Lerne rassismuskritisch zu leben Ogette: „Und jetzt du“ – #OwnVoicesBK

by Satzhüterin Pia

Und jetzt duFür Satz­hü­te­rin Pia war „exit Racism“ von Tupoka Ogette ein wich­ti­ger Mei­len­stein auf ihrer ras­sis­mus­kri­ti­schen Reise raus aus Hap­py­land. Mit „Und jetzt du“, Oget­tes zwei­tem Buch, wie­der­holt sie vie­les, aber lernt auch ebenso viel dazu.

Ein­mal Hap­py­land ver­las­sen, gibt es kein Zurück mehr. Und das ist auch gut so. Vie­les, was Leser:innen oder Hörer:innen von Oget­tes Erst­lings­werk „exit Racism“ gelernt haben, kommt ihnen im zwei­ten Buch zugute. Ob sich „Und jetzt du. Ras­sis­mus­kri­tisch leben“ ohne diese vor­he­rige Lek­türe gege­be­nen­falls anders liest – schwie­ri­ger oder ver­ständ­nis­lo­ser zum Bei­spiel – kann ich somit nicht beur­tei­len. Die Autorin ver­weist aber früh auf ihr ers­tes Buch und legt über­for­der­ten Leser:innen erst ein­mal nahe, sich die­ser ers­ten Lek­tion zum „rassismuskritsch[en] den­ken [L]ernen“ zu widmen.

Klug, beson­nen und mit Wut gewürzt

Tupoka Ogette erklärt anschau­lich und gut ver­ständ­lich die unter­schied­li­chen Gesich­ter von Ras­sis­mus. Vor allem durch den per­sön­li­chen Back­ground als Schwarze Frau in Deutsch­land, nimmt der eigene Erfah­rungs­schatz einen nicht gerin­gen Anteil des Buches ein. Dabei spürt man bei jedem Thema, auf jeder Seite und in jedem Satz, wie geübt die Autorin (und Trai­ne­rin im Bereich Ras­sis­mus­kri­tik) ist, wei­ßen Men­schen in die­ser Hin­sicht die Augen zu öff­nen. Aber man spürt auch deut­lich die gele­gent­li­che Ohn­macht, die Angst und Wut, die eine per­ma­nente Belas­tung wie Ras­sis­mus aus­lö­sen kön­nen. Diese Mischung aus Fak­ten und For­schung, Geschichte und Poli­tik, per­sön­li­chen Anek­do­ten und Berich­ten aus ihren Kur­sen machen das Buch authen­tisch und ja, sogar span­nend. Zumin­dest, wenn man sich nicht sträubt, sich mit die­sem unend­lich wich­ti­gen (so abge­dro­schen es auch klingt, es ist genau das: wich­tig) und auch scham­be­haf­te­ten Thema auseinanderzusetzen.

Ras­sis­mus­kritsch leben ist ein Prozess

Und zwar ein indi­vi­du­el­ler Pro­zess. Oget­tes freund­li­che, aber bestimmte Art, uns Leser:innen an die Hand zu neh­men, auf­klä­rend dar­zu­le­gen, wo genau wel­che Pro­bleme und Mecha­nis­men wie wir­ken, macht es mir leicht, mich mit ihr auf die Reise zu bege­ben. Oder viel­mehr ein Stück mit die­sem Buch in der Hand zu gehen, dar­aus viele Worte, Stra­te­gien, Infor­ma­tio­nen und auch Werk­zeuge mit­zu­neh­men und gestärk­ter weiterzumachen.

„Du kämpfst – nicht für Schwarze Men­schen, Indi­gene und People of Color, son­dern an ihrer Seite – gegen das ras­sis­ti­sche Sys­tem.“ (S. 88)

So unan­ge­nehm es sein kann, sich immer und immer wie­der bewusst zu machen, wie sehr Ras­sis­mus das eigene Leben (unbe­wusst) mit­be­stimmt hat, so glück­lich kann es machen, sich gewahr zu wer­den, auf dem rich­ti­gen Weg raus aus die­sen ewig wir­ken­den Mecha­nis­men zu sein. Dabei müs­sen wir wei­ßen Men­schen, die wir Ras­sis­mus nicht selbst erle­ben, aber so viel ange­bo­rene Ver­ant­wor­tung hier­für tra­gen, uns unse­rer Pri­vi­le­gien bewusst sein. Denn am Ende des Tages kön­nen wir ent­schei­den, ob und wie viel wir uns mit die­sem Thema beschäf­ti­gen. Je prä­sen­ter es dem­nach auch in unse­ren Köp­fen ist, desto bes­ser kön­nen wir unsere Pri­vi­le­gien nut­zen und ein:e echte:r Ally werden.

Ein Leben lang lernen

Dass man nicht an der Stelle ste­hen blei­ben kann, sich sei­ner Pri­vi­le­gien und des all­ge­gen­wär­ti­gen Ras­sis­mus in Gesell­schaft, Struk­tu­ren, (indi­vi­du­el­lem) Den­ken und Poli­tik bewusst zu wer­den, ist nahe­lie­gend. Und so stört es auch nicht, dass sich viele The­men, Begriffe (white fra­gi­lity etc. pp.) und Erläu­te­rung wie­der­ho­len, sowohl inner­halb des Buches als auch zu ande­ren Lek­tü­ren wie bei­spiels­weise „exit Racism“. Mit jeder erneu­ten Aus­ein­an­der­set­zung und Repe­ti­tion ver­in­ner­licht man all das ein biss­chen mehr und gewinnt immer mehr Erkennt­nisse. Man lernt Ras­sis­mus zu erken­nen, zu benen­nen, zu demon­tie­ren und die Umwelt ein biss­chen wei­ter zu sensibilisieren.

Ich möchte gerne „Pflicht­lek­türe!“ rufen, aber zu leicht kön­nen unein­sich­tige, ver­un­si­cherte und abweh­rende weiße Per­so­nen sich dem Zugang ver­schlie­ßen. Also sage ich nur ein­dring­lich: Höre Betrof­fe­nen zu, lese und lerne, ver­schließe dich nicht und begib auch du dich auf eine Reise in ein ras­sis­mus­kri­ti­sches Leben.

Und jetzt du. Ras­sis­mus­kri­tisch leben. Tupoka Ogette. Pen­guin Ver­lag. 2022.

Ein Bei­trag zum The­men­jahr #Own­VoicesBK. Hier fin­det ihr alle Beiträge.
Hier geht’s zur Rezen­sion von „exit Racism“.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr