Dracula, Dracula! (Teil II)

by Geschichtenzeichnerin Celina

Blut sau­gen, durch einen Pflock ster­ben und in den Hals jun­ger Frauen bei­ßen – schon anhand die­ser weni­gen Merk­male weiß jeder, worum es sich han­delt: Vam­pire, ins­be­son­dere Dra­cula. Nach­dem sich Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina im ers­ten Teil mit Bram Sto­kers Roman „Dra­cula“ und der Ver­fil­mung „Bram Stoker’s Dra­cula“ aus­ein­an­der­ge­setzt hat, wid­met sie sich im zwei­ten Teil der Comi­c­ad­ap­tion und Parodie.

Der Vam­pir der Vam­pire in neuem Design

Viel­fach gibt es erst einen Comic und dazu eine Ver­fil­mung. Beim Comic „Bram Stoker´s Dra­cula“, wel­cher sich am gleich­na­mi­gen Film und vor allem an dem Dreh­buch von James V. Hart ori­en­tiert, ist es genau ande­res herum. Die Blei­stift­zeich­nun­gen wur­den von Mike Mignola (Hell­boy Kom­pen­dium 1 und 2) ange­fer­tigt. Wie bei eigent­lich allen Wer­ken, an denen Mignola mit­wirkt, ist auch die­ser Comic düs­ter gehal­ten und wirkt sogar noch fins­te­rer als der Film selbst. Auf Grund der Ori­en­tie­rung an der Ver­fil­mung sind die Figu­ren und Schau­plätze sehr geprägt von die­ser, was sich unter ande­rem durch ähn­li­che Fri­su­ren und Kos­tüme bemerk­bar macht. Den­noch sind ein­zelne Schau­spie­ler nicht genau wiederzuerkennen.

Ein­zi­ges klei­nes Manko ist, dass im Film teil­weise Ver­wir­rung ent­steht. Bei­spiels­weise, wenn auf einer Seite der Graf noch als Wolf zu sehen ist, wäh­rend er Lucy atta­ckiert, und nur wenige Panels wei­ter in einer gerade vom Schiff ent­la­de­nen Kiste ruht. Auf­fäl­lig ist im Ver­gleich auch, dass die Dia­loge und Sze­nen gekürzt und ent­spre­chend für den Comic adap­tiert wurden.

Im Comic wer­den mar­kante Kon­traste geschaf­fen durch schwarze, teils flä­chige Schat­tie­run­gen. Es wer­den Details, wie zum Bei­spiel star­rende Augen, somit her­vor­ge­ho­ben. In Abgren­zung zum Film ist es im Comic gege­ben, auch mal inne­hal­ten zu kön­nen. Es ist mög­lich zu ver­wei­len und Bil­der genauer zu betrach­ten. Zusätz­lich wer­den Details aus Sze­nen in Ein­zel­pa­nels abge­bil­det, die somit genauer in Augen­schein genom­men wer­den kön­nen. Es gibt immer wie­der einen Wech­sel an Bild­per­spek­ti­ven und ‑aus­schnit­ten. Auf der letz­ten Seite spricht Van Hel­sing. Diese Abschluss­worte erschei­nen nicht in der Ver­fil­mung, aber sind ori­gi­nal dem Buch entnommen.

Übri­gens gibt es noch wei­tere gezeich­nete Adap­tio­nen, in denen Dra­cula erscheint, die sich aller­dings nicht mehr direkt auf Bram Sto­kers Dra­cula beziehen:

  • Manga- und Anime-Serie: Hell­sing, Manga-Serie aus dem Jahr 1997, zu der es 2003 (in Deutsch­land) eine gleich­na­mige Anime-Serie (Stu­dio Gonzo) zu sehen gab. Dra­cula heißt hier Alu­card (Ananym: Dra­cula rück­wärts geschrie­ben). Von 2005 bis 2012 wurde der Anime in Japan erneut, düs­te­rer und näher am ori­gi­nal Manga umge­setzt, als Ori­gi­nal Video Ani­ma­tion unter dem Titel „Hell­sing Ultimate“.
  • Par­odie: Graf Duckula (Zei­chen­trick­se­rie 1988–1993)
  • DC-Ani­ma­ti­ons­film: Bat­man vs. Dra­cula (2005)

Eine Par­odie der blut­saugen­den Legende

1995 erschien die Par­odie „Dra­cula – Tot aber glück­lich“ zum Film „Bram Stoker’s Dra­cula“ unter der Regie von Mel Brooks und Les­lie Niel­sen in der Haupt­rolle als Dra­cula. Aller­hand wurde iro­nisch auf­ge­grif­fen, ergänzt und in ande­ren Kon­text gestellt. Selbst das berühmte Schat­ten­spiel wurde so kari­kiert, dass der Schat­ten mehr Eigen­le­ben hat.
Zu Anfang der Geschichte ist zu sehen, wie Tho­mas Ren­field, gespielt von Peter Mac­Ni­col (Ghost­bus­ters II), als Vor­gän­ger von Jona­than, zum Schloss-Dra­cula kommt. Es han­delt sich um eine Vor­ge­schichte, die im Film von 1992 ange­spro­chen, aber nicht fil­misch umge­setzt wird. Dies greift nun die Par­odie auf.
Humor­voll gestal­tet sich der Film und legt Wert auf – typisch für Filme mit Niel­son – sexu­elle Anspie­lun­gen, toll­pat­schige Hand­lun­gen sowie über­spitzte Dar­stel­lun­gen. Mel Brooks, der so gut wie in allen sei­nen Fil­men selbst mit­spielt, über­nahm hier die Rolle des Prof. Abra­ham Van Helsing.

Dra­cula ist und bleibt eine fas­zi­nie­rende Figur

Seit Bram Sto­kers Roman bis in die Gegen­wart hat Dra­cula Bestand und regt immer wie­der zur Inspi­ra­tion von neuen Wer­ken an. Erst 2014 erschien ein neuer Film, „Dra­cula Untold“, in wel­chem Dra­cula der Prot­ago­nist ist. Aller­dings gibt es auch hier nur noch Anspie­lun­gen auf den eins­ti­gen Roman. Mal davon abge­se­hen, dass Dra­cula auch in sei­ner Dar­stel­lung wie­der ganz ande­res aus­fällt. Er erscheint noch mensch­li­cher, obgleich der Film action­ge­la­den ist. Ebenso hat es Dra­cula 2016 als Musi­cal in die Leip­zi­ger Oper geschafft. Sicher­lich wird es noch wei­tere Werke und Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen geben. Aller­dings kann man schon jetzt in die bereits vor­han­de­nen Werke ein­tau­chen und sich von Dra­cula immer wie­der auf neue ver­füh­ren lassen.

Zum Weiterlesen/Weiterschauen:

  • Roman: Dra­cula, Bram Sto­ker, Erst­ver­öf­fent­li­chung 1897.
  • Filme: Bram Stoker’s Dra­cula, Regie: Fran­cis Ford Cop­pola, Dreh­buch: James V. Hart, nach dem Roman „Dra­cula“ von Bram Sto­ker, Kamera: Michael Ball­haus, Schnitt: Anne Gours­aud, Glen Scant­le­bury und Nicho­las C. Smith, Musik: Wojciech Kilar, Dar­stel­ler: Gary Old­man, Winona Ryder, Keanu Ree­ves, Anthony Hop­kins, Richard E. Grant, Cary Elwes, Tom Waits, Sadie Frost, Bill Camp­bell, Monica Bel­lucci, 1992, Colum­bia Pictures.
  • Dra­cula – Tot aber glück­lich, Regie: Mel Brooks, Dreh­buch: Rudy De Luca, Steve Haber­man, Kamera: Michael D. O’Shea, Schnitt: Adam Weiss Musik: Hum­mie Mann, Dar­stel­ler: Les­lie Niel­sen, Peter Mac­Ni­col, Mel Brooks, Amy Yas­beck, Ste­ven Weber, 1995.
  • Comic: Bram Stoker´s Dra­cula, Sze­na­rio: Roy Tho­mas, Blei­stift­zeich­nun­gen: Mike Mignola, Tusche­zeich­nun­gen: John Nyberg, Über­set­zung: Karl­heinz Bor­chert und Georg F.W. Tem­pel, 1993, Ehapa.

Ein Fund aus der Todes­stadt.

Illus­tra­tio­nen: Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina

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