Susanne Fuß im Interview

by Zeichensetzerin Alexa

Susanne FußAm liebs­ten schreibe ich Dreh­bü­cher. Das kommt mir ent­ge­gen, weil ich beim Schrei­ben immer Bil­der vor Augen habe. In einem Bild lässt sich in kur­zer Zeit sehr viel aus­drü­cken, was man sprach­lich oft­mals umständ­lich und müh­sam umschrei­ben muss. Bil­der wir­ken direk­ter, sind emo­tio­na­ler. Ge­rade bei ei­ner Ko­mö­die kommt ei­nem das sehr entgegen.

Zei­chen­set­ze­rin Alexa hat sich im Rah­men einer Blog­tour mit Susanne Fuß unter­hal­ten – über ihr Roman­de­büt „Dri­ving Phil Clune“, das Dreh­buch­schrei­ben, Hol­ly­wood-Stars und kom­mende Projekte.

BK: Kürz­lich ist dein Roman­de­büt „Dri­ving Phil Clune“ erschie­nen. Hast du die Schau­plätze, wel­che im Roman vor­kom­men, selbst besucht? Wie ver­lie­fen deine Recherchen?

SF: Ich habe zwar Ber­lin öfters besucht, habe aber kaum wie­der­erkenn­bare Schau­plätze beschrie­ben. Der Schau­platz Ber­lin ergab sich fast zwangs­läu­fig, da der große Hol­ly­wood-Star ja irgend­wann zu Dreh­ar­bei­ten in Deutsch­land auf­taucht. So blie­ben eigent­lich als mög­li­che Stand­orte nur Ber­lin und Mün­chen. Da der Roman auf mei­nem Dreh­buch „Dri­ving Tom Hanks“ basiert, hatte ich alles auf Hanks zuge­schnit­ten, der ja öfters in Ber­lin dreht. Und so war der Schau­platz dadurch festgelegt.
Recher­chen habe ich für den Stoff kaum betrei­ben müs­sen und die Details, die nötig waren – zum Bei­spiel die Namen der Rast­stät­ten auf der Auto­bahn­ver­bin­dung Ber­lin-Ham­burg – habe ich in der Regel über das Inter­net durch­füh­ren können.
Allzu detail­ver­liebte Orts­be­schrei­bun­gen darf man sich also nicht erwar­ten. Wer eine ein­ge­hende Beschrei­bung von Atmo­sphäre und Lokal­ko­lo­rit erwar­tet, wird eher ent­täuscht. In mei­ner Komö­die steht ein­deu­tig die Hand­lung im Vor­der­grund. Die „Kulisse“ beschreibe ich nur, soweit sie für die Hand­lung oder die Erzeu­gung von Komik eine Rolle spielt. Eine Komö­die lebt mei­ner Ansicht nach vom Tempo. Allzu viele deskrip­tive Pas­sa­gen brem­sen hier zu sehr ab.

BK: In dei­nem Buch schreibst du die förm­li­che Anrede stets klein – weshalb?

SF: Grund­sätz­lich bin ich der Ansicht, dass die Höf­lich­keits­form nur in der direk­ten Anrede sinn­voll ist, das heißt wenn ich einen Brief an jeman­den schreibe, gegen­über dem ich mich höf­lich ver­hal­ten möchte. Dann ist es mir im Übri­gen auch gleich­gül­tig, ob ich den­je­ni­gen sieze oder duze, ich schreibe auch das „Du“ in Brie­fen und Mails immer groß. Schließ­lich möchte ich mich ver­trau­ten Men­schen gegen­über genauso höf­lich ver­hal­ten wie frem­den Menschen.
Wenn sich zwei fik­tive Cha­rak­tere in mei­nem Roman unter­hal­ten, erscheint mir die Höf­lich­keits­form jedoch sinn­los. Wem gegen­über soll ich als Schrei­bende Respekt erwei­sen? Fik­ti­ven Figu­ren? Es hat bei mei­nen Lesern aber einige Irri­ta­tio­nen her­vor­ge­ru­fen, von daher werde ich die Schreib­weise in einer Neu­auf­lage den Gewohn­hei­ten anpassen.

