Lesekompass 2022: Bilderbücher (Teil 2)

by Bücherstadt Kurier

Lesekompass 2022: nominierte Bücher

Worte­we­be­rin Annika, Zei­chen­set­ze­rin Alexa und Satz­hü­te­rin Pia freuen sich jedes Jahr auf die Liste der Titel, die mit dem Lese­kom­pass aus­ge­zeich­net wur­den. Da ihre Kin­der im pas­sen­den Alter sind, haben sie sich durch die Kate­go­rie „2 bis 6 Jahre“ gelesen.

„Ist ja nur eins!?“

Sun­ny­ville ist „der per­fekte Ort“. Alles ist schön und sau­ber, und alle Tiere sind freund­lich zuein­an­der – bis das Nas­horn Rhino gedan­ken­los ein Bon­bon­pa­pier auf den Boden wirft. „Was denn? Ist ja nur eins …“, sagt er. Das löst eine Kette von Hand­lun­gen aus, die für schlechte Stim­mung in der gesam­ten Stadt sor­gen: Der Müll wird acht­los auf die Stra­ßen gewor­fen, immer mehr Blu­men wer­den gepflückt, alle ver­hal­ten sich laut und unfreund­lich. So kann es natür­lich nicht wei­ter­ge­hen, und die Maus hat auch schon eine Idee, wie sie die Situa­tion ver­än­dern kann …

„Ist ja nur eins!?“ ist ein schö­nes Bil­der­buch, das Kin­dern ab etwa 4 Jah­ren bei­spiel­haft und sim­pel wich­tige Werte ver­mit­telt. Es geht nicht nur um Umwelt­be­wusst­sein, son­dern auch darum, Rück­sicht auf andere zu neh­men, stets freund­lich und hilfs­be­reit zu sein und auf öffent­li­che Plätze acht­zu­ge­ben. Gestal­tet ist das Buch in viel­fäl­ti­gen, hel­len Far­ben und mit kla­ren Bild­ele­men­ten. Beson­ders her­vor­zu­he­ben ist hier­bei die Dar­stel­lung der unter­schied­li­chen Emo­tio­nen, die die wech­selnde Stim­mung ver­deut­li­chen. Ein rundum gelun­ge­nes, lesens­wer­tes Bil­der­buch! (za)

Ist ja nur eins!? Text: Tracey Cor­de­roy. Illus­tra­tion: Tony Neal. Über­set­zung: Tamara Bartl. Pen­guin Junior. 2021. Ab 4 Jahren.

„Huhu, Herr Schuhu“

Helen Ste­phens „Huhu, Herr Schuhu“ bil­det Situa­tio­nen ab, die im All­tag zwi­schen Erwach­se­nen und Kin­dern schnell ent­ste­hen kön­nen, beglei­tet von der Frage: Exis­tiert etwas wirk­lich, wenn nur das Kind es sehen kann? Ben, der Prot­ago­nist der Geschichte, begeg­net immer wie­der einer Eule, die vor dem Haus in einem Baum wohnt. Er nennt sie „Herr Schuhu“. Aber nie­mand außer ihm scheint die Eule wahr­zu­neh­men. Seine Eltern glau­ben ihm des­halb nicht, dass die Eule Bens Hafer­keks sti­bitzt hat, sich sei­nen Hand­schuh geschnappt hat und auch grund­sätz­lich: dass es die Eule über­haupt gibt. Denn was seine Eltern nicht sehen kön­nen, ist auch nicht da. Zum Glück kann Ben seine Eltern und andere noch recht­zei­tig von der Exis­tenz der Eule über­zeu­gen – und diese damit retten.

„Huhu, Herr Schuhu“ ist ein lesens­wer­tes Buch mit einer kla­ren Bot­schaft, die Kin­der anspricht, sich aber auch an Erwach­sene rich­tet: Kin­der wol­len ernst­ge­nom­men wer­den. Bens Geschichte, ver­fasst in ein­fa­cher Spra­che und illus­triert im Aqua­rell­stil, erin­nert seine Leser*innen daran. (za)

Huhu, Herr Schuhu. Text/Illustration: Helen Ste­phens. Über­set­zung: Chris­tiane Lawall. Annette Betz. 2021. Ab 4 Jahren.

„Der kleine Drache, der kein Feuer spucken konnte“

Dra­chen spu­cken Feuer und kön­nen flie­gen … aber warum bekommt das kleine Dra­chen­mäd­chen all dies nicht hin? Feuer kann sie nicht lei­den und selbst wenn sie es ver­sucht, ent­weicht ihr nur ein Pfei­fen. Ihr wach­sen auch keine Flü­gel, so wie ihren Geschwis­tern. Wie gerne möchte sie ihren Papa stolz machen und wie gerne würde sie flie­gen kön­nen. Also ver­sucht sie es auf andere Weise. Sie bas­telt sich Flü­gel und lässt sich sogar mit einer Kanone in die Luft schie­ßen! Aller­dings lan­det sie genau dort, wo sie laut ihrem Papa „NIE, NIEMALS“ hin­ge­hen solle: im Was­ser. Ein glück­li­cher Zufall, wie sich schließ­lich herausstellt.

