Hast du dir nie gewünscht, ein Mann zu sein? „Die Sekretärinnen“

by Worteweberin Annika

Die SekretärinnenEine Wohn­ge­mein­schaft von vier jun­gen Frauen, die als Sekre­tä­rin­nen arbei­ten und sich den har­ten Arbeits­all­tag durch ein fröh­li­ches Mit­ein­an­der erleich­tern: Elin Wägner schil­dert in „Die Sekre­tä­rin­nen“ das Los vie­ler Frauen rund um die Jahr­hun­dert­wende (nicht nur) in Schwe­den und legt damit einen femi­nis­ti­schen und unter­halt­sa­men Roman vor. – Von Worte­we­be­rin Annika

Eli­sa­beth hat einen Job in einer Anwalts­kanz­lei ergat­tert. Ein Glück, denn ihre Eltern sind ver­stor­ben und es gibt einen jün­ge­ren Bru­der. Sie zieht zu Eva, Baby und Emmy in eine kleine Woh­nung und taucht in den All­tag arbei­ten­der Frauen ein – sie ver­die­nen deut­lich weni­ger als ihre männ­li­chen Kol­le­gen, arbei­ten oft här­ter und sind tag­täg­lich deren lüs­ter­nen Bli­cken ausgesetzt.

„‚Der große Unter­schied ist der‘, erklärte ich, ‚dass ein Sekre­tär, der müde von sei­nem Arbeits­tag kommt, ein­fach aus­geht und ein paar Schein­chen für sein Ver­gnü­gen aus­gibt. Eine Sekre­tä­rin in der­sel­ben Situa­tion bleibt zu Hause und nimmt Aspi­rin­pul­ver.‘“ (S. 56–57)

Statt von tro­cke­nem Brot zu leben, könn­ten die Sekre­tä­rin­nen auch ein­fach hei­ra­ten, schon hät­ten sie aus­ge­sorgt. Statt­des­sen orga­ni­sie­ren die Frauen einen Pro­test – mit dem sie im Jahr 1908 natür­lich (lei­der!) nicht durch­kom­men kön­nen. Bleibt doch nur die Ehe, wenn sich denn die rich­ti­gen Hei­rats­kan­di­da­ten fin­den? Ihrem Tage­buch ver­traut Eli­sa­beth ihre Über­le­gun­gen zur Arbeit, zur Liebe und den Rech­ten als Frau an, ehr­lich, humor­voll und leichtfüßig.

„‚Hast du dir nie gewünscht, ein Mann zu sein?‘
‚Doch. Frauen dür­fen wir ja nicht sein.‘“ (S. 56)

Neben den Pro­ble­men der Zeit ler­nen wir die vier Frauen, ihre Sor­gen und Träume ken­nen. Sie wer­den von Eli­sa­beth sehr sym­pa­thisch geschil­dert und sind mir beim Lesen schnell ans Herz gewach­sen. Dafür ist das Buch dann viel zu schnell vor­bei: Plötz­lich ver­lässt die Prot­ago­nis­tin Stock­holm und nur aus einem nach­ge­scho­be­nen Brief erfah­ren wir noch ein klein wenig dar­über, wie es wei­ter­geht. Schade, denn ich hätte gerne mehr von den vier Frauen gelesen!

Elin Wäg­ners Roman erschien 1908. Den­noch liest er sich in der Über­set­zung von Wibke Kuhn spie­le­risch modern und wirkt kein biss­chen ver­staubt. „Die Sekre­tä­rin­nen“ ist ein schwe­di­scher Klas­si­ker, den es sich wie­der­zu­ent­de­cken lohnt!

Die Sekre­tä­rin­nen. Elin Wägner. Aus dem Schwe­di­schen von Wibke Kuhn. Ecco. 2022.

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