Leicht verdaulich? Wohl kaum.

by Zeichensetzerin Alexa

Asche„Auf uns Polen­kin­der!“, sagt er und gießt die Glä­ser voll. Wir sit­zen in der Küche, in der klei­nen Nische direkt neben Hei­zung und Tisch, hier ist es dun­kel, und es riecht noch ein wenig nach Bra­ten­fett. Die Glut unse­rer Ziga­ret­ten leuch­tet kirsch­rot, ein letz­ter Zug, dann trin­ken wir, natür­lich auf Ex.“

Bereits in Sven Heu­cherts ers­tem Werk „Punch­drunk“, das im Jahre 2014 als Hör­buch erschien, waren diese Ele­mente zu fin­den: Alko­hol, Ziga­ret­ten, Dro­gen, Gewalt. Die­ser The­ma­tik bleibt Heu­chert treu und prä­sen­tiert sie nun aus 14 ver­schie­de­nen Blick­win­keln als Sto­ries unter dem Titel „Asche“. Kein leich­tes Werk, denn die Geschich­ten, die hier geschil­dert wer­den, rich­ten den Blick genau dort­hin, wo man am liebs­ten nicht hin­schauen würde. Dass Heu­chert genau das tut, macht das Werk so wich­tig. Es ist, als würde es einen wach­rüt­teln wol­len und sagen: schaut hin, nicht weg!
Die­ses Wach­rüt­teln gelingt Heu­chert ohne Zwei­fel. Gerade durch seine direkte Spra­che: Unver­blümt, unge­schminkt, hart sind seine Worte. Er scheut nicht davor zurück, die Per­ver­si­tät die­ser Men­schen samt ihrer vul­gä­ren Spra­che dar­zu­stel­len. Dabei han­delt es sich um Men­schen, die als Ver­lie­rer daste­hen und es im Leben zu nichts gebracht haben. Men­schen, denen das Glück ver­wei­gert wor­den ist und die im Schat­ten­da­sein leben. Dort, wo man eben nicht hin­se­hen mag.
Ein­zig die sich wie­der­ho­len­den Struk­tu­ren sind zu kri­ti­sie­ren: Stets wer­den die – oft gewalt­tä­ti­gen – Hand­lun­gen der Prot­ago­nis­ten von Alko­hol, Ziga­ret­ten und Dro­gen beglei­tet, wodurch der Ein­druck ent­steht, diese Ele­mente wür­den unwei­ger­lich zusam­men­hän­gen. Nicht zuletzt erin­nern Prot­ago­nis­ten wie der Boxer und der Russe in die­sem Kon­text an Ste­reo­type, beglei­tet von Vor­ur­tei­len, die zutref­fen kön­nen, aber nicht müssen.

„Asche“ ist defi­ni­tiv keine leichte Kost. Die 14 Sto­ries, die sich auch unab­hän­gig von­ein­an­der lesen las­sen, lie­gen nach der Lek­türe sehr schwer im Magen. Ver­dauen kann man sie zwar nach und nach, der bit­tere Nach­ge­schmack aber bleibt.

Alexa

Asche. Sven Heu­chert. Bern­stein. 2015. www​.sven​-heu​chert​.de.
Außer­dem als eBook erschie­nen bei edel & electric.

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