Schön, schöner, am schönsten „Im Spiegelsaal“

Im SpiegelsaalDer Comic „Im Spie­gel­saal“, von Autorin und Zeich­ne­rin Liv Ström­quist, geht phi­lo­so­phisch den The­men Schön­heit und Aus­se­hen nach. Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina hat inter­es­siert und schmun­zelnd den Comic gelesen.

„Im Spie­gel­saal“ greift mit dem Fokus auf Schön­heit ein his­to­ri­sches und gleich­wohl aktu­el­les Thema auf. Es wer­den ent­schie­dene Fra­gen gestellt: Warum wol­len einige Frauen wie andere Frauen aus­se­hen? Warum ist den Men­schen Schön­heit so wich­tig? Woher kommt die­ses Stre­ben nach Schön­heit? Pas­send dazu wird infrage gestellt, was Men­schen eigent­lich wol­len, Sexua­li­tät ange­spro­chen und Gesell­schafts­sys­teme kri­tisch hin­ter­fragt. Im gan­zen Comic wer­den hierzu Zitate und The­sen vor­wie­gend von Philosoph*innen miteinbezogen.

Der Comic ist in fünf Kapi­tel geglie­dert. In jedem wird ein Teil­aspekt bespro­chen und den­noch merkt man, wie alle Teile zusam­men­ge­hö­ren, bezie­hungs­weise sich gegen­sei­tig ergän­zen. Trotz der ernst­haf­ten The­ma­tik bleibt der Comic humorvoll.

Liv Ström­quist

Die schwe­di­sche Autorin und Illus­tra­to­rin hat eine ganz eigene und beson­dere Art der Dar­stel­lungs­weise gefun­den. All­ge­mein fällt auf, dass das Bild-Text-Ver­hält­nis ein ande­res ist als bei kon­ven­tio­nel­len Comics. Der Text-Anteil ist höher, sodass auch ganze Panels oder Sei­ten nur aus Text bestehen. Die Autorin nennt pas­sende Bei­spiele und zieht gut durch­dachte Ver­glei­che heran, die zu einem bes­se­ren Ver­ständ­nis bei­tra­gen. Bei­spiels­weise geht sie öfter auf Kai­se­rin Sisis Schön­heits­wahn ein.

Ström­quists Art zu zeich­nen könnte man als car­toon­haft bezeich­nen. Die Men­schen und Umge­bun­gen sind ver­ein­facht dar­ge­stellt. Durch lus­tige Insze­nie­run­gen und wit­zige Äuße­run­gen der Figu­ren kommt der Humor nicht zu kurz. Es wird ein gutes Gleich­ge­wicht zwi­schen Ernst­haf­tig­keit und Humor gehal­ten, das für einen locke­ren Lese­fluss sorgt.

Augen­fäl­lig ist ebenso die spe­zi­fi­sche Farb­ge­bung. Zusam­men­hän­gende Abschnitte haben unter­schied­lich far­bige Sei­ten. Damit gren­zen sie sich von­ein­an­der ab und die Autorin kenn­zeich­net, wann eine Anek­dote oder ein Aspekt zu Ende ist und etwas Neues kommt.

Sehr schön

Die­ser Comic kann eigent­lich allen Men­schen emp­foh­len wer­den, denn bestimmt hat jede*r sich schon mal mit dem Thema Schön­heit kon­fron­tiert gese­hen. „Im Spie­gel­saal“ ist auch des­halb so schön, weil keine kla­ren Ant­wor­ten gege­ben wer­den, son­dern ent­schei­dende Fra­gen und phi­lo­so­phi­sche Ansich­ten, die zum Nach­den­ken anre­gen sol­len, prä­sen­tiert werden.

Im Spie­gel­saal. Text und Zeich­nun­gen: Liv Ström­quist. Über­set­zung: Katha­rina Erben. avant-ver­lag. 2022.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr