Der Meistermagier des Marvel-Universums

by Geschichtenzeichnerin Celina

Sci­ence-Fic­tion, Fan­tasy und Hel­den­tum – all diese Gen­res sind ver­eint in der Welt von Doc­tor Strange. Dies wird auch im vor kur­zem erschie­ne­nen Comic „Doc­tor Strange 1“ zum Aus­druck gebracht. Geschich­ten­zeich­ne­rin Celina hat sich in den Bann die­ses Comics begeben. 

Wer ist Doc­tor Strange?

Doc­tor Ste­phen Strange war einst ein über­aus talen­tier­ter aber auch hoch­gra­dig ego­is­ti­scher Chir­urg. Durch einen Auto­un­fall wur­den die Ner­ven sei­ner Hände beschä­digt, sodass er sei­ner Arbeit nicht mehr nach­ge­hen konnte. Nach­dem ihm kein Arzt wei­ter­hel­fen konnte, ging er auf die Suche nach einem Wun­der­heil­mit­tel. Doch statt­des­sen begeg­nete er einem Hexer namens „Der Uralte“. Strange wurde nach und nach zum obers­ten Zau­be­rer – Sorce­rer Supreme, zum Meis­ter der mythi­schen Mächte. Er beschützt die Mensch­heit vor aller­lei mys­ti­schen Bedrohungen.
Doc­tor Strange hatte sein Comic­de­büt in „Strange Tales 110“ (Juli 1963), wobei er von Stan Lee und Steve Ditko erschaf­fen wurde. Seit 2005 mischt er in den Comics der Aven­gers mit.

Die neue Doc­tor Strange-Reihe

Im ers­ten Band wur­den fünf Ein­zel­hefte gesam­melt her­aus­ge­bracht. Der Band spielt zeit­lich nach der oben kurz zusam­men­ge­fass­ten Ori­gen-Story. Gleich zu Beginn kann der Leser den Meis­ter­ma­gier Doc­tor Strange auf einer sei­ner Mis­sio­nen beglei­ten. Man befin­det sich auf einer ekto­plas­mi­schen Ebene bzw. im Geist eines Jun­gen, den es von See­len­fres­sern zu befreien gilt.
Nach die­ser Tat geht Strange nach drau­ßen, durch die vol­len Stra­ßen von New York. Der Betrach­tende kann hier­bei die Welt mit ande­ren Augen, mit der Sicht­weise des Dok­tors, wahr­neh­men. Über­all auf den Stra­ßen erschei­nen magi­sche, abs­trakte Krea­tu­ren, die für den „nor­ma­len“ Men­schen nicht sicht­bar sind. Die­ser Effekt wird mar­kant her­vor­ge­ho­ben, indem die Nor­malo-Welt in Schwarz-Weiß und die magi­schen Geschöpfe in Farbe dar­ge­stellt sind. So erscheint auch Doc­tor Strange selbst far­big, da er sich der Magie ver­schrie­ben hat. Magi­sche Krea­tu­ren schei­nen all­ge­gen­wär­tig unter den Men­schen zu leben, auch wenn sie nur für Aus­ge­wählte sicht­bar wer­den. Die­ses Stil­ele­ment, das Her­vor­he­ben von allem Magi­schen durch den bewuss­ten Ein­satz von Farbe, wird im Comic immer wie­der aufgegriffen.

Im wei­te­ren Ver­lauf des Comics steht Zelma Stan­ton vor Ste­phen Stran­ges Tür. Sie hat ein Pro­blem: Eine spitz­zah­nige, mit eini­gen Augen ver­se­hende Krea­tur nis­tet an der Ober­flä­che ihres Kop­fes. Von die­sem Geschöpf weiß noch nicht ein­mal Strange, was das ist, doch er erklärt sich bereit, der jun­gen Frau zu hel­fen. Nach und nach wird ihm und sei­nem lang­jäh­ri­gen Freund und Gehil­fen Wong bewusst, dass etwas nicht stimmt. Immer mehr magi­sche Geschöpfe, die vor­her nicht auf der Erde waren, wie das am Kopf von Zelma Stan­ton, gelan­gen in ihre Welt. Es liegt eine magi­sche Bedro­hung in der Luft, die viel­leicht die ganze magi­sche Welt oder gar die Magie selbst gefähr­det. Wer weiß, was da auf uns zukommt? Gespannt lässt sich auf den nächs­ten Teil die­ser viel­ver­spre­chen­den Comic­reihe warten.

