Twilight: Alles schrecklich und furchtbar?

by Zeilenschwimmerin Ronja

Das, was man Neu­deutsch „Twi­light-Bashing“ nen­nen kann, ist mitt­ler­weile online ebenso wie off­line fast gute Tra­di­tion. Viel­leicht schiebt man noch vor­weg, dass man die Bücher damals gerne las, aber man lernt ja dazu, nicht wahr? Zei­len­schwim­me­rin Ronja ist da keine Ausnahme.

Schaf­fen wir eines direkt zu Anfang mal aus dem Weg: Auch ich mache mich gern mal über „Twi­light“ lus­tig oder rege mich dar­über auf, obwohl ich die Bücher damals, als sie erschie­nen sind, sehr gern las. Doch mit jedem Buch und jedem Film sank mein Enthu­si­as­mus, mein Lese­ge­schmack ent­wi­ckelte sich in eine andere Rich­tung und zusätz­lich ging mir die schwär­me­risch-krei­schende Begeis­te­rung für die Filme ­– oder viel­mehr für ihre (männ­li­chen) Dar­stel­ler – wirk­lich auf den Geist. Jahre spä­ter kam eine femi­nis­ti­sche Sicht­weise auf die Bücher hinzu, in der sie nicht unbe­dingt gut daste­hen und mir daher nun auch auf die­ser Ebene nicht mehr zusa­gen. Meine per­sön­li­che Hal­tung zu die­sen Roma­nen wollte ich hier nur kurz fest­hal­ten, damit nach­fol­gend mein Erstau­nen bes­ser nach­voll­zo­gen wer­den kann.

So wie „Twi­light“ mir mitt­ler­weile nicht mehr zusagt, hat es den Per­so­nen hin­ter dem You­Tube-Kanal „Screen Jun­kies“ ganz offen­sicht­lich noch nie gefal­len. Ihre mal iro­ni­schen, mal bis­si­gen und immer unter­halt­sa­men „Honest Trai­lers“ zu aktu­el­len und älte­ren Fil­men sind immer dann beson­ders lus­tig, wenn sie sich darin wirk­lich über einen Film auf­re­gen. Das war bei jedem „Twilight“-Film der Fall. Die „Trai­ler“ sind dabei nicht das ein­zige For­mat der Gruppe, Film­kom­men­tare oder soge­nannte „Movie­fights“ mischen sich auch dar­un­ter. Letz­tes Jahr erschien auf ihrem Zweit­ka­nal „Fan­dom Enter­tain­ment“ ihre erste „Fan­dom Uncovered“-Dokumentation. Aus­ge­rech­net über das „Twilight“-Fandom.

Eine Über­ra­schung

In dem Wis­sen, dass die guten „Screen Jun­kies“ nicht gerade eine lie­be­volle Bezie­hung zu den Fil­men pfle­gen, klickte ich auf das Video in der Erwar­tung, drei­ßig Minu­ten lang gut unter­hal­ten zu wer­den. Statt­des­sen erhielt ich drei­ßig Minu­ten Doku­men­ta­tion, die mir zwar nicht auf magi­sche Weise eine neue Wert­schät­zung der Bücher und Filme ver­mit­telt hat. Aller­dings ist die Grund­lage gelegt für ein neues Ver­ständ­nis von und grö­ße­ren Respekt für Fan­doms, mit denen ich per­sön­lich nichts anfan­gen kann. Tat­säch­lich fühlte ich mich etwas ertappt, als es darum ging, dass viele Leute ihr eige­nes Fan­dom als wich­ti­ger oder bes­ser bewer­ten als das ande­rer. Ohne spe­zi­el­len Grund und ohne Berech­ti­gung. Ich selbst rege mich immer über jene Goe­the-Schil­ler-Les­sing-Fans auf, die den Begriff Hoch­li­te­ra­tur mit einer Inbrunst für ihre Idole bean­spru­chen und moderne ‚nor­male‘ Lite­ra­tur her­ab­set­zen, dass es durch­aus einem Fan­dom gleich­kommt. Gleich­zei­tig bli­cke ich von mei­nem Bücher­sta­pel aus „Harry Pot­ter“, „Tin­ten­herz“, Aga­tha-Chris­tie-Kri­mis, Terry Prat­chett und Astrid Lind­gren auf „Twilight“-Fans und andere hinab. Also bin ich kein Stück bes­ser, oder?

Ich werde an mir arbei­ten. Es wird kaum dazu kom­men, dass ich die Bücher des­halb noch mal lese, geschweige denn wie­der so gerne lesen würde wie damals. Aber viel­leicht muss ich nicht mehr mit den Augen rol­len. Der erste Schritt der Wert­schät­zung ist jeden­falls, die Doku­men­ta­tion über ein Fan­dom zu tei­len, dem ich nie ange­hö­ren werde.

Eine Ergän­zung

Kürz­lich stol­perte ich über ein wei­te­res Video zum Thema. Unter dem Titel „How bad is Twi­light really?“ setzt sich James Tullos erstaun­lich sach­lich mit Büchern und Fil­men aus­ein­an­der. Erneut ist das End­ergeb­nis kein schrei­en­des Lob, das mich bekehrt. Es bestä­tigt und wie­der­holt viele der (berech­tig­ten) Kri­tik­punkte. Aber Tullos stellt der äußerst pro­ble­ma­ti­schen Bezie­hung zwi­schen Bella und Edward (oder auch Bella und Jacob) die eigent­lich posi­ti­ven, aber wenig beach­te­ten Bezie­hung zu ihrem Vater und ihren Freund*innen gegen­über. Letzt­lich, meint Tullos, ent­spricht das Aus­maß der Kri­tik (oder eher Ver­ach­tung) nicht der Bedeu­tung und dem Zweck des Werks.

Was heißt das nun? Würde ich die Bücher heute jeman­dem emp­feh­len? Nein. Haben sie mir nach­hal­tig (psy­cho­lo­gisch) gescha­det? Wer weiß das schon? Davon aber ein­mal abge­se­hen, hat sich meine Beur­tei­lung des­sen, was wirk­lich schlechte Lite­ra­tur ist, in den letz­ten Jah­ren stark ver­än­dert. Wenn ihr wis­sen wollt, wieso, könnt ihr mei­nen Lei­dens­be­richt nach­le­sen.

Bild: Sum­mit Entertainment

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr