Filmabenteuer aus dem echten Leben Filmabenteuer

by Zeilenschwimmerin Ronja

Kürz­lich hat Zei­len­schwim­me­rin Ronja ihre Fest­platte etwas auf­ge­räumt und dabei auch ein paar ver­ges­sene Texte wie­der­ge­fun­den. Unter dem Titel „Film­aben­teuer“ hat sie eine Weile lang ihre Gedan­ken zu allen Fil­men auf­ge­schrie­ben, die sie in der Zeit geschaut hat. Dar­un­ter waren auch einige, die nach wah­ren Geschich­ten oder zumin­dest rea­li­täts­nah erzählt werden.

Schind­lers Liste (1993)

Mehr­fa­cher Oscar-Gewin­ner, ein Meis­ter­werk von Ste­ven Spiel­berg und Klas­si­ker unse­rer Zeit, besetzt mit bekann­ten Schau­spie­lern wie Liam Nee­son, Ben King­s­ley und Ralph Fien­nes. Auf­grund sei­ner The­ma­tik ist natür­lich davon aus­zu­ge­hen, dass die­ser Film schwer­ver­dau­lich ist. Ein so monu­men­ta­ler Drei-Stun­den-Film über die Juden­ver­fol­gung der Nazis, ihre Gräu­el­ta­ten und das Leben in Ghet­tos und Arbeits­la­gern lässt sich nicht ein­fach mal so anse­hen. Und ich muss sagen, die drei Stun­den haben sich auch ange­fühlt wie drei Stun­den. Was ich nor­ma­ler­weise bei einem Film nega­tiv beur­tei­len würde. In die­sem Fall jedoch nicht. Den Film kür­zer zu fas­sen, wäre nicht unmög­lich, es würde aller­dings bedeu­ten, zuguns­ten der Span­nung all jene Sze­nen zu strei­chen, die den Film aus­ma­chen: Es ist die detail­lierte Dar­stel­lung des All­tags, der Grau­sam­keit und Berech­nung, die „Schind­lers Liste“ erst so tief beein­dru­ckend und ergrei­fend macht.

Zu den Bil­dern, die sich mir beson­ders ein­ge­prägt haben, gehö­ren die jüdi­schen Grab­steine, die als Stra­ßen­pflas­ter miss­braucht wer­den, und der Sol­dat, der beim Anblick all der Opfer beginnt zu schreien. Nach die­sem Film war ich nicht dazu in der Lage, irgend­et­was zu den­ken. Selbst am nächs­ten Mor­gen war ich immer noch leicht bene­belt. Selt­sa­mer­weise fiel mir mit­ten im Film auf: Ralph Fien­nes hat sehr schöne Hände.

Schind­lers Liste. Regie: Ste­ven Spiel­berg. Dreh­buch: Ste­ven Zail­lian. Mit Liam Nee­son, Ben King­s­ley & Ralph Fien­nes. Uni­ver­sal. USA. 1993. FSK 12.

La La Land (2017)

„La La Land“ hat bei den Oscars abge­räumt und viel Lob bekom­men. Nach­dem ich ein lang­jäh­ri­ges Musi­cal-Trauma über­wun­den hatte, wollte ich mir die­sen Film unbe­dingt anse­hen. Und ich wurde überrascht.

Erwar­tet hatte ich ein komi­sches Lie­bes­drama mit etli­chen Gesangs- und Tanz­ein­la­gen. Und auch wenn es ein Lie­bes­drama war und auch mal gesun­gen und getanzt wurde (aber für ein Musi­cal doch sehr wenig), war er über­haupt nicht komisch. Er war im Gegen­teil ziem­lich ernst und über­ra­schen­der­weise nicht mit einem typi­schen Happy-End. Als Film war er gut, wenn auch kei­ner, den ich mir ein zwei­tes Mal anse­hen würde. Als Musi­cal fand ich ihn eher ent­täu­schend. Nicht nur, weil im Ver­hält­nis ziem­lich wenig gesun­gen und getanzt wurde, son­dern auch, weil der Gesang zwar gut, aber nicht sehr gut war. Ins­be­son­dere Ryan Gos­ling scheint kein gebo­re­ner Sän­ger zu sein. Sehr über­zeu­gend ist dage­gen die far­ben­frohe, träu­me­ri­sche Optik und Nost­al­gie des Films.

La La Land. Regie & Dreh­buch: Damien Cha­zelle. Mit: Ryan Gos­ling, Emma Stone & John Legend. Stu­dio­ca­nal. USA. 2017. FSK 0.

