Ein Meisterwerk: Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ #mondbuch

by Erzähldetektivin Annette
Ach­tung, die­ser Text ent­hält Spoiler!

Außer­ir­di­sche Lebens­for­men, die Frage nach der Exis­tenz von Gott und die Tie­fen des Welt­alls: Erzähl­de­tek­ti­vin Annette fin­det, dass der Klas­si­ker „2001: Odys­see im Welt­raum“ ein sehens­wer­ter Sci­ence-Fic­tion-Film ist.

Stan­ley Kubricks 2 ½‑stündiger Welt­raum-Epos „2001: Odys­see im Welt­raum“ (orig.: 2001: A Space Odys­sey“; erschie­nen 1968) ist ohne Zwei­fel einer der ganz gro­ßen Klas­si­ker des Sci­ence-Fic­tion-Gen­res. Das Dreh­buch beruht lose auf der Kurz­ge­schichte „The Sen­ti­nel“ vom bri­ti­schen Autor Arthur C. Clarke, der nicht nur am Dreh­buch des Films mit­wirkte, son­dern den Stoff auch zu einem Roman (eben­falls: „2001: A Space Odys­sey“) verarbeitete.

Seit Erschei­nen gibt der Film Rät­sel auf. Vor­der­grün­dig ist die Geschichte recht schnell erzählt: Eine Gruppe von Affen stößt auf einen schwar­zen Mono­li­then, der ihre Ent­wick­lung zum Men­schen in Gang setzt. Diese geht damit ein­her, dass sie ler­nen, Werk­zeuge zu gebrau­chen. Im Jahr 1999 sind die tech­ni­schen Errun­gen­schaf­ten weit fort­ge­schrit­ten und die Men­schen haben sich ins Welt­all auf­ge­macht. Auf dem Mond sto­ßen sie auf einen wei­te­ren Mono­li­then, offen­bar Arte­fakt einer außer­ir­di­schen Lebensform.

Im Jahr 2001 schließ­lich, befin­det sich das Raum­schiff Dis­co­very One auf dem Weg zum Jupi­ter, wo wei­tere Unter­su­chun­gen bezüg­lich des Arte­fak­tes vor­ge­nom­men wer­den sol­len. Nur Bord­com­pu­ter HAL kennt das Ziel der Mis­sion und ver­steht ihre Bedeu­tung. Als die Crew ihn aus­schal­ten möchte, tötet er sämt­li­che Besat­zungs­mit­glie­der. Ledig­lich Dave Bow­man kann sich ret­ten und es gelingt ihm, den Com­pu­ter abzuschalten.

Auch Dave stößt schließ­lich auf einen Mono­li­then und wird von die­sem auf eine Reise durch das Uni­ver­sum geschickt. Für gut zehn Film­mi­nu­ten fliegt er durch ein bun­tes Far­ben­meer, das sich mit Nah­auf­nah­men sei­nes Auges abwech­selt. Schließ­lich lan­det er in einem ste­ri­len Raum, wo er sich selbst beim Altern zuse­hen kann, bis er sich zu einem Fötus in einer schwe­ben­den Frucht­blase wan­delt. In der letz­ten Szene sieht man die­ses Ster­nen­kind auf die Erde zu schweben.

Kubrick: Deu­tungs­ho­heit liegt ganz beim Zuschauer

Kubrick selbst hat sich einer Inter­pre­ta­tion des Films stets ent­hal­ten. Lie­ber sollte der Zuschauer selbst dem Film für sich einen Sinn geben. Clarke beschreibt die Mys­te­rien des Uni­ver­sums als Haupt­thema – Kräfte und Mächte, die der mensch­li­che Ver­stand nicht erfas­sen und schon gar nicht defi­nie­ren kann. In sei­nem Roman wird er expli­zi­ter und beschreibt den Mono­li­then als Werk­zeug einer außer­ir­di­schen Rasse, die selbst bereits sämt­li­che Stu­fen der Evo­lu­tion durch­lau­fen hat und nun eine Stufe purer Ener­gie erreicht hat.

Sie rei­sen durch das gesamte Uni­ver­sum und hel­fen weni­ger ent­wi­ckel­ten Arten, eben­diese evo­lu­tio­nä­ren Schritte zu machen. In die­sem Sinne stößt der Mono­lith die Ent­wick­lung der Affen zum Men­schen an. Diese zeich­net sich vor allem durch den Gebrauch von Werk­zeu­gen aus. Auf dem Gip­fel sei­ner (tech­no­lo­gi­schen) Evo­lu­tion ver­lässt der Mensch die Erde, um das Welt­all zu erfor­schen. Auf die­sem neuen Ter­rain ist der Mensch sehr von sei­nen Werk­zeu­gen (hier in Form des Com­pu­ters HAL) abhän­gig – zu sehr, sodass er letzt­end­lich sogar von die­sen getö­tet wird.

