Mit Sehschwäche ins Abenteuer

by Worteweberin Annika

Kön­nen ein kurz­sich­ti­ger Papa­gei und ein weit­sich­ti­ges Meer­schwein­chen Detek­tive sein? Na klar, zumin­dest in Flo­rian Back­er­hoffs Vor­le­se­buch „Nickel und Horn – Zwei Detek­tive mit Durch­blick“. Worte­we­be­rin Annika trägt auch eine Brille und hat sich den bei­den Spu­ren­su­chern angeschlossen.

Seit Herr Locke, ehe­mals ein gro­ßer und erfolg­rei­cher Detek­tiv, in Rente ist, geht es ziem­lich ruhig zu bei sei­nen Haus­tie­ren. Der Papa­gei Horn und das Meer­schwein­chen Nickel fin­den das gar nicht gut, immer­hin haben sie den aben­teu­er­li­chen All­tag als Herr Lockes Gehil­fen geliebt und jetzt ist hier weni­ger los als in Tot-Hosi­stan! Aber was ist das? Nachts sehen die bei­den eine Gestalt auf dem Nach­bar­dach und am nächs­ten Tag klin­gelt der Junge Paul, der sein Pup­se­tier ver­misst. Für Nickel und Horn steht außer Frage, dass sie hel­fen müs­sen, immer­hin braucht Pupsi seine Spe­zi­al­boh­nen. Sie stür­zen sich in ein gro­ßes Aben­teuer, das sie bis auf die Insel Langör führt und an ihre Gren­zen bringt. Kön­nen die bei­den das Pup­se­tier retten?

Sprach­spiele und Sehschwächen

Die aben­teu­er­li­che Spu­ren­su­che der bei­den tie­ri­schen Detek­tive ist gespickt mit lus­ti­gen Epi­so­den und (Wort-)Witzen, die auch gro­ßen Lese­rIn­nen viel Spaß machen. Schon die Benen­nung der bei­den Haus­tiere nach ihren Nickel- bezie­hungs­weise Horn­bril­len ist ein spa­ßi­ger Ein­fall. Toll auch, dass hier zwei lie­bens­werte Hel­den mit Brille dar­ge­stellt wer­den, wenn man bedenkt, wie oft Kin­der mit Brille gehän­selt wer­den – Nickel und Horn sind da sicher­lich gute Vor­bil­der und Leh­rer in Sachen Tole­ranz, immer­hin kön­nen sie trotz (und manch­mal gerade wegen) ihrer Seh­schwä­chen alles schaffen.

Auf der Reise begeg­nen die bei­den neuen Freun­den, die min­des­tens genau so ori­gi­nell gestal­tet sind: eine medi­tie­rende, vegane Eule und ein piek­fei­ner Storch mit aus­ge­wähl­ter Aus­drucks­weise, um nur zwei Bei­spiele zu nen­nen. Komik ent­steht in „Nickel und Horn“ auch im Spiel mit Spra­che, wie mit der dop­pel­ten Bedeu­tung von „unter­tau­chen“ (als „unter Was­ser tau­chen“ oder als „ver­schwin­den“). Für Kin­der ein tol­les Mit­tel, um die Mög­lich­kei­ten von Spra­che ken­nen­zu­ler­nen. Damit die Witze ver­stan­den wer­den, scheint mir die Ver­lags­emp­feh­lung ab fünf Jah­ren sinn­voll zu sein.

Lie­bens­werte Freunde

Aber auch ernste The­men spart Becker­hoff nicht aus: Nickel muss sich mit Eifer­sucht her­um­schla­gen, mit der Figur Herr Locke ist auch das Thema Alter prä­sent (wenn auch eher für erwach­sene Lese­rIn­nen) und beide Detek­tive müs­sen ler­nen, dass nicht immer alles glatt lau­fen kann und dass man manch­mal Hilfe braucht. „Nickel und Horn“ ist damit min­des­tens so sehr ein Buch über die Freund­schaft wie eine Detek­tiv­ge­schichte, denn nur gemein­sam kön­nen Nickel, Horn und ihre Freunde sich durch­schla­gen und den Fall lösen. Mit den Illus­tra­tio­nen von Bar­bara Scholz wird „Nickel und Horn“ zu einem wun­der­ba­ren Vor­le­se­buch. Pas­send zum Ton des Romans wer­den die Figu­ren in den Bil­dern lie­bens­wert-lus­tig dar­ge­stellt und so macht auch schon das Betrach­ten die­ses Buches viel Spaß!

Vor „Nickel und Horn“ ver­öf­fent­lichte Flo­rian Becker­hoff einen wei­te­ren Roman, „Frau Ella“, der pro­mi­nent mit Mat­thias Schweig­hö­fer in der Haupt­rolle ver­filmt wurde. Dass Becker­hoff auch wun­der­bare Geschich­ten für ein jün­ge­res Publi­kum schrei­ben kann, beweist schon die Aus­zeich­nung von „Nickel und Horn“ mit dem Leip­zi­ger Lese­kom­pass. Die Jury begrün­det ihre Aus­wahl übri­gens so: „Ein Vor­le­se­buch, wie man es braucht, um Kin­der zu Geschich­ten­freun­den zu machen!“ Da kann man nur zustim­men. Dass Detek­tiv­ge­schich­ten auch schon für junge Lese­rIn­nen der Ren­ner sind, haben ja zum Bei­spiel die „Rico und Oskar“-Romane von Andreas Stein­hö­fel bewie­sen und ich selbst erin­nere mich gerne an „Bruno Bär, Detek­tiv“ von Anna-Clara Tid­holm, das ich als Kind geliebt habe. Jetzt freue ich mich schon dar­auf, irgend­wann ein­mal mei­nen eige­nen Kin­dern „Nickel und Horn“ vorzulesen.

Nickel und Horn – Zwei Detek­tive mit Durch­blick. Flo­rian Becker­hoff. Illus­tra­tio­nen: Bar­bara Scholz. Thie­ne­mann. 2017. Ab 5 Jahren.

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Detektive im Unruhestand – Bücherstadt Kurier 11. September 2019 - 14:22

[…] Nickel und Horn – Son­der­ein­satz für Frau Perle. Flo­rian Becker­hoff. Illus­tra­tio­nen: Bar­bara Scholz. Thie­ne­mann. 2019. Ab 5 Jah­ren. // Die Rezen­sion zum ers­ten Band „Zwei Detek­tive mit Durch­blick“ fin­det ihr hier. […]

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