­sent, das Kind teil­weise kaum zu sehen, wäh­rend die Trau­rig­keit es über­la­gert. Stück für Stück schafft das Kind es mit Hilfe der Fami­lie, die schwere Bläue des Ele­fan­ten in ein war­mes und fröh­li­ches Rosa­rot zu fär­ben und gar neue Far­ben für das Gefühls­tier zu erobern.

Die Geschichte ist mut­ma­chend und hof­fent­lich hilf­reich und erhel­lend für dunkle Gefühle oder Tage jun­ger Kin­der – damit kann es „ein bestär­ken­des Buch für weni­ger gute Tage“ sein, wie der Unter­ti­tel es auf den Punkt bringt. Dezente Ele­mente zum Schmun­zeln, wie die amü­san­ten Buch­ti­tel der Rat­ge­ber, die die Mut­ter des Kin­des liest, hel­len die Stim­mung auf – ein Buch über bedrü­ckende Stim­mun­gen muss schließ­lich nicht auch bedrü­ckend sein.

„Ich wollte spa­zie­ren gehen, aber ich konnte ja nicht lau­fen, solange ein Ele­fant auf mei­ner Brust saß.“

Ein beson­ders schö­nes Detail ist, dass das Kind glei­cher­ma­ßen weib­lich wie männ­lich gele­sen wer­den kann. Es bekommt weder per Pro­no­men noch Namen oder geschlechts­spe­zi­fi­scher Klei­dung ein Geschlecht zuge­ord­net und erzählt selbst aus der Ich-Per­spek­tive. So geht kli­schee­frei vorlesen!

Sehr gelun­gen ist auch, dass der Ele­fant – Sinn­bild für die Trau­rig­keit – das Kind nicht ganz ver­lässt, wohl aber ein freund­li­cher Beglei­ter wird und kei­nes­falls eine Last ist, oder jemand, gegen den man kämp­fen muss. Posi­tive Men­schen und Beschäf­ti­gun­gen sind dage­gen der Fokus: „Blau lebt noch immer bei uns. Ich gehe mit ihm spa­zie­ren und wir machen alles, was uns Spaß macht, damit er immer rosa blei­ben kann.“

Mein Ele­fant ist trau­rig. Ein bestär­ken­des Buch für weni­ger gute Tage. Melinda Szy­ma­nik (Text). Vasanti Unka (Illus­tra­tio­nen). cbj Kin­der­buch. 2022. Alters­emp­feh­lung vom Ver­lag: ab 4 Jahren.

„Roarrr! Theo Wutlöwe im Gefühle-Dschungel“

Theos Bau­klotz­turm fällt um, just als er die­sen stolz sei­nem Papa zei­gen will. Die Wut kocht hoch … und über – Theo ist so wütend! Plötz­lich fin­det er sich nicht mehr in sei­nem Kin­der­zim­mer wie­der, son­dern in einem Dschun­gel. Er ist Theo Wut­löwe und fin­det sich nicht mehr zurecht.

Anfangs noch brül­lend und über alles unge­hal­ten, hel­fen ihm tie­ri­sche Beglei­ter dabei, das Gefühl zu regu­lie­ren: sein net­ter Beglei­ter, der Papa­gei, eine ängst­li­che Maus, ein lus­ti­ger Affe und ein trau­ri­ges Kro­ko­dil – nach und nach wird Theo von ihnen aus dem „Rot­se­hen“ rausbegleitet.

Und hier ist schon die erste große Stärke die­ses Bil­der­bu­ches über (kind­li­che) Wut: Das Kind wird beglei­tet, der Wut wird Raum gege­ben und im Pro­zess nicht über­la­gert oder unter­drückt. Ein wei­te­res star­kes Detail ist, dass es der Papa ist, der das Kind hier emo­tio­nal beglei­tet – noch ein Posi­tiv­bei­spiel für kli­schee­freies Vorlesen.

„Löwen haben nicht nur ein Löwen­WUT. Sie haben auch LöwenMUT.“

Durch die eher lan­gen Text­blö­cke und die vie­len Meta­phern darin schätze ich die Alters­emp­feh­lung von 4 Jah­ren ten­den­zi­ell als schwie­rig ein­zu­hal­ten ein. In ruhi­gen Momen­ten kann man das Buch aber wohl auch vier­jäh­ri­gen Kin­dern gut vor­le­sen, über Gefühle ins Gespräch kom­men und auf den gut gefüll­ten Sei­ten so eini­ges ent­de­cken. Nur wenn das Kind selbst gerade ein „Theo Wut­löwe“ ist, dürfte das eher umfang­rei­che Bil­der­buch nicht den Zugang erleich­tern, die­ses starke Gefühl zu meis­tern. Aber Geschich­ten wie die von Theo und sei­nen gefühl­vol­len Beglei­tern kön­nen viel­leicht hel­fen, den Gefüh­len ein Gesicht zu geben und sie einzuordnen.

Roarrr! Theo Wut­löwe im Gefühle-Dschun­gel. Eva Hier­t­eis (Text). Andrea Steg­maier (Illus­tra­tio­nen). Pen­guin Junior. 2022. Alters­emp­feh­lung vom Ver­lag: ab 4 Jahren.

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