BK: Wenn „Dri­ving Phil Clune“ ver­filmt wer­den sollte und du bei der Wahl der Schau­spie­ler mit­ent­schei­den könn­test – auf wel­che würde sie fallen?

SF: Natür­lich würde ich mir wün­schen, dass im Falle einer Ver­fil­mung aus Phil Clune wie­der Tom Hanks wird. Schließ­lich habe ich den Roman mit Hanks vor Augen geschrie­ben. Er ist der­je­nige, der im US-Kino die Jeder­mann-Cha­rak­tere zu unge­ahn­ter Größe auf­lau­fen lässt. Genau das fas­zi­niert Her­bert, weil er sich in die­sen Figu­ren wie­der­fin­det. Es gab außer­dem im Dreh­buch viele kleine Hin­weise und Zitate aus Hanks Fil­men, die ich in der Roman­fas­sung aller­dings ent­fernt habe. Von einem Leser kam der geniale Vor­schlag, Oma Käthe mit Katha­rina Thal­bach zu beset­zen – das wäre der Knal­ler! Bei den ande­ren Figu­ren bin ich nicht so fest­ge­legt. Als Her­bert könnte ich mir Milan Peschel vor­stel­len. Er ist viel­leicht ein wenig zu jung, aber vom Typ her genau richtig.

BK: Einer der Prot­ago­nis­ten, Her­bert, ist Taxi­fah­rer. Könn­test du dir vor­stel­len, die­sen Beruf selbst auszuüben?

SF: Defi­ni­tiv nicht! Das liegt ein­fach daran, dass ich nicht son­der­lich gerne Auto fahre und erst recht nicht in über­füll­ten Groß­städ­ten. Mich nervt auch die immer grö­ßer wer­dende Rück­sichts­lo­sig­keit eini­ger Zeit­ge­nos­sen beim Autofahren.

BK: Her­bert wünscht sich, irgend­wann ein­mal einen Hol­ly­wood-Star beför­dern zu kön­nen. Gibt es einen Star, mit dem du ein­mal in einem Taxi sit­zen wol­len wür­dest? Oder bist du sogar bereits einem Star in einem Taxi begegnet?

SF: Ich habe Hans-Peter Hall­wachs, der bei einer stu­den­ti­schen Film­pro­duk­tion mit­ge­wirkt hat, mal zum Hotel gefah­ren. Ist er ein Star? Ich weiß es nicht und glaube, er würde sich auch nicht als einen sehen. Ehr­lich gesagt kannte ich ihn zu die­sem Zeit­punkt noch gar nicht. Es war also sehr unspek­ta­ku­lär. Ansons­ten bin ich kei­nem soge­nann­ten Pro­mi­nen­ten begeg­net. Ich habe auch kei­ner­lei Inter­esse – wenn man mal von Tom Hanks absieht, dem ich gerne mal ein Dreh­buch in die Hand drü­cken würde. Statt­des­sen würde ich viel lie­ber stun­den­lang mit guten Freun­den über Land fah­ren, für die ich im All­tag immer viel zu wenig Zeit habe!

BK: Du bist nicht nur Autorin, son­dern auch Lek­to­rin und Über­set­ze­rin – gibt es unter die­sen Tätig­kei­ten eine, die du bevorzugst?

SF: Am liebs­ten schreibe ich Dreh­bü­cher. Das kommt mir ent­ge­gen, weil ich beim Schrei­ben immer Bil­der vor Augen habe. In einem Bild lässt sich in kur­zer Zeit sehr viel aus­drü­cken, was man sprach­lich oft­mals umständ­lich und müh­sam umschrei­ben muss. Bil­der wir­ken direk­ter, sind emo­tio­na­ler. Gerade bei einer Komö­die kommt einem das sehr ent­ge­gen. Sze­nen, die in mei­nem Kopf ablau­fen, in Prosa kom­plett zu ver­sprach­li­chen, macht deut­lich mehr Arbeit. Wenn ich eine Beliebt­heits­rang­folge erstel­len müsste, wäre es ein­deu­tig: 1. Dreh­buch schrei­ben, 2. Romane schrei­ben, 3. Über­set­zen und 4. Lek­to­rie­ren. Über­set­zen und Lek­to­rie­ren sind die etwas unge­lieb­ten Brot­jobs, ohne die es halt nicht geht.

