Manchmal fühle ich mich....

manchmal fühle ich mich... openphoto.net © Michael Jastremski

Manch­mal füh­le ich mich....

… wie ein Ele­fant im Por­zel­lan­la­den
Eine klit­ze­klei­ne Be­we­gung
und ich ste­he in ei­nem Scher­ben­meer
Ein Ge­fan­ge­ner in ei­nem glä­ser­nen Kä­fig

… wie ein Seil­tän­zer, der die Luft an­hält
und zwar so lan­ge
bis er bei­na­he vom Seil kippt
Wie­so ist At­men manch­mal so schwie­rig?

… wie ein lo­ses Blatt im Wind
Ich bin ihm aus­ge­setzt und aus­ge­lie­fert
So sehr ich auch stramp­le
und mich ab­mü­he
blei­be ich doch sei­ne Ma­rio­net­te

… wie ein Zweig in den Strom­schnel­len
ohne Se­gel, ohne An­ker, ohne Kurs
Ein Spiel­ball des ewi­gen Auf-und-Abs
nicht im­mun ge­gen See­krank­heit

… wie ein un­be­schrie­be­nes, wei­ßes Blatt Pa­pier
Gäh­nen­de Lee­re er­füllt und um­fängt mich
Doch je­der Sprit­zer Tin­te, der auf mich fällt,
ver­schwin­det so­fort wie­der
in mei­ner wei­ßen Wüs­te
wie ein ver­damp­fen­der Was­ser­trop­fen

… wie eine Uhr, die man ver­ges­sen hat auf­zu­zie­hen
Nutz­los hän­ge ich den gan­zen Tag her­um
Mir im­mer noch die Fra­ge nach dem Sinn stel­lend

… wie eine Ker­ze ohne Docht
Ich kann nicht bren­nen
so­lan­ge mir das Wich­tigs­te fehlt

… wie ein Vo­gel ohne Flü­gel
Ich sit­ze in mei­nem Nest
wohl wis­send, dass es da drau­ßen
noch et­was an­de­res ge­ben muss
Aber wie soll ich je­mals dort­hin kom­men?

Manch­mal füh­le ich mich ganz ei­gen­ar­tig
und dann doch wie­der nicht
Ja wird zu Nein und Nein zu Ja
ein be­stän­di­ges, stän­di­ges Wech­sel­spiel
„Es ist gut so, wie es ist“,
den­ke ich mir.

Text: Sil­via
Foto: Mi­cha­el Ja­strem­ski

Über Bücherstadt Kurier 1077 Artikel
Literatur für alle!

5 Kommentare zu Manchmal fühle ich mich....

  1. Word! Ganz wun­der­bar ge­schrie­ben und ich kann jede ein­zel­ne Zei­le mit­füh­len.. ich füh­le mich ge­ra­de auch so, so halt­los wie ein Blatt im Blät­ter­wald...

    Dan­ke für die­ses schö­ne Ge­dicht ♥

    Lie­be Grü­ße
    San­dra

    • Lie­be San­dra,
      ich habe mich sehr über dein Feed­back ge­freut! Und noch mehr na­tür­lich dar­über, dass dir der Text so zu ge­fal­len scheint. Vie­len Dank!
      Lie­be Grü­ße,
      Sil­via

  2. Hal­lo, die­se Ängs­te kann man durch­aus nach­voll­zie­hen. Ih­nen ist auch mit mehr Selbst­ver­trau­en schwer bei zu kommen.Ich möch­te noch ei­nen Schrfitt wei­tern ge­hen und be­haup­ten, die­se Ab­grün­de ver­fol­gen und bis in die Träume....Wenn dem so ist — so ist es ganz und gar nicht gut Ich wün­sche der Dich­te­rin bald bes­se­re Zei­ten und den an­de­ren wün­sche ich schö­ne Träu­me.

    • Lie­be Do­ro­thea,
      vie­len Dank für dein Feed­back!
      Ich muss sa­gen, dass es mir nicht mal so „schlecht” ging, als ich die­sen Text ge­schrie­ben habe (sie­he letz­te Stro­phe). Es war mehr so eine Er­leuch­tung und die Ak­zep­tanz die­ses Zu­stan­des. Aber an­de­rer­seits er­in­nern mich die ein­zel­nen Stro­phen auch an Mo­men­te, in de­nen ich mich hilf­los ge­fühlt habe, vom Schicksal/Karma hin­ter­gan­gen. Das Le­ben ist eben ein stän­di­ges Auf und Ab, oder?
      Ganz lie­be Grü­ße,
      Sil­via

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*