Oh, wie schön ist Lebenskunst Janosch. Lebenskunst

by Seitentänzerin Michelle-Denise
Janosch Lebenskunst

Foto: Bücher­tän­ze­rin Michelle-Denise

Vom 3. Okto­ber 2021 bis 13. März 2022 prä­sen­tiert das Museum für Kunst und Gewerbe Ham­burg die Aus­stel­lung „Janosch. Lebens­kunst“. Bücher­tän­ze­rin Michelle-Denise hat sich gemein­sam mit Ihrer Mut­ter auf die Spu­ren eben­je­ner Lebens­kunst begeben.

Janoschs Lebens­kunst

Anläss­lich sei­nes 90. Geburts­tags am 11. März 2021 wid­met das Museum für Kunst und Gewerbe Ham­burg dem inter­na­tio­nal bekann­ten Zeich­ner, Illus­tra­tor, Autor und Lebens­künst­ler Janosch die Aus­stel­lung „Janosch. Lebens­kunst“. Mit viel Liebe zum Detail hat die Desi­gne­rin Sil­via Knüp­pel rund 150 ori­gi­nale Zeich­nun­gen und Gra­fi­ken aus allen Epo­chen von Janoschs Werk mit einem beson­de­ren Raum­kon­zept in fünf unter­schied­li­chen Berei­chen gekonnt in Szene gesetzt.

Zitat Janosch Lebenskunst

Foto: Bücher­tän­ze­rin Michelle-Denise

Es war ein stür­mi­scher Mor­gen, als ich gemein­sam mit mei­ner Mut­ter beim Museum für Kunst und Gewerbe Ham­burg ein­traf. Noch durch­nässt vom typi­schen Ham­bur­ger Schiet­wet­ter wur­den wir im hel­len Foyer bereits freund­lich in Emp­fang genom­men. Nach den übli­chen 2G+-Kontrollen und einem Abste­cher zur Gar­de­robe konn­ten wir uns zügig auf den Weg zur Aus­stel­lung bege­ben. „Janosch. Lebens­kunst“ ist im 1. OG ansäs­sig, bar­rie­re­frei und erstreckt sich über fünf Räume. Bevor wir den ers­ten Raum betra­ten, wur­den unsere Bli­cke gezielt auf ein Zitat von Janosch gelenkt. In die­sem erläu­tert er, was für ihn die Defi­ni­tion von Lebens­kunst ist. Diese wei­sen Worte tra­fen den Nagel auf den Kopf und soll­ten uns noch wäh­rend des gesam­ten Auf­ent­halts begleiten.

Janoschs Bil­der

Der erste Raum legt den Fokus auf Janoschs gezeich­nete Bil­der. Neben Selbst­por­traits sind auch spe­zi­fi­sche Zeich­nun­gen zu ver­schie­de­nen The­men­be­rei­chen wie bei­spiels­weise Glau­ben und Sexua­li­tät zu fin­den. In der Mitte des Rau­mes erstreckt sich groß­zü­gig „Der große Klei­ner Tiger-Atlas“ und zeigt die ver­schie­de­nen Län­der der Erde in Stile Janoschs. Es lohnt sich aber auch mit dem Fern­glas einen Blick an die Decke zu wer­fen, denn dort haben wir noch wei­tere schöne Zeich­nun­gen mit Bezug zum Him­mel gefunden.

Janoschs Vor­liebe für Was­ser­far­ben und Tusche wird bereits auf den ers­ten Blick deut­lich. Nahezu alle Bil­der sind in den Aqua­rell­far­ben gezeich­net, wodurch die Zeich­nun­gen eine gewisse Leich­tig­keit aus­strah­len. Das Zusam­men­spiel von Wort und Bild ver­leiht sei­nen Wer­ken jedoch eine beson­dere Tiefe.

Janoschs Wond­rak

Der zweite Raum offen­barte uns Wond­raks Büro. Wond­rak ist ein von Janosch geschaf­fe­ner Lebens­künst­ler, der stets gute Rat­schläge auf schwie­rige Fra­gen gibt. Diese bebil­der­ten Rat­schläge wur­den von 2013 bis 2019 im Maga­zin der Wochen­zei­tung DIE ZEIT veröffentlicht.

Wond­raks Büro ist in sechs Sta­tio­nen auf­ge­teilt, die sich mit unter­schied­li­chen Lebens­fra­gen befas­sen und die Besu­che­rin­nen und Besu­cher ani­mie­ren wol­len, aktiv Rat­schläge in die Tat umzu­set­zen. So haben wir Ent­schei­dun­gen vor Ort gewür­felt oder die Pro­bleme durch einen Kopf­stand an der Wand durch eine andere Sicht betrachtet.

Ausstellungsräume Janosch Lebenskunst

Fotos: Bücher­tän­ze­rin Michelle-Denise

Janoschs Filme

Der dritte Raum ist dun­kel gehal­ten und mit Hockern und einer Viel­zahl an Sitz­sä­cken ver­se­hen. Wir mach­ten es uns direkt gemüt­lich und schau­ten auf einer gro­ßen Wand drei Epi­so­den aus Janoschs Traum­stunde: „Post für den Tiger“, „Das Wol­ken­zim­mer­haus“ und „Popov und die Geschichte vom Schloss“. Ab die­sem Moment fühlte ich mich zurück in meine Kind­heit ver­setzt, als ich nur allzu gern Janoschs Traum­stunde oder den Tiger­en­ten Club im Fern­se­hen sah. Zu mei­nem Erstau­nen konnte meine Mut­ter sämt­li­che Texte mit­spre­chen, da sie mir in der Kind­heit vor dem Schla­fen­ge­hen nahezu täg­lich aus „Post für den Tiger“ vor­ge­le­sen hat. Ein Klas­si­ker, den ich bis heute noch von Her­zen mag.