BK: Ist ein Dreh­buch zu „Dri­ving Phil Clune“ geplant?

SF: Die Ent­ste­hungs­ge­schichte von „Dri­ving Phil Clune“ ist eher unty­pisch. Ich hatte den Stoff näm­lich zunächst als Dreh­buch unter dem Titel „Dri­ving Tom Hanks“ geschrie­ben. Das Pro­blem war natür­lich, dass man Tom Hanks als „Tom Hanks“ hätte beset­zen müs­sen, was die klei­ne­ren Pro­duk­ti­ons­fir­men dann doch abge­schreckt hat. Die weni­gen Pro­duk­ti­ons­fir­men, die in der Lage wären, Schau­spie­ler aus die­ser Liga zu enga­gie­ren, lesen aber keine unver­langt ein­ge­sand­ten Manu­skripte, so dass ich keine Pro­duk­ti­ons­firma für den Stoff gefun­den habe. Ich war aber von der Idee so über­zeugt, dass ich sie in irgend­ei­ner Form ver­wer­ten wollte.
Auf viel­fa­che Emp­feh­lung hin habe ich dann einen Roman dar­aus gemacht. In Roman­form musste ich aller­dings Hanks durch eine fik­tio­nale Figur erset­zen, um nicht ins Faden­kreuz US-ame­ri­ka­ni­scher Anwälte zu gera­ten, die den Namen „Tom Hanks“ wie einen Mar­ken­na­men schüt­zen. Man hätte mir vor­wer­fen kön­nen, den Namen Tom Hanks als Wer­bung für mein Buch zu miss­brau­chen. Dann hätte ich ganz schnell eine kos­ten­pflich­tige Unter­las­sungs­klage am Bein gehabt. Da ver­zich­tet man halt, wenn auch mit wei­nen­dem Auge, auf die eigene künst­le­ri­sche Freiheit.
Ich hoffe natür­lich, dass ich im Fall eines posi­ti­ven Echos auf den Roman doch noch ein­mal einen Wer­be­feld­zug durch die Film­pro­duk­ti­ons­bü­ros star­ten kann. Zumin­dest das Hin­der­nis Tom Hanks wäre ja jetzt aus dem Weg geräumt.

BK: Nach wel­chen Kri­te­rien ent­schei­dest du, wel­ches Thema sich eher für einen Roman oder ein Dreh­buch eig­net? Und wel­che grund­le­gen­den Unter­schiede erge­ben sich hier­aus für dich?

SF: Ob sich ein Stoff für ein Dreh­buch eig­net, hängt erst ein­mal davon ab, wie wich­tig visu­elle – und auch akus­ti­sche – Kom­po­nen­ten sind. Ich habe ein Dreh­buch geschrie­ben, in dem es um die Fas­zi­na­tion des Schö­nen geht. Als Bei­spiel habe ich mir die his­to­ri­sche Epi­sode des Tul­pen­wahns in Hol­land aus­ge­sucht. Die Schön­heit einer Blume lässt sich visu­ell bes­ser aus­drü­cken als schriftlich.
Des Wei­te­ren habe ich einen Film über einen Musi­ker geschrie­ben. Natür­lich spielt hier die Musik eine ent­schei­dende Rolle. Es gibt ja das Genre des Musik­films, das Genre des Musi­k­ro­mans aus nahe­lie­gen­den Grün­den nicht. Die Hand­lung sollte, um sie in ein 90- oder 120-Minu­ten For­mat zu packen, halb­wegs kom­pakt sein, das heißt Ort, Zeit und Per­so­nen soll­ten über­schau­bar sein und sich ohne große Rei­bungs­ver­luste in die geläu­fi­gen Struk­tu­ren eines Dreh­buchs fas­sen las­sen. Avant­garde-Filme lasse ich hier mal beiseite.
Natür­lich kann man auch Film­hand­lun­gen über meh­rere Genera­tio­nen span­nen, doch dann ist man schnell im Mehr­tei­ler-Bereich. Das schließe ich für mich erst ein­mal aus. Im Roman hat man ganz andere Frei­hei­ten. Für den Roman, das „loose baggy mons­ter“ wie Henry James ihn nannte, gel­ten weit­aus weni­ger Regeln, das heißt Stoffe, die nicht son­der­lich filma­f­fin sind, kön­nen durch­aus die Grund­lage für einen guten Roman liefern.

