Miguel Ángel Hernández

by Zeichensetzerin Alexa

„Alle Kunst­werke funk­tio­nie­ren nur an einem bestimm­ten Ort und in einem bestimm­ten Moment. Es muss ein Bezug zu der jewei­li­gen Gegen­wart bestehen.“

Zei­chen­set­ze­rin Alexa hat sich mit dem Kunst­kri­ti­ker Miguel Ángel Hernán­dez über sein neues Buch „Flucht­ver­such“ und über Kunst und ihre Gren­zen unter­hal­ten. Teresa Zieg­ler über­setzte das Interview.

BK: Wie kamen Sie dazu, das Buch „Flucht­ver­such“ zu schreiben?

„Flucht­ver­such“ ist mein ers­ter Roman, aber nicht meine erste Erzäh­lung. Ich habe mich immer für die Lite­ra­tur inter­es­siert. Ich habe Mär­chen und fik­tive Texte geschrie­ben. Das habe ich mit mei­nem Beruf – und mit mei­ner Lei­den­schaft – als Kunst­his­to­ri­ker und ‑kri­ti­ker ver­ein­bart. Ich habe gefühlt, dass ich etwas schrei­ben musste, wo sich meine Lei­den­schaf­ten – die Kunst und die Lite­ra­tur – die Hände rei­chen. Auf die­sem Wege ist Flucht­ver­such ent­stan­den. Und auch wegen der Not­wen­dig­keit über Kunst zu schrei­ben, anders als ich es bis jetzt getan habe. Die Not­wen­dig­keit eine Geschichte zu erzählen.

BK: Wel­che rea­len Per­for­man­ces haben Sie zu dem im Buch vor­kom­men­den inspiriert?

Es gibt eine reale Grund­lage für das Buch, und zwar sowohl das, was in der Welt der Kunst pas­siert als auch das, was sich in dem Uni­ver­sum der Immi­gran­ten in den gro­ßen Städ­ten abspielt. Was mich inspi­riert hat, war einer­seits die Situa­tion der Unsicht­bar­keit und Unge­rech­tig­keit der ille­ga­len Immi­gran­ten zu sehen – es wurde wenig dar­über geschrie­ben – und ande­rer­seits einige künst­le­ri­sche Arbei­ten zu betrach­ten, die, obwohl sie ver­su­chen die Unsicht­bar­keit zu zei­gen und die Unge­rech­tig­keit zu ver­ur­tei­len, an die Gren­zen der Ethik gelan­gen und somit die Immi­gran­ten als Opfer dar­stel­len und sie versachlichen.

BK: Wie viel Wahr­heit steckt in Ihrem Roman?

Es gibt einen sehr hohen Pro­zent­satz. Die Situa­tion der Immi­gran­ten ist real. Viele Orte in dem Roman sind real. Sogar ein gro­ßer Teil der Situa­tio­nen sind real – manch­mal die unglaub­wür­digs­ten. Auch die Künst­ler und die Werke, auf die sich die Figu­ren bezie­hen. Außer den Wer­ken von Jacobo Mon­tes ist alles echt. Ich mag es, die Bezie­hung zwi­schen Rea­li­tät und Fik­tion zu betonen.

BK: Emp­fin­den Sie einen Ekel, wenn Sie an die beschrie­be­nen Per­for­man­ces denken?

Nicht mehr. Ich habe mich sehr daran gewöhnt und auf irgend­eine Art und Weise bin ich unemp­find­lich gewor­den. Es ist unwahr­schein­lich, dass mich diese Art von Bil­dern anekeln, oder dass sie mich erschüt­tern. Das ist auch das Pro­blem die­ser Art von Kunst: Die Leute gewöh­nen sich am Ende daran und es ist nicht ein­fach, Gren­zen zu überschreiten.

BK: Was hal­ten Sie von die­ser Art von Kunst?

