Sabrina Qunaj

by Bücherstädter Marco

„Ich bin eher eine Bauch­schrei­be­rin. Bis auf ein paar Eck­da­ten lasse ich mich meis­tens überraschen.“

Zwi­schen­zei­len­ver­ste­cker Marco begibt sich mit Autorin Sabrina Qunaj auf eine Reise durch Fami­li­en­chaos und Krea­ti­vi­tät bis ins his­to­ri­sche Wales, um Ant­wor­ten auf die fol­gen­den Fra­gen zu finden:

BK: Dein ers­tes Buch erschien 2012, also gerade mal vor 3 Jah­ren. Du bist somit noch rela­tiv neu im Geschäft, hast aber schon ein beacht­li­ches Reper­toire vor­zu­wei­sen. Wie schaffst du es, all diese Bücher in so kur­zer Zeit zu schreiben?

SQ: Lei­den­schaft und Dis­zi­plin. Das bren­nende Ver­lan­gen, meine Ideen auf Papier zu brin­gen, ist natür­lich der Haupt­an­trieb. Es kommt aber auch durch­aus vor, dass mich Flau­ten erwi­schen. Wenn die Kin­der krank sind, durch­wachte Nächte meine Kon­zen­tra­tion stö­ren oder ich ein­fach nur einen schlech­ten Tag habe, muss ich auf eiserne Wil­lens­kraft zurück­grei­fen, was zum Glück nicht zu oft vorkommt.

BK: Bleibt da noch Zeit für andere Hobbys?

SQ: Nicht wirk­lich. Das Schrei­ben und das Lesen sind meine Hob­bys, auch wenn sie gleich­zei­tig mein Beruf sind. Mein Tag ist mit den Kin­dern, mei­nem Mann, dem Haus­halt und den Büchern voll­kom­men ausgefüllt.

BK: Bekommt man das ohne Wei­te­res unter einen Hut?

SQ: Ich bin sehr gut im Orga­ni­sie­ren und kann auch vie­les gleich­zei­tig machen. Mein Mann unter­stützt mich sehr mit den Kin­dern und schafft mir die nöti­gen Zeit­fens­ter, indem er ein paar Nach­mit­tage pro Woche mit den Klei­nen etwas unter­nimmt. Da ich alles, was ich tue, gerne mache, bleibt mir natür­lich auch sehr viel mehr Ener­gie, als wenn ich meine Auf­ga­ben als Arbeit emp­fin­den würde. So komme ich auch mit wenig Schlaf aus.

BK: Hast du einen Lieb­lings­platz, an dem du schreibst?

SQ: Im Som­mer drau­ßen auf der Ter­rasse, ansons­ten an mei­nem neuen Schreibtisch.

BK: Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten?

SQ: Die Ideen fin­den mich ganz von selbst, in den unter­schied­lichs­ten Situa­tio­nen. Hin­ter­her lässt sich immer ganz schwer sagen, wie der Ablauf war.

BK: Schreibst du ein­fach drauf­los oder wer­den deine Geschich­ten vor­her abso­lut durchgeplant?

SQ: Ich bin eher eine Bauch­schrei­be­rin. Bis auf ein paar Eck­da­ten lasse ich mich meis­tens überraschen.

BK: Woll­test du schon immer Schrift­stel­le­rin werden?

SQ: Ganz und gar nicht, der Gedanke kam mir über­haupt nie. Ich begann rela­tiv spät mit dem Schrei­ben, wenn man von ein paar Fan­fic­tion-Ver­su­chen mit zwölf absieht, vor sechs Jah­ren, um genau zu sein. Von da an blieb ich aber dabei und mir wurde es auch rela­tiv schnell sehr ernst damit. Ich fing an, mich mit dem Thema Ver­öf­fent­li­chen aus­ein­an­der­zu­set­zen und war nicht mehr zu bremsen.

BK: Gibt es auch Nach­teile, die der Beruf “Autorin” mit sich bringt?

