Erzähl mir eine Gute-Nacht-Geschichte

by Zeichensetzerin Alexa

Zei­chen­set­ze­rin Alexa hat in der Büche­rei gestö­bert und einige lesens­werte Bil­der­bü­cher ent­deckt. Dar­un­ter drei Gute-Nacht-Geschich­ten: eine ruhige, eine mär­chen­hafte und eine lustige.

Aus Tag wird Nacht: Wenn die Nacht erwacht

„Der Tag gähnt. Stille lässt sich in den Bäu­men nie­der. Die Vögel schlie­ßen ihre Flü­gel und das Sin­gen hört auf.“ Es ist Schla­fens­zeit und Max ver­ab­schie­det sich vom Tag, der ganz müde gewor­den ist. Lang­sam macht sich Max bereit zum Schla­fen. Er zieht sich um und macht die Vor­hänge zu. Dann bringt ihm seine Mut­ter warme Milch und singt ihm etwas vor, bevor sie das Zim­mer ver­lässt. Aber Max ist noch nicht müde. Erst ein­mal muss er mit sei­nem geheim­nis­vol­len Schlüs­sel die Nacht­kiste öff­nen, um die Nacht herauszulassen …

„Wenn die Nacht erwacht“ von Louise Greig und Ash­ling Lind­say ist eine ruhige Geschichte. Der Wech­sel zwi­schen Tag und Nacht wird phan­ta­sie­voll dar­ge­stellt – nicht als etwas Zeit­li­ches, son­dern viel­mehr als etwas Leben­di­ges, zu dem Max eine Bezie­hung auf­bauen und wor­auf er sich ein­las­sen kann: „Max hält sich fest, als das Dun­kel wogt und wie Tinte in die Welt fließt.“ Weder der Tag noch die Nacht wer­den pro­ble­ma­ti­siert. Max nimmt bei­des als etwas Selbst­ver­ständ­li­ches wahr, auf das er sich immer freuen kann. Dabei erleich­tert ihm seine Kiste den Wech­sel. Sobald die Nacht ein­schläft, ver­schwin­det sie wie­der darin, wäh­rend der Tag hin­aus­fliegt. Pas­send zum Thema hat die Illus­tra­to­rin mit Licht und Schat­ten gespielt, sowie mit hel­len und dunk­len Far­ben. Aber selbst die Nacht ist nicht gänz­lich schwarz – es gibt immer noch Licht­quel­len wie den Mond und die Sterne.

Märchenhaft farbenfroh: Schlaf wie ein Tiger

In „Schlaf wie ein Tiger“ geht es um ein Mäd­chen, das nicht schla­fen möchte. Nach­dem es sich den Schlaf­an­zug ange­zo­gen und die Zähne geputzt hat, ist es immer noch nicht müde. Im Bett streckt es sich aus und fragt seine Eltern: „Geht eigent­lich alles auf der Welt irgend­wann schla­fen?“ Die Eltern beja­hen und nun erzäh­len sie, wer schon alles schläft: der Hund, die Katze, die Wale, der Tiger … nur die Fle­der­mäuse nicht. Sie schla­fen tagsüber.

„Schlaf wie ein Tiger“ nimmt die Betrach­ten­den mit auf eine Ein­schlaf­reise. Wäh­rend das Mäd­chen im Bett liegt, denkt es an die schla­fen­den Tiere, es ist warm, gemüt­lich und kusche­lig. Die Phan­ta­sie trägt das Mäd­chen zu den Tie­ren, bis es ein­schläft „wie ein Tiger“. Traum­haft und far­ben­froh sind auch die Illus­tra­tio­nen von Pamela Zaga­ren­ski. Es berei­tet Freude, sie zu betrach­ten und kleine Details zu ent­de­cken (zum Bei­spiel, dass es sich bei dem Buch, wel­ches die Mut­ter mit ins Schlaf­zim­mer bringt, um „Der kleine Prinz“ han­delt). Mit „Schlaf wie ein Tiger“ haben Mary Logue und Pamela Zaga­ren­ski ein lie­be­voll gestal­te­tes Mär­chen geschaf­fen, an dem kleine wie große Lese­rIn­nen Gefal­len fin­den können.

Es war einmal: Die beste Gute-Nacht-Geschichte

Ob „Die beste Gute-Nacht-Geschichte“ tat­säch­lich die beste ist, sei mal dahin­ge­stellt. Was sie aber auf jeden Fall ist: anders. Denn die Erzäh­ler­stimme spricht mit den Lesen­den. Und nicht nur das: Sie kom­mu­ni­ziert auch noch mit den darin vor­kom­men­den Figu­ren. Man könnte sagen, dass diese Geschichte ein Stück weit inter­ak­tiv ist. Figu­ren, Lesende, Medium – alles wird in die Geschichte ein­ge­bun­den, um „Die beste Gute-Nacht-Geschichte“ zu erzählen.

Und darum geht es: Die Erzäh­ler­stimme lei­tet wie im Thea­ter die Dar­stel­le­rin­nen und Dar­stel­ler an, deren Auf­gabe es ist, eine schöne Geschichte zu erzäh­len, um die Lesen­den zum Ein­schla­fen zu brin­gen. Das ist aber alles andere als ein­fach, weil mit­ten­drin wei­tere Figu­ren auf­tau­chen, die eben­falls mit­spie­len wol­len. Wir sehen die drei klei­nen Schwein­chen, Aschen­put­tel, Rot­käpp­chen und den bösen Wolf. Und alle wol­len eine wich­tige Rolle spie­len. Das kann nur im Streit enden. Vor­erst. Bis sich die Figu­ren ent­schlie­ßen, an einem Strang zu zie­hen, um das gemein­same Ziel zu errei­chen. Am Ende haben sie genauso viel Spaß wie die Lesenden.

  • Wenn die Nacht erwacht. Louise Greig. Illus­tra­tion: Ash­ling Lind­say. Über­set­zung: Uwe-Michael Gutzschhahn. Gers­ten­berg Ver­lag. 2017. Ab 4 Jahren.
  • Schlaf wie ein Tiger. Mary Logue. Illus­tra­tion: Pamela Zaga­ren­ski. Über­set­zung: Gun­dula Mül­ler-Wall­raf. Kne­se­beck Ver­lag. 2014. Ab 3 Jahren.
  • Die beste Gute-Nacht-Geschichte. Nicola O’Byrne. Über­set­zung: Con­stanze Stein­damm. Lap­pan Ver­lag. 2017. Ab 4 Jahren.

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