Die Ent­de­ckung der Unend­lich­keit (2014)

Es ist nicht die erste Ver­fil­mung von Ste­phen Haw­kings Leben, die ich gese­hen habe. (Zuvor hatte ich bereits eine mit Bene­dict Cum­ber­batch gese­hen, an die ich mich aller­dings kaum noch erin­nern kann.) „Die Ent­de­ckung der Unend­lich­keit“ ist ein gelun­ge­nes bio­gra­phi­sches Drama. Der Film ist ergrei­fend, ins­be­son­dere durch die erstaun­li­che Dar­stel­lung Ste­phen Haw­kings von Eddie Redmayne.

Die Ent­de­ckung der Unend­lich­keit. Regie: James Marsh. Dreh­buch: Anthony McCar­ten. Mit: Eddie Red­mayne, Feli­city Jones, Char­lie Cox & David Thew­lis. Uni­ver­sal. Groß­bri­tan­nien. 2014. FSK 0.

Ver­bor­gene Schön­heit (2016)

Ein Film mit Star-Beset­zung, der wirk­lich gut funk­tio­niert, sehr berüh­rend ist und trotz allem auch mal ein Lachen ver­ur­sacht. Will Smith wie­der ein­mal in einer so erns­ten Rolle zu sehen, ist nach all den Action-Fil­men eine ange­nehme Abwechs­lung, denn für diese Art Rolle ist er durch­aus auch geschaf­fen. Trotz aller Schön­heit des Films, sowohl inhalt­lich als auch in der Dar­stel­lung, folgt er doch bekann­ten Mus­tern, sodass das Ende keine Über­ra­schung für mich war. Den­noch ein guter Film.

Ver­bor­gene Schön­heit. Regie: David Fran­kel. Dreh­buch: Allan Loeb. Mit: Will Smith, Keira Knight­ley, Kate Wins­let & Helen Mir­ren. War­ner Bro­thers. USA. 2016. FSK 6.

The Book of Henry (2017)

Ich hatte selbst nach­dem ich den Trai­ler gese­hen hatte, nicht wirk­lich einen Plan, worum es in die­sem Film geht. Aller­dings musste ich beim Anse­hen fest­stel­len, dass das nicht mein Pro­blem war, son­dern eines, das sich aus der the­ma­ti­schen Über­la­den­heit des Films ergibt. Es wäre schon genug, einen zwei­stün­di­gen Film mit einem hoch­be­ga­ben Jun­gen zu fül­len, der ent­deckt, dass das Mäd­chen von nebenan, in das er ver­liebt ist, von ihrem Stief­va­ter miss­han­delt wird, und der dage­gen selbst­ver­ständ­lich etwas unter­neh­men will.

Man möchte mei­nen, eines von bei­dem (Hoch­be­ga­bung oder Miss­hand­lung) wäre schon genug. Aller­dings erwar­tet uns noch mehr: eine Mut­ter, die ihre Mut­ter­rolle erst noch fin­den muss; ein klei­ner Bru­der, der das Gefühl hat, immer im Schat­ten des Genies sei­nes gro­ßen Bru­ders zu ste­hen; der hoch­be­gabte Bru­der, der an Krebs erkrankt und bei der Hälfte des Films stirbt und sei­ner Mut­ter einen Plan zur Ermor­dung des Nach­barn hin­ter­lässt, um das Mäd­chen zu ret­ten, da die Behör­den nichts tun wol­len, weil der Nach­bar der mäch­tige Poli­zei­chef ist. Und schließ­lich ver­steckt sich in allem auch noch eine ange­deu­tete Lie­bes­ge­schichte zwi­schen der Mut­ter und dem behan­deln­den Arzt im Kran­ken­haus, die aller­dings unter all den ande­ren The­men nicht nur völ­lig ver­lo­ren ist, son­dern auch wie aus dem Nichts kommt und auch im Nichts verläuft.

Der Film hat etwas ris­kiert, da die Titel­fi­gur nach einer Stunde stirbt und gleich meh­rere The­men und Gen­res mit­ein­an­der ver­wo­ben wer­den. Lei­der will er damit viel zu viel und kratzt über­all nur an der Ober­flä­che. Den­noch ist der Film nicht schlecht. Es gibt zahl­rei­che berüh­rende Momente, gerade zwi­schen den bei­den Brü­dern, ins­be­son­dere die schau­spie­le­ri­sche Leis­tung des klei­nen Bru­ders rührt zu Trä­nen. Den­noch war ich am Ende unbe­frie­digt. In die­sem Fall wäre der abge­dro­schene Rat­schlag „Weni­ger ist mehr“ durch­aus ange­bracht gewesen.

The Book of Henry. Regie: Colin Tre­vor­row. Dreh­buch: Gregg Hur­witz. Mit: Naomi Watts, Jaeden Lie­ber­her & Lee Pace. Uni­ver­sal. 2017. FSK 12.

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