Sommerferien mit den Cazalets

by Worteweberin Annika

1990 ver­öf­fent­lichte die Bri­tin Eliza­beth Jane Howard mit „Die Jahre der Leich­tig­keit“ den ers­ten von fünf Bän­den über die Fami­lie Caza­let. Worte­we­be­rin Annika hat Villy, Polly, Zoë und die ande­ren mit der Neu­über­set­zung durch die unbe­schwer­ten Jahre vor dem Zwei­ten Welt­krieg begleitet.

„Die Jahre der Leich­tig­keit“ spielt von 1937 bis 1938, als sich lang­sam der neue Welt­krieg zusam­men­braut, wäh­rend die Caza­lets noch glück­li­che Som­mer­ur­laube auf ihrem Anwe­sen in Sus­sex ver­brin­gen. Nur wäh­rend die­ser Urlaube spielt die Hand­lung des Ban­des, die Monate dazwi­schen wer­den in Rück­bli­cken thematisiert.

Die Caza­lets, das sind der Groß­va­ter Wil­liam, der erfolg­reich mit Holz han­delt, und seine Frau, genannt die Duchy. Ihre Toch­ter Rachel ist unver­hei­ra­tet geblie­ben, wäh­rend ihre drei Söhne Hugh, Edward und Rupert jeweils eigene Fami­lien gegrün­det haben. Ihre ins­ge­samt acht Kin­der vom Säug­lings­al­ter bis zu fünf­zehn Jah­ren sind ganz unter­schied­li­che Cha­rak­tere: Louise wäre gerne Schau­spie­le­rin, Clary hat ein Talent fürs Schrei­ben, Neville hat ein Herz für Tiere und Simon Angst vor dem neuen Internat.

Schwere Leich­tig­keit, leichte Schwere

Der Fokus der Erzäh­lung liegt in die­sem Band auf den jün­ge­ren bei­den Genera­tio­nen: den Ehe­pro­ble­men, Strei­te­reien zwi­schen den Kin­dern und Zukunfts­wün­schen. Ganz unter­schied­li­che The­men wer­den ange­spro­chen. Neben den Bana­li­tä­ten des All­tags geht es zum Bei­spiel um die Rolle der Frau in einer Ehe, die dama­lige Tabui­sie­rung aller weib­li­chen „Unpäss­lich­kei­ten“ – von Gebur­ten mal ganz abge­se­hen! –, um die Angst vorm Begeh­ren des eige­nen Vaters oder der Unmög­lich­keit von Homosexualität.

Viele dama­lige „Frau­en­dinge“ kom­men hier unver­blümt zur Spra­che und machen deut­lich, wie viel sich inzwi­schen zum Glück ver­än­dert hat. Auch wenn „Die Jahre der Leich­tig­keit“ mit Beschrei­bun­gen von Menüfol­gen, Reno­vie­rungs­ar­bei­ten oder Din­ner­par­tys manch­mal sehr leicht­fü­ßig daher­kommt, fehlt der Geschichte durch diese The­men nie die nötige Schwere. Wer die BBC-Serie „Down­ton Abbey“ kennt, dürfte sich durch das Thema und die Erzähl­weise an die Geschich­ten um die Grant­hams erin­nert fühlen.

Figu­ren­rei­gen

Eliza­beth Jane Howard wech­selt mun­ter die Per­spek­ti­ven und lässt ihre Lese­rin­nen und Leser in die Köpfe aller Figu­ren schauen. Auch die Dienst­bo­ten spie­len dabei eine Rolle, ste­hen aber nicht so sehr im Fokus wie auf Down­ton. Durch die wech­seln­den Fokus­fi­gu­ren kann man viele Anknüp­fungs­punkte fin­den, sich in die Cha­rak­tere hin­ein­ver­set­zen und mit sei­nen Lieb­lin­gen beson­ders mitfiebern.

Nicht immer ist es ganz leicht, den Über­blick zu behal­ten – wel­cher Sohn hat noch gleich eine Affäre? Wel­ches der Mäd­chen ist das älteste? Spä­ter kom­men dann noch wei­tere Figu­ren aus der Fami­lie von Vil­lys Schwes­ter dazu. Zum Glück fin­det sich zu Beginn des Buches ein Stamm­baum, in dem schnell fast alle Infor­ma­tio­nen nach­ge­schla­gen wer­den können.

„Die Jahre der Leich­tig­keit“ ist Unter­hal­tung vom Feins­ten: Man kann mit­fie­bern und abschal­ten, wird aber nie­mals für dumm ver­kauft oder unter­for­dert. Wer wie ich Sehn­sucht nach Down­ton hat und ein gutes Buch sucht, sollte unbe­dingt die Caza­lets ken­nen­ler­nen. Zum Glück sind auch schon fast alle Bände der Neu­über­set­zung erschie­nen – und mit ihren jeweils gut 600 Sei­ten lie­fern die eine ganze Menge Lesestoff.

Die Jahre der Leich­tig­keit. Die Chro­nik der Fami­lie Caza­let – Band 1. Eliza­beth Jane Howard. Aus dem Eng­li­schen von Ursula Wul­fe­kamp. dtv. 2019.

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