Cornelia Boese im Interview

by Bücherstadt Kurier

Jedes Buch macht Spaß! Und so knif­fe­lig das Thema auch sein mag – das Buch, mit dem ich mich gerade beschäf­tige, ist immer mein Lieblingsbuch.“

Cor­ne­lia Boese arbei­tete viele Jahre als Opern­souf­fleuse, bevor sie umsat­telte – heute dich­tet sie Kin­der­bü­cher. Im Inter­view hat sie mit Wort­we­be­rin Annika über ihre Zeit am Thea­ter, gute Reime und schwe­di­sches Gebäck gesprochen.

Cornelia Boese

Foto: pri­vat

BK: Wie Ihre Bil­der­buch­hel­din Thea­t­rine waren Sie lange Opern­souf­fleuse. Was ist das für eine Arbeit und was hat Ihnen daran beson­ders gefallen?

CB: Die Souf­fleuse ist in der Oper sehr wich­tig, weil sie den Sän­gern nicht nur mit dem Text hilft, son­dern auch musi­ka­lisch eine große Stütze ist. Als Büh­nen­di­ri­gen­tin und Vor­sa­ge­rin (Maes­tra sug­ge­ri­tore) sitzt sie im Souf­fleu­sen­kas­ten vorne an der Rampe, hat den Diri­gen­ten über einen klei­nen Moni­tor stets im Blick und beglei­tet die Sän­ger wäh­rend der kom­plet­ten Vor­stel­lung (und allen Pro­ben!), indem sie ihnen immer einen Schlag im Metrum vor­aus die nächs­ten Sil­ben ein­sagt und alle Ein­sätze gibt. Opern­souf­fleu­sen war­ten nicht auf Hän­ger, son­dern sie ver­hin­dern sie, bevor sie pas­sie­ren! Sie müs­sen auch eine Menge Fremd­spra­chen beherr­schen, weil viele Opern in der Ori­gi­nal­spra­che auf­ge­führt wer­den: außer „Büh­nen­hoch­deutsch“ auch Ita­lie­nisch, Fran­zö­sisch, Rus­sisch etc. Ich durfte ein­mal sogar eine fran­zö­si­sche Oper in Stock­holm auf Schwe­disch souf­flie­ren. Am bes­ten hat mir an dem Beruf gefal­len, so nah am Büh­nen­ge­sche­hen dabei zu sein als klei­nes, aber wich­ti­ges Schräub­chen im Operngefüge.

BK: Ist man als Souf­fleuse denn tat­säch­lich „die Frau, die man so leicht vergisst“?

CB: Eine Souf­fleuse ist dann gut, wenn nie­mand merkt, dass es sie gibt. Sie bekommt fürs Souf­flie­ren kei­nen Applaus. Ihre Arbeit bleibt unsicht­bar wie sie selbst. Den­noch wird sie am Thea­ter sehr geschätzt und gerne wer­den bei Pre­mie­ren Rosen in den Souf­fleu­sen­kas­ten gereicht …

BK: Wel­che Oper haben Sie beson­ders gerne souf­fliert – und wel­che viel­leicht auch nicht?

Ich liebe alle Mozar­t­opern sehr und habe ihnen einen Mozart-Opern­füh­rer in Vers­form gewid­met: „Mit einem Hil­fe­ruf beginnt’s“ – kön­nen Sie erra­ten, wel­che Oper gemeint ist?

CB: Was ver­mis­sen Sie an der Arbeit am Theater?

Die wun­der­ba­ren, krea­ti­ven, wit­zi­gen und ver­rück­ten Thea­ter­kol­le­gen! Die Zau­ber­stim­mung und das Däm­mer­licht hin­ter dem Vor­hang! Die wun­der­bare Musik! Die Arbeits­zei­ten ver­misse ich weniger.

BK: Jetzt schrei­ben Sie statt­des­sen Kin­der­bü­cher – was gefällt Ihnen daran beson­ders gut?

CB: Für mich gibt es nichts Schö­ne­res, als tolle The­men in humor­volle, tref­fende und poin­tierte Verse zu fas­sen. Sie beglei­ten mich gedank­lich nicht nur am Schreib­tisch, son­dern auch auf Zug­fahr­ten, beim Pad­deln, Radeln oder Wan­dern, beim Essen­ko­chen und im Schlaf. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich dich­ten darf.

BK: Mit „Wo ist Thea­t­rine?“ haben Sie ein Buch über Ihre ehe­ma­lige Arbeits­welt geschrie­ben, aber in Ihren ande­ren Titeln geht es auch um ganz andere The­men. Was ist ein­fa­cher und was macht viel­leicht auch mehr Spaß?

