„Der wundersame Weg“: Unterwegs im Wald

by Worteweberin Annika

Ein Weg durch den Wald: Hier leben ein Fuchs, eine Hirsch­fa­mi­lie, fabel­hafte Baum­we­sen und Wald­mist­kä­fer. Wie unter­schied­lich Kin­der den Weg erle­ben, erzählt Reif Lar­sen im Bil­der­buch „Der wun­der­same Weg“. Worte­we­be­rin Annika hat sich zwi­schen den Baum­we­sen versteckt.

Cover Der wundersame WegDer ame­ri­ka­ni­sche Autor Reif Lar­sen wurde mit sei­nem Debüt­ro­man „Die Karte mei­ner Träume“ schlag­ar­tig berühmt. Das Buch wurde in zahl­rei­che Spra­chen über­setzt und von Jean-Pierre Jeu­net ver­filmt. Auf den Erfolg erschien ein wei­te­rer Roman – und jetzt ein Bil­der­buch. Nach­dem mich „Die Karte mei­ner Träume“ vor eini­gen Jah­ren sehr ver­zau­bert hatte, war ich neu­gie­rig auf „Der wun­der­same Weg“, illus­triert von Marine Schneider.

Reif Lar­sen erzählt die Geschichte eines Wald­wegs und dreier Kin­der, die hier die Natur ent­de­cken: Luka fin­det in der Natur außer­ir­di­sche Baum­we­sen, die Ton­tos: „Sie leben in Bäu­men mit Augen. Sie sind die Wäch­ter des Wal­des.“ Clara hin­ge­gen beob­ach­tet Käfer, erkun­det Fuß­spu­ren mit der Lupe, sucht Blu­men­pol­len und erforscht Was­ser­trop­fen. Die bei­den ler­nen sich ken­nen und ver­su­chen, mehr über einen ver­letz­ten Fuchs her­aus­zu­fin­den. Levi geht mit sei­nem Hund Moo auf dem Weg spa­zie­ren. Durch seine Kopf­hö­rer bekommt er nur wenig von der Umge­bung mit, an den ande­ren bei­den Kin­dern rauscht er vor­bei. Erst als er die Kopf­hö­rer ver­liert, taucht auch er in die Welt des Wal­des ein.

Wer lernt hier von wem?

Ehr­lich­ge­sagt hatte ich auf Grund des Klap­pen­tex­tes erwar­tet, dass es stär­ker um die ver­schie­de­nen Fähig­kei­ten und Sicht­wei­sen der Kin­der gehen würde. „Doch erst als sie sich begeg­nen, ler­nen sie nicht nur den Weg, son­dern auch die Welt mit ganz ande­ren Augen zu sehen“, heißt es da. Den­noch ist es vor allem der Aus­tausch zwi­schen Clara und Luka, der beschrie­ben wird. Cla­ras natur­wis­sen­schaft­li­che Her­an­ge­hens­weise steht schon des­halb im Fokus, weil sie damit das letzte Wort im Bil­der­buch hat, aber auch Luka darf ihr die Welt der außer­ir­di­schen Ton­tos erklä­ren. Man kann das Buch so lesen, dass Clara von Luka den fan­ta­sie­vol­len Blick auf den Wald übernimmt.

Am wenigs­ten erfah­ren wir über Levis Per­spek­tive, weil er erst auf der letz­ten Seite mit den ande­ren Kin­dern in Kon­takt kommt. Ob sich sein Den­ken durch die Begeg­nung ver­än­dert oder er den bei­den ande­ren etwas bei­brin­gen kann, wird nicht the­ma­ti­siert. Dadurch wirkt die Geschichte auf mich nicht ganz rund und ausgewogen.

Bunte Bil­der, ruhige Sätze

Reif Lar­sen erzählt in ein­fa­chen Haupt­sät­zen, die Satz­stel­lung vari­iert er eher sel­ten. Das bringt Ruhe in den Text und passt zur dar­ge­stell­ten Waldatmosphäre:

„In der Nacht kommt der Rot­fuchs, Vul­pes vul­pes, zurück. Er erschnüf­felt die Geschich­ten des Tages. Er hum­pelt auf der Suche nach Abend­essen ins Gebüsch.“

Die Illus­tra­to­rin von Marine Schnei­der, die im Kleine Gestal­ten Ver­lag schon die Bil­der­bü­cher „Das Leben und ich“ und „Ein Leben mit dir“ illus­triert hat, zeich­net eine atmo­sphä­ri­sche Wald-Welt. Die flä­chi­gen Bil­der sind sehr ästhe­tisch. Was mir beson­ders gefällt, ist aber, dass die Figu­ren darin kli­schee­frei und divers dar­ge­stellt sind. Clara und Levi sind People of Color. In den Figu­ren kön­nen sich viele Kin­der wiederfinden.

„Der wun­der­same Weg“ ist ein stim­mungs­vol­les und ästhe­ti­sches Bil­der­buch für Waldfreund*innen. Auch wenn mich die Geschichte nicht ganz über­zeugt hat, nehme ich das Buch gerne zur Hand. Obwohl der Ver­lag das Buch ab 3 Jah­ren emp­fiehlt, würde ich es eher mit älte­ren Kin­dern ab 5 Jah­ren lesen, da die Geschichte und ins­be­son­dere die Auf­lö­sung nicht ganz ein­fach zu ver­ste­hen sind.

Der wun­der­same Weg. Reif Lar­sen. Aus dem Eng­li­schen von Franz Hem­pel. Illus­tra­tion: Marine Schnei­der. Kleine Gestal­ten. 2021. BK-Alters­emp­feh­lung: Ab 5 Jahren.

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