Eine Abenteuergeschichte getarnt als Sachbuch

by Fabelforscher Christian

Der Titel „Ere­bus“ hat Fabel­for­scher Chris­tian sofort neu­gie­rig gemacht. Dass der Autor auch noch Sir Michael Palin heißt, Mit­glied der berühm­ten Komi­ker­truppe Monty Python, war eine Über­ra­schung zwei­fels­ohne – aber eine angenehme!

Sir Michael Palin beginnt mit sei­ner Geschichte ganz am Anfang, noch vor der tri­um­pha­len Ant­ark­tis­ex­pe­di­tion der HMS Ere­bus und auch vor ihrer ver­häng­nis­vol­len Expe­di­tion in die Ark­tis – aus­ge­sandt, um die berüch­tigte Nord­west­pas­sage vom Atlan­tik in den Pazi­fik zu fin­den und als erste zu durch­que­ren. Die Leser erfah­ren von den poli­ti­schen Umstän­den, die schließ­lich zum Bau der Ere­bus führ­ten und dass sie bereits bei ihrer Fer­tig­stel­lung nicht mehr so recht ins Kon­zept der sich neu aus­rich­ten­den Royal Navy pas­sen wollte.

Die Napo­leo­ni­schen Kriege waren been­det und für Bom­bar­den, wie die Ere­bus gab es kaum noch Ver­wen­dung. Den­noch wurde das Schiff auf seine erste Reise geschickt. Unter dem Kom­mando von Com­man­der George Haye und spä­ter Com­man­der Philip Broke wur­den knapp zwei­ein­halb Jahre Patrouil­len­dienst im Mit­tel­meer absol­viert. Kaum zurück in Eng­land schien die Dienst­zeit auch schon wie­der vor­bei zu sein und die Ere­bus wurde zur Reserve abge­stellt und auf die Reede gelegt.

Auf in den Süden

Lange Zeit sah es danach aus, dass die Ere­bus dort ihr rest­li­ches Dasein würde fris­ten müs­sen, doch ihre zwar lang­same, aber sehr robuste Kon­struk­tion und der neu erstar­kende Ent­de­cker­drang der Bri­ten bescher­ten ihr ein uner­war­te­tes Come­back. In den Augen der Admi­ra­li­tät war sie wie geschaf­fen, den wid­ri­gen Bedin­gun­gen in den Polar­mee­ren zu trot­zen. So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Ere­bus nach eini­gen Umbau­ten zusam­men mit der ähn­lich gebau­ten HMS Ter­ror als Schiff für eine Ant­ark­tis-Expe­di­tion aus­ge­wählt wurde.

Als Kom­man­dant wurde James Clark Ross benannt, der ein paar Jahre zuvor als ers­ter Mensch den magne­ti­schen Nord­pol erreicht hatte. Unter sei­ner Füh­rung gelang es den bei­den Schif­fen auf ihrer vier Jahre dau­ern­den Mis­sion wei­ter in den Süden vor­zu­drin­gen, als je eine Expe­di­tion zuvor. Ross‘ Män­ner konn­ten dabei unschätz­bare Erkennt­nisse zum Erd­ma­gne­tis­mus gewin­nen und eine ganze Reihe geo­gra­fi­scher Ent­de­ckun­gen machen. So wur­den zum Bei­spiel die bei­den nach den Schif­fen benann­ten Vul­kane Mount Ere­bus – der süd­lichste aktive Vul­kan der Erde – und Mount Ter­ror von Ross‘ Män­nern entdeckt.

Ver­häng­nis­vol­ler Norden

Auch aus­ge­löst vom Tri­umph der gro­ßen Ant­ark­tis­ex­pe­di­tion glaubte man, dass nun alles mög­lich sei – auch eine Durch­fahrt der Nord­west­pas­sage. Und wel­che Schiffe wären wohl bes­ser für ein sol­ches Unter­fan­gen geeig­net, als die Ere­bus und die Ter­ror? Kur­zer­hand wurde eine neue Expe­di­tion aus­ge­rüs­tet und in Rich­tung Nord­po­lar­meer ent­sandt. Befeh­ligt wurde die Ere­bus auf die­ser Reise, die ihre letzte wer­den sollte, von Sir John Fran­k­lin, dem „Mann, der seine Stie­fel aß“ (S. 47). Zuvor war Fran­k­lin Gou­ver­neur in Van-Die­mens-Land, dem heu­ti­gen Tas­ma­nien und hatte die Män­ner der Ross-Expe­di­tion wäh­rend des ant­ark­ti­schen Win­ters als Gäste aufgenommen.

Obwohl ich vor nicht allzu lan­ger Zeit eine Doku­men­ta­tion über die Ent­de­ckung des Wracks der Ere­bus gese­hen hatte, hat mich das Buch von Anfang an mit­ge­ris­sen. Gekonnt prä­sen­tiert Sir Michael Palin eine Flut an Daten und Fak­ten zur Ere­bus und erzeugt ganz neben­bei eine der­ar­tige Span­nung, dass man unbe­dingt wei­ter­le­sen möchte – und das in einem Sach­buch! Auch die letzte Reise der Ere­bus rekon­stru­iert er anhand der vor­lie­gen­den Fak­ten schlüs­sig und stich­hal­tig und lässt ein ein­dring­li­ches, aber rea­lis­ti­sches Bild von den letz­ten Mona­ten der Fran­k­lin-Expe­di­tion entstehen.

Ent­hal­ten sind neben meh­re­ren schwarz-wei­ßen Abbil­dun­gen und Kar­ten, die ein­zelne Rei­se­e­tap­pen nach­zeich­nen, auch einige Sei­ten mit far­bi­gen Abbil­dun­gen, unter ande­rem von Mann­schafts­mit­glie­dern, Fund­stü­cken der Fran­k­lin-Expe­di­tion und dem Wrack der Erebus.

Ere­bus. Sir Michael Palin. Aus dem Eng­li­schen von Rudolf Mast. Mare. 2019.

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