CB: Jedes Buch macht Spaß! Und so knif­fe­lig das Thema auch sein mag – das Buch, mit dem ich mich gerade beschäf­tige, ist immer mein Lieblingsbuch.

BK: „Wo ist Thea­t­rine?“ wurde mit dem Lese­kom­pass 2022 aus­ge­zeich­net. Was bedeu­ten Ihnen als Autorin sol­che Auszeichnungen?

CB: Jede Aus­zeich­nung ist natür­lich eine Rie­sen­freude! Beson­ders schön finde ich uner­war­tete Preise, die unver­hofft vom Him­mel fallen …

BK: Wenn man für Kin­der in Rei­men schreibt, wie Sie das in Ihren Büchern tun, was ist da beson­ders wichtig?

CB: Egal, ob ich für Kin­der oder Erwach­sene dichte – ich ver­su­che immer, die Satz­stel­lung nicht künst­lich zu ver­dre­hen und so zu schrei­ben, als würde sich der Text fast zufäl­lig rei­men. Die Verse sol­len leicht und flüs­sig zu lesen sein, Spaß machen und ein Augen­zwin­kern beinhalten.

BK: Gibt es für Sie irgend­wel­che Reim-No-Gos – Reime, die Sie nie­mals benut­zen wür­den, weil sie viel­leicht zu abge­nutzt sind?

CB: Reime müs­sen sich immer dem Inhalt unter­ord­nen – gut for­mu­liert und im rich­ti­gen Zusam­men­hang muss ein Mäus­chen in sei­nem Häus­chen nicht banal klin­gen. Was ich aber unbe­dingt ver­meide, sind fal­sche Reime oder Feh­ler im Versmaß.

BK: Wie ver­läuft denn eigent­lich die Arbeit mit Illustrator*innen, wenn man an einem Bil­der­buch wie „Thea­t­rine“ arbeitet?

CB: In den meis­ten Fäl­len lie­fere ich den Ver­la­gen zuerst Idee und Text, danach wird das Buch illus­triert, ohne dass ich in die­sen Pro­zess invol­viert bin. Bei „Thea­t­rine“ war es anders: Die Illus­tra­to­rin Dorota Wünsch besuchte mich in Würz­burg bei einer Thea­ter­füh­rung auf Mat­theos Spu­ren. Wir lie­fen den gan­zen Tag trepp­auf und treppab durch alle Werk­stät­ten, Pro­be­räume und Säle, spra­chen mit vie­len Thea­ter­leu­ten auf der Bühne und hin­ter den Kulis­sen und mach­ten tau­send Fotos.

BK: Was sind Ihre aktu­el­len Pro­jekte, dür­fen Sie schon etwas verraten?

CB: Momen­tan arbeite ich (u.v.a.!) an einem Vor­le­se­buch für Groß und Klein und an den Ver­sen für ein Kin­der­kon­zert. Ganz beson­ders freue ich mich, dass mein Bil­der­buch „Der Tie­ri­gent“ (Gers­ten­berg 2019) ver­tont wor­den ist und die Geschichte des klei­nen Spat­zen, der so gerne ein Instru­ment spie­len möchte, im Dezem­ber 2022 im Main­fran­ken Thea­ter Würz­burg auf die Bühne kommt.

BK: Und dann noch unsere zwei bücher­städ­ti­schen Son­der-Fra­gen: Wenn Sie selbst ein Buch wären, was für eins wäre das dann?

CB: Ich wäre ein schwe­di­sches Back­buch! In Schwe­den ist es Tra­di­tion, zum Kaf­fee sie­ben Sor­ten Gebäck zu ser­vie­ren und als krö­nen­den Abschluss eine Torte auf den Tisch zu zau­bern. So wäre ich gerne!

BK: Und gibt es eine Frage, die Sie sich schon immer in einem Inter­view gewünscht haben? Was wür­den Sie antworten?

CB: Hm, viel­leicht: Was war Ihr schöns­tes Erleb­nis als Opern­souf­fleuse? Zum Würz­bur­ger Mozart­fest durfte ich ein­mal eine Oper von Anto­nio Salieri, die 200 Jahre im Dorn­rös­chen­schlaf gele­gen hatte, ins Deut­sche über­set­zen. Natür­lich sollte alles per­fekt gereimt, lus­tig und gut sing­bar sein! Die Urauf­füh­rung wurde ein vol­ler Erfolg, ich saß im Kas­ten und souf­flierte mei­nen eige­nen Text und durfte beim Schluss­ap­plaus hoch ins Ram­pen­licht und mich aus­nahms­weise auch ein­mal verbeugen.

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