Eine Geschichte starker Frauen Louisa May Alcott: „Little Women“

Little WomenDas Leben der March-Schwes­tern aus Louisa May Alcotts Roman „Little Women. Beth und ihre Schwes­tern“ ist nicht immer leicht, den­noch ver­lie­ren sie nicht ihre Lebens­freude. Sei­ten­tän­ze­rin Michelle-Denise hat mit ihnen mit­ge­fühlt und die Lek­türe wahr­lich genossen.

Alcotts Roman erzählt die Geschichte der vier March-Schwes­tern Meg, Jo, Beth und Amy nach dem Ende des ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krie­ges in den spä­ten 1860ern. Die Geschwis­ter könn­ten dabei unter­schied­li­cher nicht sein: Wäh­rend Meg, die älteste Schwes­ter, stets gro­ßen Wert auf die Ein­hal­tung von Tra­di­tio­nen und Kon­ven­tio­nen legt und das klas­si­sche Rol­len­bild einer Frau ver­kör­pert, ist die Zweit­äl­teste Jo das kom­plette Gegen­teil von ihr. Sie ist ein unbän­di­ger Wild­fang, der eher etwas bur­schi­kos wirkt und so gar nicht damen­haft sein will.

Beth dage­gen ist das ruhige und selbst­lose Mäd­chen der March-Fami­lie. Immerzu küm­mert sie sich auf­op­fe­rungs­voll um alle Men­schen, die in Not sind, und möchte der Fami­lie ein schö­nes Zuhause berei­ten. Das Nest­häk­chen Amy hin­ge­gen träumt von einem Leben als Künst­le­rin in Wohl­stand und ist weni­ger beschei­den, als ihre Schwes­tern. Im ers­ten Teil, „Little Women“, wer­den die Mäd­chen wäh­rend ihrer Kind­heit beglei­tet. Der zweite Teil „Good Wives“ zeigt sie als her­an­wach­sende junge Frauen, die den einen oder ande­ren Schick­sals­schlag ver­kraf­ten und ihren eige­nen Weg fin­den müssen.

Eine halb­au­to­bio­gra­fi­sche Geschichte

Schon als Kind bin ich der Geschichte um Beth und ihren Schwes­tern erst­mals begeg­net. Damals lief im Fern­se­hen die Zei­chen­trick­se­rie „Eine fröh­li­che Fami­lie“ nahezu täg­lich und ich ver­folgte die amü­san­ten, aber auch dra­ma­ti­schen, roman­ti­schen und trau­ri­gen Gescheh­nisse nur allzu gespannt. Doch erst mit die­ser Neu­auf­lage von Alcotts Roman „Little Women. Beth und ihre Schwes­tern“ beim Reclam Ver­lag erfuhr ich, dass die Zei­chen­trick­se­rie aus Kin­der­ta­gen auf einem Best­sel­ler beruht.

„Little Women. Beth und ihre Schwes­tern“ ver­eint den 1868 erschie­ne­nen ers­ten Band „Little Women“ und den Fol­ge­band „Good Wives“, wel­cher nur ein Jahr spä­ter ver­öf­fent­licht wurde, in einem Buch. Das Werk ist zwar der Kin­der- und Jugend­buch­li­te­ra­tur zuzu­ord­nen, jedoch hat die Geschichte eine beson­dere Tiefe durch auto­bio­gra­fi­sche Züge aus Alcotts eige­ner Lebens­ge­schichte, die ich sehr inter­es­sant und span­nend empfinde.

Durch die hete­ro­die­ge­ti­sche Erzähl­weise wer­den die Lese­rin­nen und Leser in aus­ge­wähl­ten Abschnit­ten per­sön­lich ange­spro­chen, um Cha­rak­tere oder mora­li­sche Hil­fe­stel­lun­gen, die an die Schwes­tern gerich­tet wur­den, genauer zu erklä­ren. Die­ses Vor­ge­hen erleich­tert es den jün­ge­ren Lese­rin­nen und Lesern, kom­plexe Sach­ver­halte bes­ser zu ver­ste­hen. Die Wort­wahl ist dabei so geschickt gewählt, dass die Erklä­run­gen sich gekonnt in den Text­fluss ein­fü­gen, ohne stö­rend zu wirken.

Prä­gende Charaktere

Mit Kin­der­au­gen sieht man ein­zelne Pas­sa­gen noch anders als im Erwach­se­nen­al­ter. Ich habe mir mit der Lek­türe die­ses Buches bewusst viel Zeit genom­men, um die ein­zel­nen Kapi­tel auf mich wir­ken zu las­sen. Sicher­lich soll „Little Women. Beth und ihre Schwes­tern“ vor­der­grün­dig die Geschichte der vier Schwes­tern und ihrer unter­schied­li­chen Lebens­wege und Schick­sa­len erzäh­len, aber ich emp­fand auch die Rolle der Mut­ter als beson­ders essen­zi­ell. In der schwe­ren Nach­kriegs­zeit ohne Mann vier Töch­ter alleine zu erzie­hen, ihnen mit wenig Geld den­noch ein gebor­ge­nes Zuhause zu bie­ten und ihnen stets mit Rat, Tat und Liebe unter­stüt­zend bei­zu­ste­hen, ist keine leichte Auf­gabe. Ihre „Mar­mee“, wie die Mäd­chen ihre Mut­ter lie­be­voll nen­nen, hat die Schwes­tern so manch fal­sche Hand­lung in Kin­der­ta­gen über­den­ken las­sen und zu star­ken und empa­thi­schen Frauen gemacht. Aber auch die Rolle des Nach­barn Mr Lau­rence und des­sen Enkel sind prä­gende und weg­wei­sende Figu­ren inner­halb des Romans, die man auf sich wir­ken las­sen sollte.

Anspre­chende Illus­tra­tio­nen, die zum Ver­wei­len einladen

Nicht nur inhalt­lich über­zeugt diese Aus­gabe von „Litte Women. Beth und ihre Schwes­tern“. Kera Till, die bereits für Mar­ken wie Her­mès und Cha­nel als Illus­tra­to­rin tätig war, hat die­ses Buch illus­triert. Die sanft gezeich­ne­ten Bil­der erstre­cken sich durch das gesamte Werk und befin­den sich meist dezent gehal­ten am Rand des Tex­tes. Aber auch groß­zü­gig illus­trierte Dop­pel­sei­ten in war­men Far­ben befin­den sich in dem Buch und stel­len gekonnt Bezug zu den Hand­lun­gen her. Durch Tills Illus­tra­tio­nen haben die beschrie­be­nen Prot­ago­nis­tin­nen und Prot­ago­nis­ten ein Gesicht erhal­ten, das ich mir nicht viel anders hätte vor­stel­len können.

Ob als Geschenk oder zum Sel­ber­le­sen, ich kann die­ses inhalt­lich sowie optisch schöne Buch nur emp­feh­len. Sowohl für Kin­der und Jugend­li­che als auch für Erwachsene.

Little Women. Beth und ihre Schwes­tern. Louisa May Alcott. Über­set­zung: Monika Baark. Illus­tra­tio­nen: Kera Till. Reclam. 2021.

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