Das Beson­dere an den Illustrationen

Im Comic ist auf­fäl­lig, dass die Kolo­rie­rung ver­schie­den und sze­nen­spe­zi­fisch ange­passt ist. So erschei­nen bei­spiels­weise Sze­nen, wie sol­che in der „Bar ohne Türen“ röt­li­cher ein­ge­färbt, etwa im Kon­trast zu denen, die drau­ßen im Freien spie­len. Dadurch unter­schei­det sich die Atmo­sphäre in der Bar, in der sich die Magier tref­fen, von ande­ren Orten. Durch das röt­li­che Ker­zen­licht wirkt der Raum im Comic enger und ver­mit­telt den Ein­druck einer Spelunke.
Im Band ist wei­ter­hin auf­fäl­lig, dass sich die magi­sche Welt in der gan­zen Auf­ma­chung des Comic­lay­outs wider­spie­gelt. Daher sind die Panels abs­trak­ter und spie­le­risch ange­legt, sodass Größe und Form der Panels stark vari­ie­ren. Dar­über hin­aus ist augen­fäl­lig, dass sie­ben Tuscher für die Zeich­nun­gen von Chris Bachalo und Kevin Now­lan am Werk waren. So liegt es viel­leicht nicht nur an der unter­schied­li­chen Kolo­rie­rung, dass einige Dar­stel­lun­gen so ver­schie­den aus­se­hen, trotz der recht ähn­li­chen Zeich­nun­gen, wie z.B. dem rela­tiv gleich­blei­ben­den Aus­se­hen von Doc­tor Strange.

Übri­gens war Kevin Nowlans erste Arbeit als Zeich­ner für Mar­vel 1983 bereits ein Doc­tor Strange-Comic. Gene­rell wirkte er schon an vie­len Mar­vel und DC Comics mit. Aber auch Chris Bacha­los Liste als Comic­zeich­ner ist beacht­lich. Seine Erst­ver­öf­fent­li­chung war 1990 bei der legen­dä­ren Comic-Reihe „Sand­man“ von Ver­tigo (ein Teil des DC-Ver­la­ges, der sich auf Erwach­se­nen­co­mics spe­zia­li­siert hat). Aber mitt­ler­weile ist auch er in vie­len Uni­ver­sen von DC und Mar­vel zu Hause. Wei­ter­hin ist ebenso der Autor Jason Aaron im Comic-Genre ein bekann­ter Mann. Er hat unter ande­rem Comics ver­fasst zu: Thor, Ghost Rider, Wol­verine und Star Wars.

Schafft es Doc­tor Strange, den Leser in sei­nen Bann zu ziehen?

Auf jeden Fall! Dazu trägt auch bei, dass der Comic ohne groß­ar­tige Vor­kennt­nisse gele­sen wer­den kann. Die Ori­gen-Story ist nur kurz auf der ers­ten Seite zusam­men­ge­fasst. Mehr Infor­ma­tio­nen braucht es nicht, um den Comic zu ver­ste­hen. Hinzu kommt, dass nur Ste­phen Strange als Prot­ago­nist erscheint und somit auch keine Vor­kennt­nisse über andere Cha­rak­tere vor­han­den sein müs­sen. Leser kön­nen sich schnell in den Comic ein­fin­den und somit in Doc­tor Stran­ges Welt ein­tau­chen. „Doc­tor Strange 1“ kann ab dem jugend­li­chen Alter gele­sen wer­den, bie­tet aber ebenso Erwach­se­nen Spaß am Lesen und einen Augen­schmaus an Illustrationen.