„Der kleine Dra­che, der kein Feuer spu­cken konnte“ zeigt Kin­dern lie­be­voll, dass alle genau so rich­tig sind, wie sie eben sind. Nicht alle Dra­chen spu­cken Feuer und manch­mal hat das auch einen guten Grund. Wich­ti­ger ist aber die Bot­schaft, dass die Kleine auch mit ihren „dra­chen­un­ty­pi­schen“ Vor­lie­ben geliebt wird und so ver­mit­telt das Buch sub­til die Bot­schaft, dass es nicht darum geht, den Erwar­tun­gen der Eltern zu ent­spre­chen, um von die­sen geliebt zu werden.

Die Illus­tra­tio­nen sind in ihrer Schlicht­heit und mit den Blau-Grün-Tönen sehr anspre­chend und stim­mig und der Text eig­net sich sowohl zum Vor­le­sen als auch für Leseanfänger*innen. Ein schö­nes Detail ist, dass über das Vor­satz­pa­pier vorne und hin­ten auf­ge­deckt wird, warum das kleine Dra­chen­mäd­chen … aber dazu spoi­lere ich hier lie­ber nicht und ver­weise nur auf Meri­nos Buch „Das was­ser­scheue Kro­ko­dil“. (sp)

Der kleine Dra­che, der kein Feuer spu­cken konnte. Text/Illustration: Gemma Merino. Über­set­zung: Jen­ni­fer Gom­ber. Baum­haus Ver­lag. 2021. Ab 4 Jahren.

„Robin kommt!“

Eine Geburts­tags­feier kann sehr auf­re­gend sein! Vor allem, wenn man die bes­ten Freund*innen zu Besuch hat. Im Bil­der­buch „Robin kommt!“ von Tho­mas Mül­ler wird der Geburts­tag der Prot­ago­nis­tin zum reins­ten Aben­teuer, als auch noch Robin, das Pferd, erscheint. Gemein­sam den­ken sie sich span­nende Spiel­si­tua­tio­nen aus: Das Kin­der­zim­mer wird zur gefähr­li­chen Prä­rie, die Küche, in der es herr­lich duf­tet, zum frucht­ba­ren Tal und die Bade­wanne zum küh­len See. Die Fan­ta­sie der Kin­der ist grenzenlos!

„Robin kommt!“ ist so sim­pel erzählt und gestal­tet, dass es schon wie­der beson­ders ist. Das Bil­der­buch zeigt wun­der­bar anhand von bei­spiel­haf­ten Spiel­si­tua­tio­nen, wie viel Fan­ta­sie Kin­der besit­zen, und dass sie kein Bespa­ßungs­pro­gramm brau­chen, um einen unver­gess­li­chen Nach­mit­tag zu erle­ben. Ein emp­feh­lens­wer­tes, humor­vol­les Bil­der­buch für Kin­der ab 4 Jah­ren. (za)

Robin kommt! Text/Illustration: Tho­mas Mül­ler. Moritz Ver­lag. 2021. Ab 4 Jahren.

„Hörnchen und Bär“

Im Wald ist viel los! Hörn­chen und Bär sind näm­lich immer unter­wegs und schlit­tern von All­tags­aben­teuer zu All­tags­aben­teuer: Mal macht ein neuer Toas­ter nicht das, was er soll, mal sind Wald­geis­ter im Anmarsch – oder Wald­meis­ter? Die Vor­le­se­ge­schich­ten in Andreas H. Schmachtls „Hörn­chen und Bär“ sind mit Witz und Empa­thie erzählt. Das auf­ge­drehte, naïve und manch­mal toll­pat­schige Eich­hörn­chen lädt zur Iden­ti­fi­ka­tion ein und wird von Bär geer­det. Die Freunde sind ein per­fek­tes Team und zei­gen, wie man aus Feh­lern ler­nen und mit schwie­ri­gen Situa­tio­nen umge­hen kann. Gleich­zei­tig erfah­ren wir Leser*innen mehr über den Wald in allen Jah­res­zei­ten, vom Eis­fi­schen bis zum Son­nen­stich, und kön­nen trotz­dem stets Anknüp­fungs­punkte an unse­ren All­tag fin­den. Das ist ein gro­ßer Vor­le­se­spaß, der sich super als Gute-Nacht-Häpp­chen eig­net, sobald die Kids etwas län­ge­ren Geschich­ten fol­gen kön­nen. Denn die Illus­tra­tio­nen sind zwar auf allen Sei­ten ein­ge­streut, aber nur kleine Ergän­zun­gen zu den Geschich­ten. (wa)

Hörn­chen und Bär. Hau­fen­weise echt wal­dige Aben­teuer. Text/Illustration: Andreas H. Schmachtl. Arena. 2021. Ab 4 Jahren.

Hier fin­det ihr den ers­ten Teil der Bil­der­bü­cher zum Lese­kom­pass 2022.

Eben­falls aus­ge­zeich­net in der Kate­go­rie „2−6 Jahre“: Ein klei­ner blauer Punkt. Text/Illustration: Maren Hasen­jä­ger. Magel­lan. 2021. Ab 5 Jahren.

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