BK: Wel­ches Pro­jekt steht als nächs­tes an? Ein neuer Roman, ein Dreh­buch oder viel­leicht etwas ganz anderes?

SF: Ich habe mitt­ler­weile einen Lite­ra­tur­agen­ten gefun­den, der mich an einen Ver­lag ver­mit­teln möchte. Da dies mit einem bereits erschie­ne­nen Buch nicht mög­lich ist, schreibe ich an einem neuen Roman. Im Übri­gen einer Fort­set­zung von „Dri­ving Phil Clune“. Der US-Star hat zwar aus­ge­dient, dafür sind Her­bert, Harry und Käthe wie­der mit von der Par­tie und sor­tie­ren die Lei­chen, die jeder in sei­nem Kel­ler hat, was wie­derum zu eini­gen Ver­wech­se­lun­gen führt und im krea­ti­ven Chaos endet.

BK: Und zum Abschluss unsere BK-Spe­zi­al­frage, der sich in Bücher­stadt jeder stel­len muss: Stell dir vor, du wärst ein Buch – wel­ches wärst du?

SF: Moby Dick – unge­kürzt! Der lebende Beweis, dass phi­lo­so­phi­sche Bücher auch extrem span­nend sein kön­nen und sich Unter­hal­tung und Anspruch nicht ausschließen!

Driving-Phil-CluneBuch­ge­schenk!

Gewinnt eins von fünf Exem­pla­ren von „Dri­ving Phil Clune“! Um in den Los­topf zu hüp­fen, beant­wor­tet uns bis zum 06.06.16 hier in den Kom­men­ta­ren fol­gende Frage: Wel­chen Star wür­det ihr gerne ein­mal in einem Taxi beför­dern? Bitte hin­ter­lasst uns eine gül­tige E‑Mail-Adresse, damit wir euch im Falle eines Gewinns infor­mie­ren kön­nen. Die Gewin­ne­rIn­nen wer­den vor­aus­sicht­lich ab dem 06.06. bekanntgegeben. 

Blog­tour-Sta­tio­nen:
01.06. Lazy Lite­ra­ture: Rezen­sion
02.06. Bücher­stadt Kurier: Interview
03.06. Blei­satz: „Ein­mal die Jolie chauffieren!“
04.06. Zwi­schen­wort: „Vom Dreh­buch bis zum Roman“
05.06. Lite­ra­tur­schock: Rol­len­bil­der und Klischees
ab 06.06. Aus­lo­sung der GewinnerInnen

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6 comments

Annegret 2. Juni 2016 - 9:17

Ich würde gerne Colin Firth in einem Taxi beför­dern. Ich liebe bri­ti­sche Schauspieler!

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Falko 3. Juni 2016 - 7:51

Ich würde gerne Char­lie Sheen in einem Taxi beför­dern und mit ihm über sein beweg­tes Leben sprechen!

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Margareta Gebhardt 4. Juni 2016 - 13:35

Hallo ,

Ich würde gerne Julia Roberts in einem Taxi befördern
und natür­lich uber Män­ner mit Ihr sprechen.

Liebe Grüße Mar­ga­reta Gebhardt

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Natalia 5. Juni 2016 - 23:09

Ich würde gerne Dus­tin Hoff­man in einem Taxi beför­dern und mit ihm über sein Leben sprechen.
😉
LG
Natalia

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Tanja 7. Juni 2016 - 6:48

Ich würde Otto hmit­nehme und würde mit ihm über seine Witze herr­lich Lachen 😉
LG Tanja

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Bücherstadt Kurier 8. Juni 2016 - 18:55

Liebe Bücher­städ­ter,

das Los hat ent­schie­den: Das Buch geht an Falko! Wir wün­schen viel Spaß beim Lesen und bedan­ken uns bei allen, die mit­ge­macht haben!

Eure BK-Redak­tion

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