Die Dekonstruktion der Instagram-Influencer*innen „The Shallows“

by Geschichtenerzähler Adrian

Cover The ShallowsIm Film „The Shal­lows“ (2016) von Regis­seur Jaume Col­let-Serra dringt die junge Nancy Adams beim Sur­fen unab­sicht­lich in das Ter­ri­to­rium eines sehr aggres­si­ven Hais ein. Geschich­ten­er­zäh­ler Adrian fin­det vor allem inter­es­sant, wie sich die bild­li­che Ästhe­tik über den Film hin verändert.

Nancy Adams (Blake Liv­ley) ist auf der Suche nach einem abge­le­ge­nen Strand in Mexiko, an dem bereits ihre Mut­ter vor ihrem Tod sur­fen gegan­gen ist. Sie wird fün­dig und stürzt sich, ohne zu zögern, in das azur­blaue Was­ser. Hier macht sie die Bekannt­schaft mit zwei mexi­ka­ni­schen Sur­fern. Als diese, auf­grund des bal­di­gen Son­nen­un­ter­gangs, ihre Sachen packen, will Nancy noch eine letzte Welle rei­ten. Hier­bei stößt sie auf den Kada­ver eines Buckel­wals und muss fest­stel­len, dass dies die Beute eines Wei­ßen Hais ist, der Nancy eben­falls als Beute aus­er­wählt. Nach­dem der Hai sie von ihrem Surf­brett gewor­fen und ihr eine tiefe Biss­wunde zuge­fügt hat, kann Nancy sich auf einen Fel­sen ret­ten, sitzt nun jedoch in der Falle. Blu­tend und ver­zwei­felt beginnt die junge Frau einen Überlebenskampf.

Perfekte Welt?

Anfangs zeigt der Film traum­hafte Bil­der: licht­durch­flu­te­ter Dschun­gel, azur­blaues Meer, unbe­rührte Natur an einem abge­le­ge­nen Strand. Die Kamera prä­sen­tiert den Zuschau­en­den eine schein­bar per­fekte Welt. Sie macht auch vor der Figur der Nancy nicht Halt: lange Auf­nah­men von ihr am Strand mit wehen­dem Haar im war­men Son­nen­licht. Als sie sich zum Sur­fen umzieht, ist die Kamera ganz nah dran, zeigt viel nackte Haut und insze­niert sie wie ein Model aus irgend­ei­ner Reise- oder Softdrink-Werbung.

Jedoch men­schelt es dahin­ter schon etwas, denn Nancy scheint doch nicht so per­fekt zu sein, wie die Kamera uns weis­ma­chen will. Sie lei­det unter dem Tod ihrer Mut­ter, zieht sich zurück und über­wirft sich mit ihrem Vater.

Der Bruch

Mit dem Fund des Wal­ka­da­vers kippt die Stim­mung des Films. Plötz­lich ver­schwimmt das Bild einer Wer­be­ku­lisse und zurück bleibt die rohe Natur. Auch die Licht­stim­mung ist nun eine andere. War der Strand vor­her noch in ange­neh­mes Son­nen­licht getaucht, das das Meer zum Glit­zern brachte, zie­hen nun dunkle Wol­ken auf. Alles ist düs­ter und irgend­wie ungemütlich.

Das Auf­tau­chen des Hais zer­stört die schein­bar per­fekte Welt nun end­gül­tig, schüt­telt Nancy durch, schleu­dert sie in die Luft und lässt sie gebro­chen zurück. Der Fokus der Kamera liegt nun mehr auf der Bedro­hung, sei es durch den Hai oder die zahl­rei­chen Wun­den und Bles­su­ren, die sich Nancy bei ihren Flucht- und Über­le­bens­ver­su­chen zuzieht.

Eine andere Sicht auf die Dinge

Nimmt man „The Shal­lows“ so wie man ihn sieht, ist es eher ein mit­tel­mä­ßi­ger Film. Ein klas­si­sches Sur­vi­val-Kam­mer­spiel Mensch gegen Natur, das sich teil­weise etwas zu sehr zieht. Eben­falls ist die Dar­stel­lung des Hais in vie­ler­lei Hin­sicht zu extrem und unrea­lis­tisch, denn auch wenn Haie recht aggres­siv sein kön­nen, sie zer­bei­ßen nicht das Metall einer Boje, nur um an ihre Nah­rung zu kom­men. Das Kli­schee des Hais als unbarm­her­zi­gen, unauf­halt­sa­men Räu­bers ist maß­los übertrieben.

Gewollt oder unge­wollt bie­tet der Film jedoch in sei­ner Inter­pre­ta­tion eine Dekon­struk­tion der Social-Media-Welt – allem voran der Bil­der-App „Insta­gram“ – die mit ihren Urlaubs­bil­dern und Traum­kör­pern eine heile und gar per­fekte Welt vor­gau­keln wol­len, wäh­rend im Hin­ter­grund ein Mar­ke­ting­ap­pa­rat mit Pro­duct­pla­ce­ments im Bereich Mode, Fit­ness und Ideo­lo­gien das große Geld macht.

Wenn schon gegen einige Social-Media-Betreiber*innen geklagt wird, weil die Flut an Influencer*innen ganze Ort­schaf­ten unbe­wohn­bar macht und junge Men­schen durch uner­reich­bare Schön­heits­ideale in die Depres­sion gestürzt wer­den, ist jeder kri­ti­sche Blick auf diese Fir­men angebracht.

The Shal­lows. Regis­seur: Jaume Col­let-Serra. Dreh­buch: Anthony Jas­win­ski. u.a. Mit: Blake Liv­ley, Óscar Jaenada u.a. Colum­bia Pic­tures. 2016.

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