Eine Autorin rettet ihren Verlag Kjell Bohlunds „Die unbekannte Astrid Lindgren“

by Zeilenschwimmerin Ronja

Cover Die unbekannte Astrid LindgrenDa dachte ich, ich wüsste schon viel über die Frau, der ich mei­nen Namen ver­danke – doch es gibt immer wie­der Neues über Astrid Lind­gren zu erfah­ren. Und je mehr ich über sie lese, desto mehr bewun­dere ich sie. Astrid Lind­gren war „nicht nur“ die welt­be­kannte Kin­der­buch­au­torin. – Von Zei­len­schwim­me­rin Ronja

Astrid Lind­grens Lebens­ge­schichte wurde natür­lich bereits mehr­fach fest­ge­hal­ten – unter ande­rem auch ver­filmt („Astrid“, 2018). Eini­ges war mir schon bekannt und in den letz­ten Jah­ren kamen meh­rere Bücher über Astrid Lind­gren her­aus, die neue Sei­ten ihrer Per­sön­lich­keit auf­zeig­ten – dar­un­ter ihre Kriegs­ta­ge­bü­cher („Die Mensch­heit hat den Ver­stand ver­lo­ren“, 2015) und ihr Brief­wech­sel mit Louise Har­tung („Ich habe auch gelebt“, 2016). Trotz­dem war mir bis­her nicht bewusst, wie wich­tig ihre Arbeit im Ver­lag war – nicht als Autorin, son­dern als Verlegerin.

Die Ver­le­ge­rin Astrid Lindgren

Als Astrid Lind­grens ers­tes Buch („Britt-Mari erleich­tert ihr Herz“) 1944 beim schwe­di­schen Ver­lag Rabén & Sjö­gren ver­öf­fent­lich wurde, befand sich der noch sehr junge Ver­lag in gro­ßen finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten. Eine Insol­venz konnte durch einen Inves­tor gerade noch abge­wen­det wer­den. Mit der Ver­öf­fent­li­chung von „Pippi Lang­strumpf“ 1945 ging es lang­sam auf­wärts für den Ver­lag. Lind­grens Werke hat­ten einen gro­ßen Anteil am Erfolg von Rabén & Sjö­gren, zeit­weise waren sie für bis zu 40 Pro­zent der Ein­nah­men ver­ant­wort­lich. Doch ihre Bücher allein hät­ten den Ver­lag trotz­dem nicht über­dau­ern lassen.

1946 tritt Astrid Lind­gren eine Halb­tags­stelle bei Rabén & Sjö­gren an – auf Ver­mitt­lung ihrer gro­ßen Unter­stüt­ze­rin, der Stock­hol­mer Biblio­the­ka­rin Elsa Ole­nius, die eine bekannte Stimme der Kin­der­li­te­ra­tur­szene und gleich­zei­tig Bera­te­rin des Ver­lags war. Lind­gren schrieb mor­gens an ihren Büchern und war nach­mit­tags im Ver­lag. Anfangs hatte der Ver­le­ger Hans Rabén sie ver­mut­lich eher als Assis­ten­tin ein­ge­stellt, aber Lind­gren wurde bald viel­mehr seine Stell­ver­tre­te­rin – auch wenn sie den Titel nie offi­zi­ell erhielt. Obwohl sie aus finan­zi­el­ler Sicht die Anstel­lung schnell nicht mehr nötig hatte, arbei­tete sie noch bis 1970 im Ver­lag und ver­half in die­ser Zeit mit ihren Ent­schei­dun­gen nicht nur Rabén & Sjö­gren zum Erfolg, son­dern ver­än­derte die Kin­der­li­te­ra­tur und die Wahr­neh­mung von Kin­der­bü­chern in Schwe­den grundlegend.

Span­nende neue Einblicke

Kjell Bohlund, selbst eine Zeit lang Ver­le­ger bei Rabén & Sjö­gren, zeigt in die­sem Buch Astrid Lind­grens geschäfts­tüch­tige Seite. Von der Ent­ste­hungs­ge­schichte des Ver­lags, über Lind­grens Ein­tritt bis zum Ende ihrer Ver­le­ge­rin­nen­tä­tig­keit berich­tet Bohlund mit gro­ßer Wert­schät­zung, ohne dabei in über­mä­ßi­ges Lob zu ver­fal­len. Er beleuch­tet, wel­chen Ein­fluss Lind­grens Per­sön­lich­keit auf ihre Arbeit hatte, zitiert aus Brie­fen an Autor*innen (in denen sie sich immer bemühte, etwas Net­tes über das Werk zu sagen) und beschreibt die Aus­wir­kun­gen ihrer Tätig­keit. In der deut­schen Aus­gabe wur­den zudem zwei Kapi­tel ergänzt, die sich spe­zi­fisch mit ihrer Ver­bin­dung zu Deutsch­land beschäftigen.

Ange­sichts der gro­ßen Bedeu­tung von Astrid Lind­grens Ver­lags­ar­beit ist es erstaun­lich, dass dar­über bis­her schein­bar kaum pro­por­tio­nal berich­tet wurde. „Die unbe­kannte Astrid Lind­gren“ lie­fert daher span­nende neue Ein­bli­cke in ihr Leben. Eine gute Ergän­zung unter den bio­gra­fi­schen Ver­öf­fent­li­chun­gen und eine Emp­feh­lung für alle, die mehr über Astrid Lind­gren und/oder die Ent­wick­lung der schwe­di­schen (Kinderbuch-)Verlagswelt erfah­ren möchten.

Die unbe­kannte Astrid Lind­gren – Ihre Zeit als Ver­le­ge­rin. Kjell Bohlund. Über­set­zung: Nora Pröf­rock. Oetin­ger. 2021.

Hier geht es zur Rezen­sion über Lind­grens auto­bio­gra­phi­schen Band „Das ent­schwun­dene Land“.

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