#Meinungstheater: Der Dummschwätzer Ein Film – viele Meinungen

by Bücherstadt Kurier

Der DummschwätzerLügen über Lügen, ganz viel Ent­täu­schung und eine Vater-Sohn-Geschichte: Im Juli haben sich Sei­ten­tän­ze­rin Michelle-Denise, Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina und Zei­chen­set­ze­rin Alexa fürs Mei­nungs­thea­ter den Jim-Car­rey-Film „Der Dumm­schwät­zer“ angeschaut.

Sei­ten­tän­ze­rin Michelle-Denise: In die­ser Komö­die von 1997 ver­kör­pert Jim Car­rey den geschie­de­nen Rechts­an­walt Flet­cher. Als noto­ri­scher Lüg­ner win­det er sich durch alle Lebens­la­gen. Im Job sind diese Lügen zwar von Erfolg gekrönt, jedoch lei­det sein pri­va­tes Umfeld dar­un­ter. Allen voran sein klei­ner Sohn Max, der in der Ver­gan­gen­heit nur allzu oft von sei­nem Vater ver­setzt wurde. An sei­nem Geburts­tag erfüllt sich Max‘ Wunsch und sein Vater kann 24 Stun­den lang nicht lügen – und Flet­chers Alb­traum beginnt.

Obwohl mir Car­reys Rol­len in ande­ren Fil­men meist zu über­dreht sind, konnte er mich hier über­zeu­gen. Gekonnt wech­selt der Schau­spie­ler in die­sem Film zwi­schen dem selbst­be­wuss­ten Anwalt, der ohne Rück­sicht auf Ver­luste agiert und dem ehr­li­chen Vater und Exmann, der ver­zwei­felt ver­sucht, die Scher­ben sei­nes Lebens zusam­men­zu­hal­ten. Als er selbst die kleins­ten Lügen im All­tag nicht mehr ver­wen­den kann, ist mir selbst bewusst gewor­den, wie oft man doch lieb gemeinte Not­lü­gen ver­wen­det, um andere Men­schen nicht zu verletzen.

Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina: Der eng­li­sche Titel „Liar, liar“ passt bes­ser zu die­ser Komö­die, in der Anwalt und Vater Flet­cher (Jim Car­rey) viel lügt. Dar­un­ter lei­det beson­ders sein Sohn Max, der sich an sei­nem fünf­ten Geburts­tag wünscht, dass sein Vater für einen Tag nicht mehr lügen kann. Die Erfül­lung die­ses Wun­sches ist für Flet­cher zunächst eine Kata­stro­phe. Aller­dings öff­net ihm diese auch die Augen, da er merkt, dass er sich selbst belügt.

Car­rey zeigt sich auch in die­sem Film als Meis­ter der Gri­mas­sen und wan­delnde Car­toon-Figur. Er spielt seine Rolle über­zeu­gend, jedoch sticht er so her­vor, dass die ande­ren Figu­ren unter­ge­hen und unwich­tig erschei­nen. Diese Art von Komö­die war die letzte in den 1990er Jah­ren, in der Car­rey mit­spielte. Wie in der Doku „Jim Car­rey – Der Gri­mas­sen­king“ (2021) gezeigt wird, wen­dete er sich danach erst­mals „erns­te­ren“ Rol­len in Tra­gi­ko­mö­dien zu.

Zei­chen­set­ze­rin Alexa: Mich konnte „Der Dumm­schwät­zer“ sehr gut unter­hal­ten, auch wenn einige Sze­nen fast uner­träg­lich waren. Ich konnte es nicht fas­sen, wie Flet­cher zu Beginn des Films mit sei­nem Sohn umgeht und ihn immer wie­der aufs Neue ent­täuscht. Und das Furcht­bare daran: Sein Sohn ver­zeiht ihm alles, aus Liebe und der Hoff­nung, dass sich sein Vater plötz­lich ändert. Aber so ein­fach ist das nicht – und bis Flet­cher begreift, dass er sich mit sei­nem Ver­hal­ten von sei­nem Sohn ent­fernt, ist es ein lan­ger, laaaa­an­ger Weg. Das macht den Film etwas zäh und langatmig.

Über­haupt ist mir der Film zu voll­ge­packt mit Kli­schees: der Vater, der sein Kind ver­nach­läs­sigt, dem die Kar­riere wich­ti­ger ist als die Fami­lie; die Mut­ter, die sich um alles küm­mert. Gut, der Film ist von 1997, aber das alles aus heu­ti­ger Per­spek­tive zu sehen, sorgte bei mir für regel­mä­ßi­ges Augen­rol­len. Und das ganze Gri­mas­sen­thea­ter für Fremd­schä­men. Nichts­des­to­trotz ist „Der Dumm­schwät­zer“ ein unter­halt­sa­mer Film, den man schauen kann, um sich die Zeit zu ver­trei­ben. Seichte Unter­hal­tung mit Jim-Carrey-Komik.

Der Dumm­schwät­zer. Regie: Tom Shad­yac. Dreh­buch: Paul Guay, Ste­phen Mazur. Mit Jim Car­rey, Maura Tier­ney, Swoo­sie Kurtz. Stu­dio­ca­nal. Ver­ei­nigte Staa­ten. 1997. FSK 6. 

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