Ich glaube, das macht in einem bestimm­ten Kon­text Sinn. Alle Kunst­werke funk­tio­nie­ren nur an einem bestimm­ten Ort und in einem bestimm­ten Moment. Es muss ein Bezug zu der jewei­li­gen Gegen­wart bestehen. Ich glaube, dass einige uns zum Nach­den­ken brin­gen. Das Pro­blem besteht darin, – und davon han­delt der Roman – dass manch­mal mit dem Zum-Nach­den­ken-Anre­gen gleich­zei­tig einige Unge­rech­tig­kei­ten erzeugt wer­den. Ich glaube jedoch, dass es auch mög­lich ist, zum Nach­den­ken anzu­re­gen und zu mobilisieren.

BK: Wel­che Bedeu­tung hat Kunst für Sie persönlich?

Kunst ist für mich ein Ort, an dem man die Sor­gen der Welt erbli­cken kann. Es gibt eine Kunst, die man als den Spie­gel der Macht bezeich­nen kann – und die zu ihrer Ver­meh­rung bei­trägt. Und eine Kunst, die nicht glück­lich ist mit der Welt, in der sie leben muss – und die zu einer Ver­än­de­rung bei­trägt. Ich inter­es­siere mich für die Art von Kunst, die ver­sucht die Dinge zu ver­än­dern oder zumin­dest auf­zeigt, dass es Ver­än­de­run­gen geben kann. Und wenn ich mich auf „Dinge“ beziehe, dann meine ich damit die Art und Weise wie man sieht, denkt und fühlt.

BK: Gab es bereits Rück­mel­dun­gen zum Buch von ande­ren Kunst­kri­ti­kern oder Künstlern?

Irgend­wel­che, aber nicht viele. Eigent­lich viel weni­ger als ich dachte. Ich glaube, das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass wenig Leute lesen. Die Debat­ten, die durch Bücher ver­ur­sacht wer­den, sind sel­te­ner in der Kunst­welt. Es ist müh­sam, Bücher zu lesen und sie zu ver­ste­hen. Der zweite – auch fun­da­men­tale – Grund ist, dass die Welt der Kunst ein Ort ist, in dem alles hin­ein passt und der eine große Fähig­keit hat, Kri­ti­ken zu inte­grie­ren. Es han­delt sich dabei sozu­sa­gen um eine Art schwar­zes Loch, einen Abgrund, in dem sich alles ver­lie­ren kann. Aus mei­ner Sicht ist das Inter­es­sante die Reak­tion, die außer­halb die­ser Welt her­vor­ge­ru­fen wurde. Im All­ge­mei­nen ist die Welt der Kunst so geschlos­sen, dass alles, was dort pas­siert, nicht an die Öffent­lich­keit gelangt. Trotz­dem hat der Roman – zumin­dest auf beschei­dene Weise – dazu bei­getra­gen, auf diese Pro­bleme auch in der Welt außer­halb der Exper­ten auf­merk­sam zu machen. Und ich glaube, durch die­sen Punkt ist doch eine Debatte ent­stan­den. Ich bin glück­lich darüber.

BK: Der Prot­ago­nist Mar­cos ist anfangs begeis­tert von Mon­tes. Haben Sie selbst Vorbilder?

Ich glaube dass Mar­cel Duch­amp mein Künst­ler­vor­bild ist. Für mich ist er der fun­da­men­tale Künst­ler des 20. Jahr­hun­derts. Als Schrift­stel­ler habe ich meh­rere Vor­bil­der. Hier ten­diere ich zwi­schen Tho­mas Bern­hard und Enri­que Vilas-Matas.

BK: Könn­ten Sie sich vor­stel­len, das Buch ver­filmt zu sehen?

Ja, obwohl das nicht als refle­xi­ver Aus­lö­ser funk­tio­nie­ren würde, aber ich glaube, dass die Geschichte sehr visu­ell ist und eine gute Ver­fil­mung wäre sehr inter­es­sant. Manch­mal macht es mich neu­gie­rig, dar­über zu sin­nie­ren, wer der geeig­nete Dar­stel­ler für Jacobo Mon­tes wäre.

