Die Erdbeeren schaukeln im Wind

Erdbeeren
Il­lus­tra­ti­on © Aa­ron

Die Erd­bee­ren schau­keln im Wind

von Sil­via

„Der Mai ist mein Lieb­lings­mo­nat“,
sagst du und nippst vor­sich­tig an dei­nem Tee.
„Und nicht nur, weil ich da Ge­burts­tag habe.“
„War­um dann?“, will ich wis­sen
und kann mir zu­min­dest in­ner­lich
das Schmun­zeln nicht ver­knei­fen;
dein Geburtstags-Argument höre ich doch im­mer wie­der ger­ne.

Ich be­ob­ach­te dich
wie du zu­erst in die Tas­se
und dann aus dem Fens­ter starrst,
nach­denkst,
aber nicht zu lan­ge.
„Es wird wär­mer,
die Tage wer­den län­ger,
die Näch­te kür­zer“,
zählst du auf.
Dann wirst du ei­nen Mo­ment lang nach­denk­lich,
ver­lierst dich in dei­nen Ge­dan­ken.
Dein Blick schweift ab,
ir­gend­wo­hin,
in die Fer­ne.
Wun­der­schön siehst du in dem Mo­ment aus.
Wun­der­schön mit ei­nem Hauch von fi­li­gran.
Bei­na­he krie­ge ich eine Gän­se­haut.
Doch dann hast du dich schon wie­der ge­fan­gen
und der Au­gen­blick ist vor­bei
noch ehe er be­gon­nen hat.

„Die Erd­bee­ren schau­keln im Wind...“,
fügst du ge­dan­ken­ver­lo­ren hin­zu,
ganz lei­se,
ein Flüs­tern, ein Wis­pern, ein Säu­seln.
Wie ge­bannt blei­be ich hän­gen
an dei­nen Lip­pen,
dei­nen Au­gen.
Ich sehe dich wei­ter­re­den,
doch höre nichts;
nur die­sen ei­nen Satz,
im­mer wie­der.
„Die Erd­bee­ren schau­keln im Wind...“
So schlicht und ein­fach
und doch et­was vom Schöns­ten, das ich je ge­hört habe.

Auf ein­mal über­kommt mich ein Ge­fühl,
als ob ich dich hier und jetzt,
in die­sem Au­gen­blick,
zum ers­ten Mal rich­tig se­hen wür­de,
als ob ich zum ers­ten Mal rich­tig hin­se­hen wür­de,
als ob ich di­rekt in dei­ne See­le bli­cken könn­te.
So kit­schig das viel­leicht in dei­nen Oh­ren auch klingt.
Ich blei­be da­bei.
Wun­der­schön
und fi­li­gran.
Es gibt kei­nen Men­schen, mit dem ich jetzt lie­ber hier wäre.

Ich wünsch­te, ich könn­te es mit dir tei­len,
ich wünsch­te, ich könn­te es aus­drü­cken,
ich wünsch­te, du könn­test es auch spü­ren.
Wie viel ein ein­zel­ner Satz,
ein ein­zel­nes Wort,
ja so­gar ein ein­zi­ger Blick
doch aus­ma­chen kann.
„Die Erd­bee­ren schau­keln im Wind...“

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