SQ: Gewiss über­wie­gen die Vor­teile, da ich meine Fami­lie in den Vor­der­grund stel­len kann und mein All­tag sich ganz nach ihren Bedürf­nis­sen rich­tet. Manch­mal sehnt man sich aller­dings schon nach einem Fei­er­abend oder Urlaubs­tage, viel­leicht sogar Kran­ken­stand, wenn es einem nicht gut geht, man aber unbe­dingt noch etwas erle­di­gen muss. Die eige­nen Geschich­ten beglei­ten einen natür­lich stän­dig und ein Abschal­ten ist nur schwer mög­lich. Selbst wenn man krank ist, denkt man noch dar­über nach oder grü­belt, wie man die ver­lo­rene Zeit wie­der auf­ho­len kann.

BK: Deine ers­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen waren aus dem Bereich Fan­tasy und Jugend-Fan­tasy. Wie hast du zum His­to­ri­schen Roman gefunden?

SQ: His­to­ri­sche Romane habe ich schon immer gerne gele­sen, mir aber nie zuge­traut, auch einen zu schrei­ben. Erst die Erfah­rung in ande­ren Gen­res und der gute Zuspruch mei­nes Agen­ten gaben mir das nötige Selbst­ver­trauen, um mich doch noch die­sem, von mir so gelieb­ten, Genre zu widmen.

BK: Woher kam die Inspi­ra­tion gerade Wales als Schau­platz für deine His­to­ri­schen Romane zu wählen?

SQ: Zum Einen gewiss durch all die Sagen über König Arthur, Mer­lin, aber auch Tris­tan und Isolde, die ja bri­ti­schen Ursprungs sind. Das bri­ti­sche Volk hat mich ein­fach schon immer fas­zi­niert. In ande­ren Roma­nen fiel mir dann auch oft auf, dass Wali­ser gerade mal in einem Neben­satz erwähnt wer­den, wenn wie­der mal eine Rebel­lion nie­der­ge­schla­gen wurde. Ich aber wollte immer mehr dar­über wis­sen und las mich ein wenig ein. Da bemerkte ich sehr bald, dass ich mich dort ganz und gar zu Hause und ver­bun­den fühlte.

BK: Warst du schon selbst ein­mal an den Schau­plät­zen dei­ner Bücher?

SQ: Nicht an allen, aber an eini­gen. Wales ist ein wun­der­ba­res Land und im Juli werde ich auch wie­der dort­hin zurückkehren.

BK: Nach “Die Toch­ter des letz­ten Königs”, ist nun “Das Blut der Rebel­lin” erschie­nen. Kannst du uns kurz ver­ra­ten, worum es in dem Buch geht?

SQ: Die Fami­li­en­ge­schichte der his­to­risch über­lie­fer­ten Geral­di­nes geht in einer neuen Genera­tion wei­ter, genauso der wali­si­sche Frei­heits­kampf. Isa­bel, die als Toch­ter nor­man­ni­scher Erobe­rer auch nor­man­nisch erzo­gen wurde, soll den She­riff von Pem­broke hei­ra­ten, um ein Bünd­nis ihrer Fami­lien zu schlie­ßen und so eine enorme Macht gegen die auf­stän­di­schen Wali­ser zu schaf­fen. Nur fühlt Isa­bel sich dem bri­ti­schen Volk zuge­hö­rig, beson­ders wegen ihrer engen Bezie­hung zu ihrer wali­si­schen Groß­mutter, der Prot­ago­nis­tin aus „Die Toch­ter des letz­ten Königs“. Sie hat schwere Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wird hin und her­ge­ris­sen zwi­schen dem, was sie für Recht hält und dem, was ihre Fami­lie von ihr erwar­tet. Natür­lich spielt auch noch die Liebe eine Rolle, Macht, Krieg und Heldentum.