BK: Ist ein wei­te­res Buch in Planung?

Ich bin gerade dabei, einer neuen Geschichte den letz­ten Schliff zu geben und ich hoffe, dass ich bald fer­tig bin. Es dreht sich auch um die Kunst­welt, aber in die­sem Fall wird es inti­mer und emo­tio­na­ler. Es ist wie das Gegen­teil von Flucht­ver­such. Es ist ein Roman, in dem der Prot­ago­nist wie­der anfängt, an die Welt der Kunst zu glau­ben, nach­dem er alle Hoff­nung ver­lo­ren hatte.

BK: Wir schlie­ßen das Inter­view mit unse­rer Spe­zi­al­frage ab: Wenn Sie ein Buch wären, wel­ches wären Sie?

Ich denke, ich wäre El malog­rado, die Geschichte einer Frustration.

Das Interview in Originalsprache (Spanisch): 

BK: ¿Qué lo llevó a escri­bir el libro Intento de escapada?

Intento de esca­pada es mi pri­mera novela, pero no mi pri­mer libro de nar­ra­tiva. Siempre me había inte­res­ado por la lite­ra­tura. Había escrito cuentos y textos de fic­ción. Esto lo com­pa­gi­naba con mi pro­fe­sión –y tam­bién mi pasión–, his­to­ria­dor del arte y crí­tico. Y sentí que tenía que escri­bir algo donde mis pasio­nes –arte y lite­ra­tura– se die­sen la mano. Intento de esca­pada sur­gió de eso. Y tam­bién de la nece­sidad de escri­bir sobre arte de una manera dife­rente a como lo había hecho hasta el momento. La nece­sidad de con­tar una historia.

BK: ¿Qué acon­te­ci­mi­entos rea­les lo inspi­ra­ron à la rea­li­za­ción de la obra?

Hay un sus­trato real en el libro, tanto en lo que ocurre en el mundo del arte, como en el uni­verso de los inmi­gran­tes en la ciu­dad. Lo que me inspiró fue, por un lado, ver la situ­ación de injus­ti­cia e invi­si­bi­li­dad de los inmi­gran­tes ile­ga­les –hay muy pocas nove­las sobre ellos–, y por otro, con­tem­plar algu­nas prác­ti­cas artí­sti­cas que, aun­que inten­taba mostrar esta invi­si­bi­li­dad y den­un­ciar la injus­ti­cia, aca­b­aban en el límite de la ética, vic­ti­miz­ando y obje­tua­liz­ando a los inmigrantes.

BK: ¿Qué tanto de rea­li­dad hay en el libro?

Hay un por­cen­taje bastante alto. La situ­ación de los inmi­gran­tes es real. Muchos de los espa­cios que apa­re­cen en la novela son rea­les. Incluso gran parte de las situ­acio­nes lo son –a veces las más inver­o­sí­mi­les–. Tam­bién los artis­tas y obras a los que se refie­ren los per­so­na­jes. Salvo las obras de Jacobo Mon­tes, el resto son rea­les. Me inte­resa enf­a­ti­zar las rela­cio­nes entre rea­li­dad y ficción.

BK: ¿Expe­ri­menta usted asco cuando piensa en las repre­sen­ta­cio­nes descritas?

Ya no. Me he acos­tumb­rado tanto que en cierto modo soy insen­si­ble. Es difí­cil que una ima­gen de este tipo me pro­duzca asco o me con­mueva. Es tam­bién el pro­blema de este tipo de arte, que el espec­ta­dor acaba acos­tum­brán­dose y no es fácil transgredir.

BK: ¿Cuál es su opi­nión sobre este tipo de arte?

