Die dunkle Seite einer beschaulichen Landschaft

by Bücherstädterin Rosi

Die Eifel ist mit ihren klei­nen schmu­cken und beschau­li­chen Dör­fern und Städt­chen eine ruhige und roman­ti­sche Gegend. Doch auch die Eifel hat ihre dunk­len Sei­ten. Buch­schatz­meis­te­rin Rosi begibt sich in ihrer alten Hei­mat auf die Spur des Verbrechens.

Der Kunst­samm­ler Dr. Fer­di­nand Böker wird in sei­ner herr­schaft­li­chen Eifel­villa auf bes­tia­li­sche Weise ermor­det. Auf­grund bestimm­ter Tat­um­stände glaubt die Poli­zei an einen Ritu­al­mör­der mit Affi­ni­tät zum Brauch­tum anti­ker latein­ame­ri­ka­ni­scher Kulturen.

Monate nach dem grau­si­gen Ver­bre­chen will Bökers Toch­ter Sophie die Kunst­samm­lung ihres Vaters in ihrem Kunst- und Anti­qui­tä­ten­la­den ver­kau­fen. Sie beauf­tragt den Rei­se­schrift­stel­ler und Hob­by­ar­chäo­lo­gen Roger Peters mit der Archi­vie­rung und Schät­zung der Samm­lung. Die­ser wird schon bald in dunkle Machen­schaf­ten im Umfeld sei­ner Auf­trag­ge­be­rin ver­strickt, die in wei­te­ren Mor­den und dem Ver­schwin­den Sophies gip­feln. Kann Roger Peters den Ritu­al­mör­der auf­spü­ren und den Fall lösen?

Eifel-Krimi vs. Eifel-Krimi

Der Titel von Peter Splitts Krimi „Eifel-Wahn“ erin­nerte mich spon­tan an die Eifel-Kri­mis von Jac­ques Bern­dorf, die im Titel genauso auf­ge­macht sind. Also war ich neu­gie­rig, ob der Eifel-Wahn ebenso span­nend und authen­tisch sein würde.

Peter Splitts Kri­mi­nal­ro­man ist in einen Pro­log, 42 Kapi­tel und einen Epi­log ein­ge­teilt. Zu Beginn eines jeden Kapi­tels wer­den Ort, Datum und Uhr­zeit des Gesche­hens genannt. Dies soll ver­mut­lich sowohl Span­nung erzeu­gen als auch Authen­ti­zi­tät ver­mit­teln. Im Ver­gleich mit den Bern­dorf-Kri­mis gelingt dies jedoch nicht beson­ders gut. Viel­mehr hät­ten detail­rei­chere Beschrei­bun­gen von Orten und Stra­ßen, wie sie bei Bern­dorf zu fin­den sind, die­sen Ein­druck erwe­cken können.

Auch die han­deln­den Per­so­nen blei­ben ober­fläch­lich und eher seicht. Von Sophie sind mir bei­spiels­weise nur eine Beschrei­bung der Farbe Grün und ihre Stö­ckel­schuhe im Gedächt­nis hän­gen geblie­ben, nicht aber der wahre Typ Mensch, nicht ihr Wesen, ihr Cha­rak­ter. Die Kom­mis­sare, die den Fall bear­bei­ten, sind keine cha­rak­ter­vol­len Typen wie der pen­sio­nierte Kri­mi­na­list Roden­stock, der in Bern­dorfs Eifel-Kri­mis an der Lösung der Ver­bre­chen mit­ar­bei­tet. Sie spie­len eine eher unter­ge­ord­nete Rolle. Und Sophies Ver­lob­ter bleibt zunächst rät­sel­haft und unschein­bar, genauso wie die Haus­häl­te­rin Mar­lies. Erst am Ende der Hand­lung haben die bei­den ihren gro­ßen Auftritt.

Selbst die Haupt­fi­gur des Romans, Roger Peters, hin­ter­lässt kei­nen blei­ben­den Ein­druck. Als Prot­ago­nist sollte er über beson­dere Cha­rak­ter­züge ver­fü­gen, die in wei­te­ren Kri­mis der Serie – bewor­ben wird im Buch der „Eifel-Pakt“ und es sind noch wei­tere Eifel-Kri­mis erschie­nen – wie­der zum Tra­gen kom­men und ihn zu einem Mar­ken­zei­chen machen. Statt­des­sen wirkt er seicht und 08/15.

Mit einer Prise Sex ver­sucht Peter Splitt dem Krimi eine ero­ti­sche Note zu ver­lei­hen. Sophie erin­nert sich an ihre Jugend in der herr­schaft­li­chen Eifel­villa ihres Vaters, wie sie dort den Sohn eines Ange­stell­ten ver­führte. Hier mutet die Hand­lung eher wie ein Gro­schen­ro­man an, wie die ero­ti­sche Fan­ta­sie eines puber­tie­ren­den Jugend­li­chen. Laut Klap­pen­text soll „die ero­ti­sche Aus­strah­lung“ Sophies Roger „immer mehr in den Bann“ zie­hen. Auch diese Ero­tik wirkt platt und wenig nachvollziehbar.

Die Hand­lung des Romans plät­schert auf 283 Sei­ten vor sich hin. Wenig liest sich wirk­lich spek­ta­ku­lär und span­nend. Trotz­dem hat das Buch auch seine star­ken Par­tien wie den Pro­log, wo die bes­tia­li­sche Ermor­dung des Kunst­samm­lers Böker sehr ein­drucks­voll erzählt wird.

Grau­si­ges Ver­bre­chen seicht verpackt

Mein Fazit zu die­sem Kri­mi­nal­ro­man fällt inso­fern ver­hal­ten aus. Als ein gro­ßer Fan von guten und intel­li­gen­ten Kri­mis erhoffte ich die span­nende Geschichte eines Ver­bre­chens und des­sen Auf­klä­rung, gespickt mit Lokal­ko­lo­rit. Peter Splitt bie­tet die gute Idee eines spek­ta­ku­lä­ren Ver­bre­chens, des­sen Hand­lung und Auf­klä­rung aller­dings sind lang­at­mig und teil­weise nicht ein­deu­tig nach­voll­zieh­bar. Die Prot­ago­nis­ten blei­ben zu seicht und wenig tief­grün­dig. Schade. Wer jedoch ent­spannt einer nicht allzu kom­pli­zier­ten Kri­mi­nal­ge­schichte fol­gen will, wird am „Eifel-Wahn“ den­noch seine Freude finden.

Eifel-Wahn. Peter Splitt. Aca­bus-Ver­lag. 2017.

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