Auf einer ande­ren Seite des Rau­mes wer­den wei­tere Videos von Janosch in Gebär­den­spra­che und laut­sprach­be­glei­ten­den Gebär­den durch Kin­der der 5. und 6. Klasse der Ham­bur­ger Elb­schule gezeigt.

Janoschs Wör­ter

Der vierte Raum zeigte uns das anfangs gele­sene Zitat von Janosch noch ein­mal bild­lich. Vor uns war ein Schwimm­bad mit hell­blauen Flie­sen. Um in das Schwimm­bad zu gelan­gen, konn­ten wir eine große Treppe bestei­gen, die in das Becken führte oder außen um die Wand gehen. Im Inne­ren des Bades leg­ten wir uns auf eine der viel­zäh­li­gen Bade­lie­gen und lausch­ten mit Kopf­hö­rern pro­mi­nen­ten Per­sön­lich­kei­ten, wie Olli Schulz, Bet­tina Tiet­jen und Olli Diet­rich, die uns Kurz­ge­schich­ten von Janosch vor­la­sen. Anders als in ande­ren Schwimm­bä­dern, waren diese Lie­gen nicht schon von ande­ren Besu­che­rin­nen und Besu­chern mit einem Hand­tuch reser­viert und konn­ten so unein­ge­schränkt und ohne lange War­te­zei­ten genutzt werden.

Janoschs Post

Im fünf­ten und letz­ten Raum betra­ten wir Janoschs Post­kar­ten­wald. Das Zim­mer ist durch­weg in sat­ten Grün­tö­nen gehal­ten und mit zahl­rei­chen Post­kar­ten­stän­dern, die Bäu­men ähneln sol­len, bestückt. Der Bezug zu Janoschs Wer­ken ist hier­bei schnell her­zu­stel­len, denn die Post spielt u.a. in „Post für den Tiger“ bereits eine wich­tige Rolle, um Bot­schaf­ten wei­ter­zu­lei­ten. An die­sem Ort war es uns mög­lich eine Karte aus­zu­su­chen, mit unse­ren per­sön­li­chen Lebens­weis­hei­ten und Wor­ten an unsere Liebs­ten zu bestü­cken und zu versenden.

Inklu­sion

Wir haben uns kom­plett unvor­be­rei­tet auf das Aben­teuer der Aus­stel­lung ein­ge­las­sen. Uns sozu­sa­gen ins kalte Was­ser wer­fen las­sen (um es mit Janoschs Zitat zur Lebens­kunst aus­zu­drü­cken) und es hat uns sehr viel Freude berei­tet. Mehr als zwei Stun­den haben wir in den Räum­lich­kei­ten ver­bracht und hät­ten noch viel län­ger dort ver­wei­len kön­nen. Beson­ders Janoschs Traum­stunde auf den gemüt­li­chen Sitz­sä­cken hatte es uns angetan.

In jedem Raum wird deut­lich, dass jede und jeder in die­sem Hause will­kom­men ist. Ob Texte in ein­fa­cher Spra­che, Über­set­zun­gen in eng­li­scher Spra­che, Filme mit Gebär­den­spra­che oder Audi­o­de­skrip­tion, Post­kar­ten in Braille-Schrift (Blin­den­schrift), bar­rie­re­freie Zugänge für Roll­stuhl­fah­rer oder Erhö­hun­gen für Kin­der in Form von Hockern oder Lei­tern zu bes­se­ren Betrach­tung der Zeich­nun­gen. In die­ser Aus­stel­lung ist Jung und Alt herz­lich willkommen.

Und das spürt man.

„Das war ein rich­tig schö­ner Tag!“

Als wir die Aus­stel­lung ver­lie­ßen, war der Sturm vor­bei und die Sonne ließ sich im sonst so reg­ne­ri­schen Ham­burg bli­cken. Wir sahen uns beide an und sag­ten aus vol­lem Her­zen: „Das war ein rich­tig schö­ner Tag!“

„Janosch. Lebens­kunst“ gibt Bot­schaf­ten wei­ter, ohne sich auf­zu­drän­gen, denn Lebens­kunst ist für jeden etwas ande­res. Die Aus­stel­lung bie­tet viele ver­schie­dene Zugänge. Man kann Janoschs Lebens­kunst betrach­ten, lesen, hören, sehen, erkun­den, aus­pro­bie­ren – es ist für jeden etwas dabei. Soll­ten sich Aus­stel­lungs­stü­cke mal nicht direkt auf den ers­ten Blick erschlie­ßen, hel­fen die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Muse­ums gerne freund­lich und unauf­dring­lich weiter.

Janosch. Lebens­kunst. Museum für Kunst und Gewerbe Ham­burg. Ham­burg. 03.10.2021–13.03.2022.

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