Doc­tor Strange im Kino

Im Herbst 2016 ist eine Neu­ver­fil­mung von Doc­tor Strange mit Bene­dict Cum­ber­batch in der Haupt­rolle, Tilda Swin­ton als „Die Älteste“ (im Comic ursprüng­lich „Der Uralte“) und Mads Mikkel­sen als Kae­ci­lius, dem Wider­sa­cher erschie­nen. Die­ser Comi­c­ad­ap­tion wird sei­ner abs­trak­ten, magi­schen und zum Teil ein­fach nur abge­dreh­ten Vor­lage über­aus gerecht. Aller­dings wird im Film zunächst die Ori­gin-Story erzählt. Zudem ist die Ver­fil­mung sehr humor­voll angelegt.

Übri­gens gab es bereits 2007 einen Ani­ma­ti­ons­film : „Doc­tor Strange: The Sorce­rer Supreme”, in dem eben­falls die Ori­gin-Story erzählt wurde. Diese ist in ihren Grund­zü­gen zwar iden­tisch, jedoch unter­schei­det sie sich in vie­len Details. Bei­spiel­weise wer­den ganze Figu­ren, wie die Schwer­ter von Ste­phen Strange hin­zu­ge­nom­men, bei wel­cher dem Dok­tor die Ope­ra­tion miss­lun­gen war und sie dar­auf­hin starb. Durch die­sen Aspekt wirkt Strange für den Zuschauer zu Beginn des Films zwar immer noch ego­is­tisch und doch hat man Mit­leid mit ihm.
Seine Schwes­ter wird in Zwi­schen­se­quen­zen gezeigt, die Erin­ne­run­gen von Stange dar­stel­len, wel­che eigent­lich vor der Zeit des hier prä­sen­tier­ten Films spie­len. Hinzu kommt, dass gene­rell auf­fäl­lig ist, dass der Film sich Zeit nimmt, um Doc­tor Stran­ges Geschichte bezie­hungs­weise sei­nen Selbst­fin­dungs­weg genauer dar­zu­stel­len. Es erscheint zum Bei­spiel die Situa­tion, in der er nach einem Heil­mit­tel für seine Hände sucht, län­ger und beschwer­li­cher, als sie im neuen Film gezeigt wird. Erst zum Ende hin nimmt im Ani­ma­ti­ons­film die Action zu. Aller­dings sollte die­ser Ani­ma­ti­ons­film gra­fisch nicht mit dem neuen Film ver­gli­chen wer­den. Zei­chen­trick­filme set­zen auf andere opti­sche Mit­tel. Bei­spiels­weise erschei­nen Explo­sio­nen hier anders als im Real­film. Es sind schließ­lich immer noch mehr in Bewe­gung ver­setzte Zeich­nun­gen, die aber gelun­gen und pas­send insze­niert sind. Zudem ist der Wider­erken­nungs­wert der Figu­ren, wie man sie aus den Comics kennt, gege­ben. Für seine etwa eine Stunde Lauf­zeit hat der Ani­ma­ti­ons­film eini­ges zu bieten.

Comic: Dok­tor Strange 1. Jason Aaron. Zeich­ner: Chris Bachalo, Kevin Now­lan. Über­set­zung: Marc-Oli­ver Frisch. Panini. 2015. / Film: Doc­tor Strange. Regie: Scott Der­rick­son. Dar­stel­ler: Bene­dict Cum­ber­batch, Tilda Swin­ton, Mads Mikkel­sen u.a. Mar­vel. 2016. FSK 12. / Ani­ma­ti­ons­film: Doc­tor Strange: The Sorce­rer Supreme. Regie: Jay Oliva, Richard Sebast, Patrick Archi­bald, Frank Paur. Mar­vel. 2007. FSK 12.

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