Der Wald birgt viele Geheimnisse

by Poesiearchitektin Lena

Poe­sie­ar­chi­tek­tin Lena, die bereits seit einem Jahr im Home­of­fice ist, ver­misst die Natur und den Wald. Nach „So dun­kel der Wald“ von Michaela Kas­tel prä­fe­riert sie aller­dings doch eher den Strand.

Ronja und Jan­nik leben in einer Hütte im tiefs­ten Wald ver­bor­gen. Mit ihnen wei­tere Geschwis­ter, die kom­men und gehen. Gehen bedeu­tet hier nicht, in die Frei­heit spa­zie­ren, son­dern ster­ben. Alle Kin­der haben etwas gemein­sam, denn sie wur­den von ein und dem glei­chen Mann in jun­gen Jah­ren entführt.

Ronja küm­mert sich um den Haus­halt, das Kochen und die jün­ge­ren Kin­der, wäh­rend sie Gefühle für Jan­nik hegt, der diese nicht offen­siv erwi­dert. Sie haben sich bereits an ihr Leben gewöhnt, da sie nichts ande­res ken­nen, auch wenn es manch­mal schwer­fällt. Bei­spiels­weise wenn sie beim Ein­kau­fen andere Men­schen tref­fen oder wenn Erin­ne­run­gen an die eige­nen Eltern hoch­kom­men. Dies weiß der Ent­füh­rer aller­dings schnell im Keim zu ersti­cken. Machen die Kin­der nicht, was ihnen gesagt wird, wer­den sie ohne Vor­räte in ein Loch gewor­fen, in dem man nur ein lei­ses Trop­fen hört, so dass unge­wiss ist, ob sie je wie­der her­aus­kom­men. Sie pas­sen sich also wei­test­ge­hend an und machen, was von ihnen ver­langt wird.

Als erneut ein Kind ver­misst wird, fällt der Ermitt­le­rin Sarah auf, dass es ein Mus­ter zu geben scheint, und sie stürzt sich in die­sen Fall. Letzt­end­lich fin­det sie die Kin­der auch, hat aber etwas ganz ande­res erwartet.

Wäh­rend des Hand­lungs­ver­laufs hatte ich häu­fig das Bedürf­nis, die Prot­ago­nis­ten zu schüt­teln und ihnen bei der Flucht zu hel­fen. Michaela Kas­tel kre­iert mit dem skru­pel­lo­sen Ent­füh­rer einen Täter, der etwas „zu“ gewollt grau­sam gegen­über Kin­dern erscheint. Es reicht keine Ent­füh­rung und das Besu­chen im Schlaf­zim­mer, sobald es dun­kel ist. Er fol­tert sie men­tal und hat kein Pro­blem damit, heile Welt zu spie­len und die Kin­der am Ende zu töten.

Ronja und Jan­nik ver­bin­det nicht nur ihr Alter, son­dern auch die Zwei­sam­keit, die sie durch­hal­ten lässt, bis sich im Teen­ager­al­ter Gefühle ent­wi­ckeln. Es ist ein klas­si­sches Spiel zwi­schen Kopf und Bauch, das gele­gent­lich etwas stört, da man diese Situa­tion nicht nach­voll­zie­hen kann und der Fokus oft auf den Annä­he­rungs­ver­su­chen liegt. Zwi­schen­zeit­lich sind die Angst und das Ver­lan­gen nach Liebe zwi­schen Ronja und Jan­nik fast kör­per­lich zu spü­ren und das ist dann doch beklem­mend. Je län­ger man nach Been­den des Buches dar­über nach­denkt, desto bes­ser kann man die bei­den ver­ste­hen und ent­wi­ckelt das starke Bedürf­nis, den Kin­dern hel­fen zu wollen.

Michaela Kas­tel hat einen düs­te­ren und bedrü­cken­den Thril­ler geschrie­ben, der mich nach­hal­tig beschäf­tigt hat. Es sind span­nende Wen­dun­gen vor­han­den und sie schafft es, die Dun­kel­heit des Wal­des in den See­len der Prot­ago­nis­ten widerzuspiegeln.

So dun­kel der Wald. Michaela Kas­tel. btb. 2020.

Weiterlesen

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies. Mit der Nutzung unserer Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Erfahre mehr