Eine Demo, ein Schatz und ein Schneesturm Kirsten Boies Sommerby (Teil 3)

by Worteweberin Annika

Mit Som­merby hat Kin­der­buch­au­torin Kirs­ten Boie eine moderne Astrid-Lind­gren-Welt in Nord­deutsch­land geschaf­fen. Der dritte Teil „Für immer Som­merby“ spielt im Win­ter – und es wird wie­der span­nend! – Von Worte­we­be­rin Annika

Es sind Weih­nachts­fe­rien, als Mar­tha, Mikkel und Mats zum drit­ten Mal zu Oma Inge nach Som­merby fah­ren. Im Kof­fer­raum hau­fen­weise Geschenke, und die­ses Mal bleibt Mama auch im klei­nen Haus auf der Land­zunge, Papa soll am Hei­lig­abend dazu kom­men. Trotz­dem ist „Für immer Som­merby“ für mich mehr ein Win­ter- als ein Weih­nachts­buch. Denn: Es gibt Schnee, viel Schnee! Plötz­lich fällt der Strom aus und Mar­tha ist erstaunt, was nun alles nicht mehr funk­tio­niert. Kein Licht, keine Hei­zung, kein Mobil­funk­netz … Eine echte Not­si­tua­tion! Ins­be­son­dere, als sich erst Mats und am nächs­ten Tag auch Mikkel hin­aus in den Schnee­sturm bege­ben und in große Gefahr geraten.

Cover Für immer SommerbyLiebe und Widerstand

„Für immer Som­merby“ ver­sam­melt viele unter­schied­li­che The­men: Neben dem Schnee und Weih­nach­ten geht es einer­seits um eine neue Bedro­hung für Som­merby. Die beschau­li­che Steu­er­manns­in­sel, auf der Enes Mut­ter ein Aus­flugs­re­stau­rant betreibt, soll ver­kauft und mit moder­nen Häu­sern bebaut wer­den. Aber nicht mit Enes und Mar­tha! Enes orga­ni­siert eine Demo und weil Marthas Mut­ter eine gute Idee hat, wird die ein durch­schla­gen­der Erfolg.

Das bringt auch neuen Schwung in die Bezie­hung zwi­schen Mar­tha und Enes, nach­dem seit dem Herbst Funk­stille geherrscht hatte. Inzwi­schen ist Mar­tha zu Hause aus Ver­se­hen mit Albert zusam­men­ge­kom­men, obwohl sie gar nicht sicher ist, ob sie in den über­haupt ver­liebt ist. (Ob das wohl der glei­che Albert ist, den wir aus Boies Papp­bil­der­bü­chern „Albert spielt ver­ste­cken“ und „Albert ist eine Katze“ ken­nen?) Zum Glück hat nicht nur Krischan Boy­sen einen guten Rat für Mar­tha, auch zwi­schen den Sei­ten fin­det die Zwölf­jäh­rige Über­stüt­zung: Sie lässt sich von Kat­niss aus „Die Tri­bute von Panem“ inspi­rie­ren. Mit ihren Geschwis­tern liest Mar­tha außer­dem „Jim Knopf“. Wie in den ande­ren bei­den Bän­den ist die Liebe zur Lite­ra­tur hier wie­der schön, aber unter­schwel­lig präsent.

Per­spek­tiv­wech­sel

Wie in den ande­ren bei­den Bän­den ist Mar­tha die haupt­säch­li­che Erzäh­le­rin, doch auch aus den Per­spek­ti­ven von Mikkel und Mats wer­den Kapi­tel erzählt, so dass wir ganz unter­schied­li­che Geschich­ten mit­be­kom­men. Mats und Dilara, Enes jün­gere Schwes­ter, fin­den einen Ring am Ende des Regen­bo­gens. Das Pro­blem ist, dass sie nicht dar­über spre­chen dür­fen, damit die Wün­sche in Erfül­lung gehen … Denn sonst wür­den die Erwach­se­nen viel­leicht her­aus­fin­den, was es mit die­sem Ring eigent­lich auf sich hat. Und Mikkel ist wie immer besorgt um Oma Inges Tiere, denn ein Mar­der macht den Hüh­ner­stall unsi­cher. Was tun?

Wie immer gelingt es Kirs­ten Boie, die Stim­men der Kin­der authen­tisch ein­zu­fan­gen. Und auch im drit­ten Band ist die Som­merby-Stim­mung wie­der per­fekt. Bei Ker­zen­schein, Kek­sen und Weih­nachts­es­sen kommt Kuschel­stim­mung auf und doch wird die Idylle durch die span­nen­den Ereig­nisse nie über­höht. Beson­ders span­nend gelun­gen finde ich es, dass Kirs­ten Boie die erwach­se­nen Figu­ren ambi­va­lent dar­stellt. Mar­tha liebt ihre Eltern, doch sie erkennt auch, dass deren Pläne für Oma Inges Häus­chen falsch und ego­is­tisch sind. Auch dass Mama Oma Inges alte Hand­tü­cher erset­zen möchte, um das Haus in ein beschau­li­ches Land­haus zum Wohl­füh­len zu ver­wan­deln, kann sie nicht ganz ver­ste­hen und ver­mit­telt zwi­schen den bei­den Frauen. Doch im Haus in Som­merby zeigt Mama auch neue Sei­ten, die Mar­tha an ihr vor­her nicht kannte, und über­zeugt sie durch prak­ti­sches Den­ken und Zupa­cken – irgend­wie ist Mama halt doch die Toch­ter von Oma Inge.

Fans von Kirs­ten Boies Som­mer­by­ro­ma­nen oder den Geschich­ten von Astrid Lind­gren wer­den mit „Für immer Som­merby“ defi­ni­tiv auf ihre Kos­ten kom­men. Der Roman ist ein gelun­ge­nes Weih­nachts- und Win­ter­buch, vor allem aber eine gelun­gene Fort­set­zung der ers­ten bei­den Teile.

Für immer Som­merby. Kirs­ten Boie. Illus­tra­tion: Verena Kör­ting. Oetin­ger. 2021.

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