Creo que tiene su sentido en un con­texto deter­mi­n­ado. Toda obra de arte fun­ciona sólo en un lugar y en un momento. Tiene que ser per­ti­nente para su pre­sente. Creo que algu­nas de estas prác­ti­cas nos hacen pen­sar. El pro­blema está –y de eso trata la novela– en que a veces para hacer pen­sar pro­du­cen tam­bién cier­tas injus­ti­cias. Creo que tam­bién es posi­ble hacer pen­sar y movi­li­zar al espec­ta­dor sin pro­vo­carlo de ese modo, siendo más suti­les, más inte­li­gen­tes incluso.

BK: ¿Qué signi­fi­cado tiene para usted el arte?

El arte para mí es un lugar en el que se visua­lizan las preo­cup­a­cio­nes del mundo. Hay un arte que es un espejo del poder –y que con­tri­buye a su reproducción–.Y un arte que no está con­tento con el lugar que le ha tocado vivir –y con­tri­buye al cam­bio–. Me inte­resa el arte que intenta cam­biar las cosas, o al menos demo­strar que pue­den ser cam­bia­das. Y cuando me refiero a “las cosas” me refiero a los modos de ver, pen­sar y sentir.

BK: ¿Ha exis­tido algún tipo de reac­ción con respecto a su novela por parte de crí­ti­cos de arte u otros artistas?

Alguna pero no dema­siada. Desde luego, mucha menos de la que yo creía que iba a haber. Creo que esto es así por dos motivos. El pri­mero: poca gente
lee. Los deba­tes pro­du­ci­dos por los libros son meno­res en el mundo del arte. Los libros cuesta tra­bajo leer­los. Y enten­der­los. El segundo –tam­bién fun­da­men­tal– es que el mundo del arte es un lugar en el que cabe todo. Tiene una gran capa­cidad para inte­grar las crí­ti­cas. Es una espe­cie de agu­jero negro, un abismo en el que todo se pierde. Lo inte­res­ante, a mi modo de ver, ha sido la reac­ción que se ha pro­du­cido fuera de ese mundo. Por lo gene­ral, el mundo del arte es tan cer­rado que todo lo que se pro­duce allí no sale al exte­rior. Sin embargo, la novela ha con­tri­buido –aun­que sea mode­s­ta­mente– a visua­li­zar esos pro­ble­mas en el mundo más allá de los exper­tos. Y creo que ahí sí se ha pro­du­cido el debate. Estoy con­tento por eso.

BK: El prot­ago­nista Mar­cos siente desde un princi­pio fasci­n­ación por Mon­tes. ¿Tiene usted un Modelo a seguir?

Creo que mi artista modelo es Mar­cel Duch­amp. Para mí es el artista fun­da­men­tal de siglo XX. Como escri­tor, tengo más mode­los. Creo que estaría entre Tho­mas Bern­hard y Enri­que VilaMatas.

BK: ¿Podría usted ima­gi­narse ver su novela en el cine?

Sí, aun­que no fun­cio­na­ría del todo como dis­po­si­tivo refle­xivo, pero creo que la his­to­ria sí es muy visual y una buena adap­ta­ción sería muy inte­res­ante. Me pica por momentos la curio­sidad sobre quién haría un bueno Jacobo Montes.

BK: ¿Está pla­ni­fi­cando una nueva novela?

Estoy dando los últi­mos reto­ques a una nueva his­to­ria que espero aca­bar pronto. Tam­bién está cen­trada en el mundo del arte, pero en este caso más inti­mista y emo­cio­nal. Es como el reverso de Intento de esca­pada. Una novela en la que el prot­ago­nista vue­lve a creer en el arte des­pués de haber per­dido toda esperanza.

BK: Cer­ra­mos la ent­re­vista con una preg­unta espe­cial. ¿Si usted fuera un libro, cuál sería?

Creo que sería El malog­rado, la his­to­ria de una frustración.

Die­ses Inter­view erschien erst­mals in der 15. Aus­gabe des Bücher­stadt Kuriers.
Foto: Pri­vat

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