Kann Freundschaft tödlich sein? „Das Loft“ von Linus Geschke

Das LoftIn „Das Loft“ von Linus Geschke beteu­ern die Haupt­ver­däch­ti­gen, Sarah und Marc, den Mord an ihrem bes­ten Freund weder gemein­sam noch alleine began­gen zu haben. Äußerst kri­tisch hat Sei­ten­tän­ze­rin Michelle-Denise die Aus­sa­gen des Paars ver­nom­men und wurde bis zur fina­len Auf­lö­sung getäuscht.

Ein blut­ver­schmier­ter Tat­ort in einem Ham­bur­ger Loft stellt die Poli­zei vor ein gro­ßes Rät­sel. Was genau ist hier pas­siert? Fest steht: Die Menge an Blut deu­tet auf einen grau­sa­men Mord hin, der das Über­le­ben von Hen­ning Järisch aus­schließt. Schnell gera­ten die Mit­be­woh­ner des Opfers, das Lie­bes­paar Marc Lam­mert und Sarah Haupt­mann, ins Visier der Ermitt­lun­gen. Aber haben sie wirk­lich ihren bes­ten Freund getö­tet oder ist der Mör­der noch auf freiem Fuß?

Wechselnde Erzählperspektiven, die fesseln

Der Thril­ler „Das Loft“ von Linus Geschke stieg direkt nach sei­ner Ver­öf­fent­li­chung auf Platz 16 der Spie­gel Best­sel­ler­liste ein. Es han­delt sich hier­bei um Geschkes ers­ten Stand-Alone, der den vor­an­ge­gan­gen erfolg­rei­chen Buch­rei­hen des Autors in nichts nach­steht. Dabei ist „Das Loft“ sowohl sprach­lich als auch inhalt­lich kom­plett anders auf­ge­baut. Es besticht nicht durch beson­dere Action oder bru­tale Morde, wie man sie meist aus ande­ren Büchern die­ses Gen­res kennt, son­dern durch die Schil­de­rung des Innen­le­bens der Prot­ago­nis­ten. Äußere Hand­lun­gen sind zuguns­ten der inne­ren redu­ziert. Infol­ge­des­sen liegt der Fokus auf vie­len Details und Fein­hei­ten, die in den Erzäh­lun­gen der Tat­ver­däch­ti­gen und Ermitt­lern liegen.

Mit den ein­zel­nen Kapi­teln wech­seln auch die Erzäh­ler. In den Abschnit­ten des ver­däch­ti­gen Pär­chens wird jeweils aus der Sicht von Sarah oder Marc als Ich-Erzäh­lung berich­tet. Man erhält so Ein­bli­cke in die Gefühls­welt der Prot­ago­nis­ten. Auch ver­gan­gene, per­sön­li­che Erleb­nisse, wie zum Bei­spiel die erste Begeg­nung des Lie­bes­paars oder ein Urlaub zu dritt mit Hen­ning, wer­den von dem Paar aus der Sicht von Sarah oder Marc rück­bli­ckend genauer beleuch­tet. Zwi­schen dem Wech­sel der bei­den Ich-Erzäh­ler reiht sich noch ein neu­tra­ler Erzäh­ler ein, der die Abschnitte im Poli­zei­prä­si­dium wie­der­gibt. In die­sen Kapi­teln erfährt man durch die Gesprä­che der zustän­di­gen Poli­zei­be­am­ten wich­tige Infor­ma­tio­nen. Ihre Gefühls­welt wird jedoch ledig­lich durch aus­ge­spro­chene Worte und Beschrei­bun­gen von Hand­lun­gen wohl­do­siert offenbart.

Top, die Wette gilt!

Man muss den ver­schie­de­nen Erzäh­lern genau zuhö­ren, um auch nur annä­hernd eine Chance zu haben, das Rät­sel um den Mord an Hen­ning Järisch zu lösen. Im Vor­wort gibt der Autor dies­be­züg­lich einen Leit­fa­den zur Lek­türe des Buches. Es wird keine unnö­ti­gen Wie­der­ho­lun­gen geben und man soll nicht alle Aus­sa­gen der Han­deln­den für wahr hal­ten, denn Men­schen lügen eben manch­mal. Dabei ver­spricht er, dass es auch bei Ein­hal­tung sei­ner Rat­schläge nicht mög­lich sein wird, den Mord zu lösen. Die­ses kurze Vor­wort war ein wirk­lich gelun­ge­ner Start in den Thril­ler, denn die Worte sta­chel­ten mich direkt an, Geschke eines Bes­se­ren zu beleh­ren und den Fall so schnell wie mög­lich zu durch­schauen. Top, die Wette gilt!

Die Gescheh­nisse erschie­nen mir so leicht und klar struk­tu­riert. Nach­dem ich zu Beginn mal Marc und mal Sarah des Mor­des ver­däch­tigte, war ich mir gegen Ende immer siche­rer, was sich genau zuge­tra­gen haben könnte und wer Schuld daran war. Es war bis zur letz­ten Seite span­nend und fesselnd.

Aber was soll ich sagen? Geschke sollte Recht behal­ten. Es war mir tat­säch­lich nicht mög­lich, den Mör­der zu über­füh­ren. Der Autor hat auf den letz­ten Sei­ten mein kom­plet­tes Lösungs­sze­na­rio zer­stört. Ein wirk­lich gelun­ge­nes und raf­fi­nier­tes Ende, auf das ich nie­mals gekom­men wäre.

Gelungener Stand-Alone

Ich habe schon zuvor Thril­ler von Geschke gele­sen. Beson­ders der vierte Fall sei­nes Ermitt­ler­duos Jan Römer und Mütze, „Im Wald der Wölfe“, hat mir gut gefal­len und ich hätte nur allzu gerne einen wei­te­ren Fall aus die­ser Reihe gele­sen. Jedoch hat sich der Autor mit sei­nem ers­ten Stand-Alone selbst über­trof­fen. Durch die wech­seln­den Erzähl­per­spek­ti­ven und den Fokus auf den inne­ren Hand­lun­gen hat der Thril­ler eine beson­dere Tiefe, die mich wirk­lich beein­druckt hat. Das Schlimmste ist bereits vor der ers­ten Seite pas­siert: der Mord. Danach füh­ren die Worte, Gesprä­che und Gedan­ken der Prot­ago­nis­ten durch die Sei­ten und es ist mir schwer­ge­fal­len, das Buch aus der Hand zu legen.

Auf der Pre­mie­ren­le­sung von „Das Loft“ am 28. Februar 2022 in Ham­burg hat Geschke ange­kün­digt, dass er bereits an einem neuen Thril­ler schreibt. Auch beim die­sem Werk wird es sich wie­der um einen Stand-Alone han­deln. Das begrüße ich sehr, denn die­ser Thril­ler hat bewie­sen, dass man eine gelun­gene Geschichte nicht über meh­rere Bände stre­cken muss.

Das Loft. Linus Geschke. Piper. 2022.

Hier geht’s zum Bericht über die Pre­mie­ren­le­sung in Ham­burg.

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