Deine Zeit läuft!

by Worteweberin Annika

Eine Welt in der Zukunft, die von Zeit regiert wird – möchte man so wirk­lich leben? In „Ocean City – Jede Sekunde zählt“ vom Autoren­duo R. T. Acron geht es äußerst span­nend zu. Worte­we­be­rin Annika hat den fes­seln­den Roman gele­sen, der mit dem Leip­zi­ger Lese­kom­pass aus­ge­zeich­net wurde.

Kurz vor der Schule wer­den Jack­son und sein Freund Cro­ckie kon­trol­liert, eigent­lich reine Rou­tine. Aber irgend­et­was stimmt da nicht. Plötz­lich fällt ein Schuss und Cro­ckie treibt leb­los im Fluss. Von nun an gerät alles aus den Fugen. Jack­son wird beob­ach­tet und ver­hört, selt­same Leute tau­chen in sei­ner Nähe auf und es gibt Ver­haf­tun­gen. Und alles nur wegen des klei­nen Geräts, das Jack­son und seine Freunde gebas­telt haben, um Cro­ckies Eltern etwas Zeit auf ihr Konto schaf­fen zu kön­nen. Doch in Ocean City, der schwim­men­den Stadt, in der Jack­son auf­ge­wach­sen ist, ist Zeit Geld. Dass nun Schul­jun­gen ein­fach Zeit aus dem Nichts her­bei­zau­bern, wird natür­lich gar nicht gern gese­hen! Die­ser Fall ruft nicht nur den mop­pe­li­gen Poli­zis­ten di Gallo auf den Plan, son­dern auch die rabia­ten Agen­ten der Abtei­lung Z. Für Jack­son wird es brenzlig.

Zeit ist Geld?

Eine Gesell­schaft, in der Geld durch Zeit ersetzt und auf Kon­ten gela­gert wird, kennt man zum Bei­spiel aus dem Spiel­film „In Time“ mit Jus­tin Tim­ber­lake und Amanda Sey­fried (2011). Ähn­lich funk­tio­niert das Sys­tem auch in Ocean City, jedoch sind hier die Lebens­zeit und die Zeit-Wäh­rung nicht unmit­tel­bar mit­ein­an­der gekop­pelt. Es ist also auch mög­lich, ins Minus zu rut­schen – was nicht zum Tod führt, son­dern nur dazu, dass man prak­tisch keine Frei­zeit mehr haben kann. Die fehlt den Bewoh­nern der schwim­men­den Stadt aller­dings ohne­hin schon: Ein Arbeits­tag dau­ert meis­tens um die zwölf Stun­den und statt eines Wochen­en­des gibt es gut drei freie Tage im Monat. Was bleibt da noch?

Eine Frage, die sich auch beim Lesen stellt und dazu anregt, über Zeit, Wirt­schaft und das wirk­lich Wich­tige im Leben zu phi­lo­so­phie­ren. Aus die­sem Grund eig­net sich „Ocean City“ sogar auch für den Schul­un­ter­richt, auf jeden Fall aber als unter­halt­same und gleich­zei­tig tief­grün­dige Frei­zeit­lek­türe – was die Aus­zeich­nung mit dem Leip­zi­ger Lese­kom­pass ja bereits nahe­legt. Wei­tere span­nende The­men in „Ocean City“ sind Recy­cling und Umwelt­be­wusst­sein: In der schwim­men­den Rie­sen­stadt muss alles wie­der­ver­wer­tet wer­den, da die künst­li­che Insel keine Roh­stoffe hat. Nah­rung kommt aus dem Meer und so gibt es Käse­er­satz und Kekse aus Algen und Plank­ton. Auch hier lohnt es sich, nach­zu­den­ken. Wie kön­nen wir res­sour­cen­scho­nen­der leben? Und: Wie wäre es wohl, in einer schwim­men­den Stadt zu wohnen?

