Dreimal großes Hörerlebnis

by Zeichensetzerin Alexa

Zei­chen­set­ze­rin Alexa hat in der letz­ten Zeit einige Hör­bü­cher und Hör­spiele gehört, die sie sehr begeis­tert haben, dar­un­ter „Der Yark“, „Faus­tin­chen“ und „Bär im Boot“ – drei Hör­me­dien für Kin­der ab 10 Jah­ren, die auch Erwach­se­nen Freude berei­ten kön­nen, drei­mal gro­ßes Kopfkino.

„Bär im Boot“

Dave Shel­tons „Bär im Boot“ wird gele­sen von Rufus Beck – und das, wie von ihm gewohnt, sehr über­zeu­gend. Zwar wir­ken die Stim­men, die er den bei­den Prot­ago­nis­ten ver­leiht, ste­reo­ty­pi­siert (der Bär hat eine brum­mige, tiefe Stimme, der Junge eine kind­lich helle), es macht aber den­noch Spaß, der Lesung zu lauschen.

Die Geschichte beginnt abrupt: Ein Junge steigt zu einem Bären ins Boot, um eine Reise anzu­tre­ten. Der Bär ist der Kapi­tän und er weiß ganz genau, wo es lang­geht – behaup­tet er zumin­dest. Aber es ver­ge­hen Tage auf See, ohne dass auch nur das geringste Anzei­chen von Leben sicht­bar wird. Ihre Reise ist jeden­falls sehr aben­teu­er­lich: Sie begeg­nen einem See­unge­heuer, erlei­den mehr­mals Schiff­bruch, haben bald kein Pro­vi­ant mehr … Wohin der Weg sie auch füh­ren mag – gibt es über­haupt ein Ziel? –, was sie erle­ben, ist urko­misch. Eine auf­re­gende Geschichte mit viel Witz!

„Faus­tin­chen“

Mit „Faus­tin­chen“ ist es Thilo Riffert, dem Hör­spiel­be­ar­bei­ter, gelun­gen, ein span­nen­des Hör­spiel für Kin­der frei nach Goe­thes „Faust“ zu gestal­ten. Hier tref­fen Ori­gi­nal und Neu­in­ter­pre­ta­tion auf­ein­an­der und ver­mi­schen sich so geschickt, dass es Spaß macht, bereits Bekann­tes und Neues in der Geschichte zu ent­de­cken. Natür­lich wird allein schon des­halb alles etwas anders, weil Johanna, Fausts Toch­ter, durch ihren Auf­tritt die Geschichte ver­än­dert. Sie ist taff und frech und lässt sich nicht so leicht von Mephisto beeindrucken.

Das Hör­spiel bie­tet nicht nur eine inter­es­sante Geschichte, son­dern auch dank der groß­ar­ti­gen Stim­men von Lou Till­manns (Johanna) und Chris­tian Kuchen­buch (Faust), pas­send aus­ge­wähl­ter Musik und atmo­sphä­ri­schen Klän­gen und Geräu­schen ein abwechs­lungs­rei­ches Hör­erleb­nis. Span­nend ist dar­über hin­aus die Meta­ebene, die immer mal wie­der ein­ge­streut wird: Die Zuhö­rin­nen und Zuhö­rer wer­den mit ins Hör­spiel­stu­dio genom­men, in dem eben­die­ses Hör­spiel pro­du­ziert wird. „Faus­tin­chen“ ist ins­ge­samt ein ange­neh­mes, schö­nes Hör­spiel, das auch nach mehr­ma­li­gem Hören nicht lang­wei­lig wird. Für den Deut­schen Hör­buch­preis 2019 war es in der Kate­go­rie „Bes­tes Kin­der­hör­buch“ nominiert.

„Der Yark“

„Unter allen Mons­tern, die sich auf der Erde tum­meln, ist der Mensch das ver­brei­tetste. Aber da ist noch eine andere, sel­te­nere und weni­ger bekannte Art. Das ist der Yark.“ Der Yark ver­speist gerne Kin­der, am liebs­ten die bra­ven, gut­her­zi­gen, denn die schme­cken ihm am bes­ten. Von den fre­chen, bösen Kin­dern bekommt er Bauch­weh. Das hört sich im ers­ten Moment grau­sam und furcht­bar an und ist es tat­säch­lich auch zum Teil.

Manch­mal ist das Böse und Grau­same prä­sen­ter als die Komik dahin­ter, meis­tens aber über­wiegt der Humor. Dann bei­spiels­weise, wenn die kleine Char­lotte sich unglaub­lich dar­über freut, dass der Yark end­lich zu ihr gekom­men ist – denn nun hat sie einen guten Grund, unar­tig zu sein, Schimpf­wör­ter aus­zu­spre­chen, ihr Zim­mer zu ver­wüs­ten, ohne dass ihre Eltern sie dafür bestra­fen, weil sie all das natür­lich nur zu ihrem Schutz tut.

Für die Hör­buch­ver­sion hätte man keine bes­sere und pas­sen­dere Stimme als die von Mecht­hild Groß­mann fin­den kön­nen. Mit ihrer dunk­len, rau­chi­gen Stimme ver­setzt sie die Geschichte um das kin­der­fres­sende Mons­ter in eine schau­rig-düs­tere Atmo­sphäre, die für Gän­se­haut und Gru­sel sorgt. Damit ist die Geschichte ein­deu­tig der Schau­er­li­te­ra­tur zuzu­ord­nen und nicht unbe­dingt für alle Kin­der ab 10 Jah­ren geeig­net; hier kommt es dar­auf an, wie viel Gru­sel sie ver­tra­gen können.

  • Bär im Boot. Autor: Dave Shel­ton. Spre­cher: Rufus Beck. Über­set­zer: Ingo Herzke. Sil­ber­fisch. 2013.
  • Faus­tin­chen: Hör­spiel für Kin­der frei nach Goe­thes „Faust“. Autor: Thilo Ref­fert / Johann Wolf­gang von Goe­the. Regis­seur: Robert Schoen. Spre­cher: Lou Till­manns, Chris­tian Kuchen­buch, Ernst Kona­rek. der Hör­ver­lag. 2018.
  • Der Yark. Autor: Bert­rand San­tini. Illus­tra­tor: Lau­rent Gapail­lard. Kom­po­nist: Gerd Bess­ler. Diri­gent: Dirk Kauf­fels. Spre­che­rin: Mecht­hild Groß­mann. Über­set­zer: Edmund Jacoby. Argon Sauer­län­der Audio. 2015.

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