Der Mono­lith auf dem Mond und auch der­je­nige, auf den Dave spä­ter stößt, sind Pos­ten der Außer­ir­di­schen, die den Fort­schritt der Mensch­heit über­wa­chen sol­len. Im letz­ten Teil brin­gen sie die mensch­li­che Evo­lu­tion an Dave zum Abschluss, indem sie die­sem sämt­li­ches Wis­sen des Uni­ver­sums zu Teil wer­den las­sen. Er lernt und begreift Dinge, von deren Exis­tenz der Mensch andern­falls nie­mals etwas gewusst hätte. Ange­deu­tet wird die­ser Ent­wick­lungs­pro­zess durch Daves Altern. Im letz­ten Schritt muss der Mensch (Dave) sich nun von sei­nem Kör­per tren­nen und somit den eige­nen (kör­per­li­chen) Tod über­win­den. Als Ster­nen­kind wird er nun zur Erde geschickt, um dem Rest der Mensch­heit auf diese letzte Stufe zu ver­hel­fen. 2001 zeich­net die Ent­wick­lungs­ge­schichte des Men­schen nach und zeigt, was nach Kubricks Mei­nung der nächste Schritt sein wird.

Mög­li­che Inter­pre­ta­tion: Der Mensch braucht kei­nen Gott mehr

Eine mög­li­che Inter­pre­ta­tion, der auch Kubrick zustimmt, ist die Suche nach Gott. Sein Film wolle nicht weni­ger als eine „wis­sen­schaft­li­che Defi­ni­tion von Gott“ geben. Dabei hat er jedoch kei­nen meta­mor­phen und erst recht kei­nen bibli­schen Gott im Sinn. Viel­mehr geht er davon aus, dass es bei der rie­si­gen Anzahl an Pla­ne­ten und Son­nen­sys­te­men im Uni­ver­sum sehr wahr­schein­lich ist, dass es nicht nur andere Pla­ne­ten mit intel­li­gen­tem Leben geben muss, son­dern viele die­ser Lebens­for­men viel älter sind als die Mensch­heit und damit sehr wahr­schein­lich auf einer höhe­ren Ent­wick­lungs­stufe ste­hen als wir.

„Wenn man sich vor Augen hält, wel­che gigan­ti­schen tech­no­lo­gi­schen Durch­brü­che der Mensch in ein paar Mil­lio­nen Jah­ren erlangt hat – wel­che evo­lu­tio­nä­ren Ent­wick­lun­gen müs­sen wesent­lich ältere Lebens­for­men dann durch­lau­fen haben? Sie haben sich viel­leicht von ihrem Dasein als bio­lo­gi­sche Spe­zies, die im Bes­ten Fall fra­gile Hül­len für den Geist dar­stel­len, in unsterb­li­che Enti­tä­ten purer Ener­gie ent­wi­ckelt. Ihre Mög­lich­kei­ten wären unbe­grenzt und ihre Intel­li­genz unfass­bar für den mensch­li­chen Verstand.“

Dass wir die Außer­ir­di­schen nie­mals sehen, ist dabei ganz bewusst so gewollt. Nach Kubricks Idee sind sie ein­fach zu weit ent­wi­ckelt, als dass sie eine Form hät­ten, die wir Men­schen uns vor­stel­len kön­nen. Statt­des­sen kom­mu­ni­zie­ren sie mit uns durch den Mono­li­then. Als Dave in sei­ner letz­ten Szene den Arm zu eben die­sem Mono­li­then hebt, ist dies ver­gleich­bar mit Michel­an­ge­los Adam, der seine Hand nach Gott aus­streckt. Der hoch­ent­wi­ckelte Mensch braucht kei­nen Gott mehr, denn die ein­zige „Macht“ ist Wissen.

Übri­gens: Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker glau­ben, Kubrick sei das Mas­ter­mind hin­ter der gestell­ten Mond­lan­dung nur wenige Monate nach Erschei­nen sei­nes Fil­mes. Einen inter­es­san­ten Essay hierzu fin­det man zum Bei­spiel hier: http://​rea​li​ty​sand​wich​.com/​2​3​2​2​6​/​k​u​b​r​i​c​k​_​a​p​o​l​lo/.

Fazit: Ein genia­ler Film – über­zeugt euch selbst

Kubricks Film ist es defi­ni­tiv wert, gese­hen zu wer­den. Sicher, leicht ver­ständ­lich ist er nicht. Aber lässt man sich auf die Erzäh­lung ein, wird man mit einer immensen Fülle an Ideen und Gedan­ken belohnt, die den eige­nen geis­ti­gen Hori­zont erwei­tern. Das kön­nen gewiss nicht viele Sci­ence-Fic­tion-Filme von sich behaup­ten. Und wem Kubricks Inter­pre­ta­tion des Stof­fes doch zu abs­trakt ist, der kann sich selbst einen Gefal­len tun und statt­des­sen (oder zumin­dest vor­her) zu Clar­kes Roman grei­fen. Bereuen wird man es auf kei­nen Fall.

2001: Odys­see im Welt­raum. Regie: Stan­ley Kubrick. Schau­spie­ler u.a.: Keir Dul­lea, Gary Lock­wood, Wil­liam Syl­ves­ter. War­ner Bros. USA , Groß­bri­tan­nien. 1968. Bil­der: War­ner Bros.

Ein Bei­trag zur The­men­wo­che #mond­buch. Hier fin­det ihr alle Bei­träge. // Die­ser Text ist zuerst in der 19. BK-Aus­gabe erschie­nen. In die­ser wid­me­ten wir uns bereits The­men rund um Sci­ence-Fic­tion und Welt­all. Ihr fin­det die Aus­gabe in unse­rem Archiv, wo ihr sie ein­se­hen und kos­ten­los down­loa­den könnt.

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