BK: Für beide Bücher hast du eine Recher­che­reise nach Süd­west-Wales unter­nom­men. Was hast du dort erlebt? Und wel­che Ein­drü­cke konn­test du davon mitnehmen?

SQ: Meine Reise war ein ganz beson­de­res Erleb­nis. Schon wenn man den Severn über­quert, die Grenze zwi­schen Eng­land und Wales, spürt man, dass man jetzt in ein ganz ande­res magi­sches Land kommt. Ich fühlte mich sofort zuge­hö­rig und zu Hause. Die Weite, die stel­len­weise noch völ­lig unbe­rührte Natur, die Küs­ten und Fluss­land­schaf­ten zogen mich in ihren Bann. Ich habe Schau­plätze besucht, sowohl von „Die Toch­ter des letz­ten Königs“ als auch von „Das Blut der Rebel­lin“. In letz­te­rem sollte meine Prot­ago­nis­tin zum Bei­spiel die schrof­fen Klip­pen des Burg­hü­gels von Tenby hin­un­ter zum Strand klet­tern und es war eine Freude, das selbst aus­zu­pro­bie­ren. Die his­to­risch belegte Prot­ago­nis­tin aus dem ers­ten Band soll angeb­lich immer noch auf Carew Castle spu­ken und auch hier war es sehr auf­re­gend, bei Sturm und Regen durch die dunk­len Türme und Rui­nen zu strei­fen, lau­schend auf ein Zeichen.

BK: Wird es wei­tere His­to­ri­sche Romane von dir geben?

SQ: Im Moment schreibe ich an mei­nem drit­ten und wenn es nach mir geht, wer­den noch viele wei­tere folgen.

BK: Wirst du auch den ande­ren Gen­res (Fan­tasy und Jugend-Fan­tasy) treu bleiben?

SQ: Das möchte ich sehr gerne, es ist aber auch natür­lich alles eine Zeit- und Ange­bots­frage. Fix ist im Moment, dass ich in ein für mich neues Genre wech­seln werde, über das ich aber noch nicht zu viel sagen kann. Ich kann aber klar und deut­lich sagen, dass mir Kri­mis und Thril­ler über­haupt nicht lie­gen und ich diese Gen­res weder gerne lese noch schrei­ben möchte.

BK: Gibt es ein Buch, das dir beson­ders am Her­zen liegt?

SQ: Von mei­nen eige­nen? Das wäre dann wohl „Elfen­krieg“, der zweite Band mei­ner Elvion-Reihe, der für mich aus ver­schie­de­nen Grün­den etwas ganz Beson­de­res ist. Und auch noch mein ers­ter his­to­ri­scher Roman „Die Toch­ter des letz­ten Königs“, da die Arbeit an Nes­tas Geschichte eine unglaub­lich auf­re­gende Zeit war. Bücher von ande­ren Autoren, die mir sehr wich­tig sind, gibt es auch meh­rere. Müsste ich mich ent­schei­den, würde ich „Küss mich, Engel“ von Susan Eliza­beth Phil­lips wäh­len, da mich die­ser Roman in jeder Lebens­lage auf­hei­tert und quasi zu mei­nem „Auf­mun­te­rungs-Not­fall-Paket“ gehört, gemein­sam mit Schokolade.

BK: Kannst du dich noch an dein ers­tes selbst­ge­kauf­tes Buch erinnern?

SQ: Das war ein Roman zur TV-Serie Buffy, nach der ich süch­tig war. Da ste­hen noch einige in mei­nem Regal, denn von Büchern kann ich mich ein­fach nicht trennen.

BK: Zum Abschluss unsere Bücher­stadt Kurier-Spe­zi­al­frage: Wenn du ein Buch wärst, wel­ches wärst du?

SQ: Ein dickes, denn es fällt mir schwer, mich kurz zu fas­sen und ich habe immer viel zu erzählen.

Die­ses Inter­view erschien erst­mals in der 17. Aus­gabe des Bücher­stadt Kuriers.
Foto © Lydia Marek

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