Span­nung und Action

Natür­lich ist „Ocean City“ aber nicht ein­fach ein lang­wei­li­ges Buch zum Nach­den­ken, denn es bleibt immer span­nend für Jack­son und die Lese­rIn­nen. Auf der Flucht kommt Jack­son zum Bei­spiel in Kon­takt mit dem Kom­mando Matt Ful­ler, einer Rebel­len­gruppe, die im Unter­grund das Sys­tem von Ocean City unter­gra­ben möchte. Kann es Jack­son mit ihrer Hilfe gelin­gen, Ord­nung in das Chaos zu brin­gen? Sollte er sich ihnen anschlie­ßen? Cool dürf­ten viele junge Lese­rIn­nen sicher­lich auch den Umgang mit neuer Tech­nik und den „ver­al­te­ten“ Spiel­kon­so­len und Han­dys unse­rer Zeit finden.

Der Prot­ago­nist Jack­son zeich­net sich einer­seits durch einen enor­men Ein­falls­reich­tum aus: Auch in ver­meint­lich aus­weg­lo­sen Situa­tio­nen fin­det er eine Lösung, selbst wenn sie auf den ers­ten Blick unmög­lich und abstrus erscheint. Er behält meis­tens die Ner­ven und manö­vriert sich und seine Freunde sou­ve­rän durch die schwim­mende Stadt. Aber Jack­son hat neben die­ser abge­klär­ten auch eine wei­chere Seite, die er zum Bei­spiel im lie­be­vol­len Umgang mit sei­ner klei­nen Schwes­ter Celine zeigt. Auch wegen die­ser Viel­schich­tig­keit des Prot­ago­nis­ten eig­net sich „Ocean City“ für Mäd­chen genauso wie für Jun­gen. Und mit der neuen Mit­schü­le­rin Lou wird noch dazu auch eine weib­li­che Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur ange­bo­ten, die schnell an Bedeu­tung gewinnt.

Es geht weiter!

Schon der Umschlag von „Ocean City“ fasst wun­der­bar zusam­men, worum es in die­sem Thril­ler für Kin­der und Jugend­li­che ab zehn Jah­ren geht: eine schwim­mende Stadt, Zeit, Aben­teuer und Action. Sowohl die Umschlag­ge­stal­tung als auch der tür­kise Farb­schnitt des Buches wir­ken sehr anspre­chend und machen direkt Lust zu lesen.

Und das Gute daran ist, dass es mit „Ocean City“ noch nicht vor­bei ist, denn Jack­sons Talent im Schmie­den von Plä­nen bleibt nicht unbe­merkt. Er steht unter der Beob­ach­tung eines mys­te­riö­sen Man­nes mit ver­schie­den­far­bi­gen Augen, den man bei genauen Hin­se­hen auch auf dem Umschlag­bild erken­nen kann. Was es mit ihm auf sich hat, erfah­ren die Lese­rIn­nen erst ganz am Ende der 260 Sei­ten. Und das ver­spricht Span­nung für den nächs­ten Band, denn „Jede Sekunde zählt“ ist nur der Auf­takt zu einer Roman­reihe. Wei­ter geht es im Juli mit „Im Ver­steck des Rebel­len“, die War­te­zeit auf den nächs­ten Teil ist also zum Glück kurz.

Hin­ter dem Autoren­na­men R. T. Acron ver­ber­gen sich übri­gens die Kin­der- und Jugend­buch­au­toren Chris­tian Tiel­mann und Frank Maria Rei­fen­berg, die beide schon viele Romane für unter­schied­li­che Alters­grup­pen ver­öf­fent­licht haben. Mit „Ocean City“, dem man übri­gens nicht nega­tiv anmerkt, dass es von zwei unter­schied­li­chen Autoren geschrie­ben wurde, bewei­sen sie ihr Talent. „Ocean City“ ist ein tol­ler Action­ro­man mit viel Tiefgang!

Ocean City – Jede Sekunde zählt. R. T. Acron. dtv. 2018. Hier geht es zum Web­site-Spe­cial zu „Ocean City“.

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