Im Rausch der goldenen 20er #1920erlesen

by Bücherstadt Kurier

Wer mit den Fil­men von Baz Luhr­mann bereits ver­traut ist, weiß, dass der aus­tra­li­sche Regis­seur immer ein opti­sches Feu­er­werk der Extra­klasse abbrennt. Trotz­dem ist seine Adap­tion von „Der große Gatsby“ nach dem Roman von F. Scott Fitz­ge­rald aus dem Jahr 1925 vor allem eines: ganz gro­ßes Schau­spiel­er­kino. – Von Bücher­städ­te­rin Julia

Der Autor Nick Car­ra­way (Tobey Maguire) bezieht ein Haus auf Long Island vor den Toren des New Yorks der 20er Jahre, in einer Gegend, in der sich über­wie­gend Neu­rei­che tum­meln. Das Haus liegt an einer Bucht und zudem direkt gegen­über dem Haus, in dem seine Cou­sine Daisy (Carey Mul­ligan) mit ihrem Mann Tom (Joel Edgerton) lebt. Auf einer Party lernt Nick sei­nen neuen Nach­barn, den geheim­nis­vol­len Mr. Gatsby (Leo­nardo DiCa­prio), ken­nen. Zwi­schen den bei­den ent­wi­ckelt sich eine Freund­schaft. Gatsby hat fünf Jahre zuvor die damals noch unver­hei­ra­tete Daisy ken­nen­ge­lernt, sich in sie ver­liebt und wegen sei­ner Sol­da­ten­pflich­ten die Ver­bin­dung zu ihr ver­lo­ren. Als Gatsby erfährt, dass Car­ra­way der Cou­sin von Daisy ist, sieht er die Chance gekom­men, ihr Herz erneut zu erobern.

Rap vs. Swing

„Der große Gatsby“ wird zu einem visu­el­len Over­kill, der gerade in den Party-Sze­nen ein­fach nur Spaß macht und für einige Gän­se­haut-Momente sorgt. Lei­der über­treibt es Luhr­mann auch ab und an ein wenig und der Film wird stel­len­weise etwas zu kit­schig und hoch­ge­spielt. Man hätte weni­ger auf das Bild­schau­spiel ein­ge­hen und dafür mehr Zeit für die Cha­rak­tere auf­wen­den sol­len. Gelun­gen sind hin­ge­gen die teils unge­wöhn­li­chen Kame­ra­fahr­ten sowie die Aus­stat­tung und Kostüme.

Min­des­tens genauso über­zeu­gend wie die Optik des Films ist auch der Sound­track. Die Liste bestehend aus nam­haf­ten Künst­lern wie Lana Del Rey oder Jay‑Z liest sich schon mal gut. Trotz­dem könn­ten vor dem Sehen des Films einige Zwei­fel auf­kom­men, ob der aktu­elle, moderne Sound­track auch wirk­lich zum Gesche­hen der 20er Jahre passt. Man wird hier aller­dings nicht ent­täuscht. Luhr­mann hat es geschafft, die Musik der Moderne mit den tra­di­tio­nel­len Swing-Ele­men­ten zu kom­bi­nie­ren und den zeit­lo­sen Klas­si­ker in Szene zu setzen.

Fast per­fekt gecastet

Die erste halbe Stunde des Films ist ein vor allem opti­scher Auf­bau der Geschichte und zeigt eine vom Par­tys Fei­ern beses­sene Gesell­schaft. Gemixt mit den pom­pö­sen Kos­tü­men und dem Look der 20er wer­den die Zuschauer schon fast in eine Art Rausch­zu­stand ver­setzt. Dyna­mi­sche und hoch gesät­tigte Bil­der las­sen die Sze­nen teil­weise träu­me­risch mär­chen­haft erscheinen.

On Top glänzt „Der große Gatsby“ mit einer her­vor­ra­gen­den Beset­zung für die Haupt­rol­len und so erscheint es einem fast schon wie ein Ver­bre­chen, würde man hier auf Leo­nardo DiCa­prio, der für die Rolle des Jay Gatsby wie geschaf­fen scheint, ver­zich­ten. Auch Carey Mul­ligan mimt sehr über­zeu­gend das schon fast zer­brech­li­che Por­zel­lan­püpp­chen Daisy. Der Rest des Casts wirkt hin­ge­gen etwas blass. Die übri­gen Schau­spie­ler hät­ten sich viel­leicht bes­ser ent­fal­ten kön­nen, wenn man ihnen mehr Bild­schirm­prä­senz ein­ge­räumt hätte.

Der große Gatsby. Regie: Baz Luhr­mann. Dreh­buch: Baz Luhr­mann & Craig Pearce. Dar­stel­ler: Leo­nardo DiCa­prio, Tobey Maguire, Carey Mul­ligan u.a. War­ner Bros. GmbH. USA, Aus­tra­lien. 2013. FSK: 12.

Ein Bei­trag zur The­men­wo­che #1920erlesen. Hier fin­det ihr alle Beiträge.

Illus­tra­tion: Satz­hü­te­rin Pia

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