Bremer Freiheit #4 – Buddenbrooks

by Bücherstadt Kurier

Ins Thea­ter gehen ist viel zu teuer? Für Bre­mer Stu­die­rende jeden­falls nicht! Zwi­schen dem 23. und 31. Okto­ber fin­det hier – nun schon zum vier­ten Mal – das Fes­ti­val „Bre­mer Frei­heit“ statt. In die­ser Zeit kos­tet eine Karte auf allen Plät­zen nur fünf Euro. Am 23. Okto­ber wurde die Reihe mit Tho­mas Manns „Bud­den­brooks“ eröff­net. Worte­we­be­rin Annika ist dabei gewesen.

Das Publi­kum im Foyer des klei­nen Hau­ses des Thea­ters ist am Frei­tag­abend gemischt. Neben grau­haa­ri­gen Damen sit­zen junge Stu­den­ten mit Kapu­zen­pulli, sit­zen gestan­dene Män­ner im Anzug, sit­zen Stu­den­tin­nen im Kleid­chen, sit­zen... Ob es an einem „nor­ma­len“ Frei­tag hier auch so aussähe?
Nach einem halb­stün­di­gen Ein­füh­rungs­ge­spräch, das Teil des Fes­ti­val­pro­gramms ist, geht es los. Tho­mas Manns Roman „Bud­den­brooks“ wird in der Büh­nen­fas­sung von John von Düf­fel und unter der Regie von Klaus Schu­ma­cher seit 2012 in Bre­men gespielt.
Die Roman­vor­lage ist nicht unbe­dingt leichte Kost: Als alt­ein­ge­ses­sene Kauf­manns­fa­mi­lie machen die Bud­den­brooks in Lübeck zwar Geschäfte, doch hier lehnt man sich schon seit Jahr­zehn­ten nie zu weit aus dem Fens­ter – nur so weit eben, dass man auch nachts noch ruhig schla­fen kann. Tho­mas, Chris­tian und Tony, die junge Genera­tion der Bud­den­brooks also, ken­nen die fami­liä­ren Werte und Tra­di­tio­nen seit Kin­der­ta­gen. Trotz­dem sehen sie sich hin- und her­ge­ris­sen zwi­schen Pflich­ten und Bestim­mun­gen einer­seits, und ande­rer­seits dem Wunsch nach Liebe und Frei­heit. So sehr sich Tho­mas als nach­ge­rück­tes Fami­li­en­ober­haupt auch bemüht, die Geschäfte wol­len doch nicht so recht lau­fen, und auch die neue Genera­tion, Tho­mas‘ Sohn Hanno, ver­spricht für die Firma keine Ret­tung. Der finale Strich unter der Fami­li­en­chro­nik rückt so unauf­halt­sam näher.

Natür­lich ist es unmög­lich, einen Wäl­zer von über 700 Sei­ten unge­kürzt in etwas mehr als drei Stun­den Thea­ter zu ver­pa­cken. Das erwar­tet wahr­schein­lich auch nie­mand. Von Düf­fel wagt einen moder­ni­sier­ten Blick auf die Vor­lage und kon­zen­triert sich in sei­ner Fas­sung auf ver­schie­dene Kern­ele­mente in der Genera­tion um Tho­mas, Tony und Chris­tian. Ihre innere Zer­ris­sen­heit, die see­li­schen Abgründe und Sor­gen wer­den durch Mono­loge, durch von den Figu­ren selbst vor­ge­le­sene Roman­pas­sa­gen und eine mit­rei­ßende Büh­nen­spra­che auf­ge­ar­bei­tet. Die Schau­spie­ler (unter ande­rem Guido Gall­mann als Tho­mas, Alex­an­der Swo­boda als Chris­tian und Karin Enz­ler als Tony) agie­ren so leb­haft und prä­sent, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzu­se­hen. Und wäh­rend die Die­len des Lübe­cker Par­kett­bo­dens immer wei­ter aus­ein­an­der drif­ten, umher geschmis­sen, getre­ten und gewir­belt wer­den, und gleich­zei­tig von der Decke die blei­schwe­ren, ehr­furcht­ge­bie­ten­den Kir­chen­glo­cken wei­ter und wei­ter nach unten sin­ken, zer­fällt die Fami­lie Buddenbrook.
Das mit anzu­se­hen, ist ergrei­fend. So ergrei­fend, dass auf dem Heim­weg durchs Bre­mer Sze­ne­vier­tel manch einer ver­kün­det, sich nun erst ein­mal sam­meln zu müs­sen. Bevor es dann viel­leicht wei­ter­ge­hen kann mit mehr Thea­ter. So ist das mit der Bre­mer Freiheit.

Wei­tere Termine:

So. 25. Okto­ber: Peter Gri­mes / Ver­zehrt (Con­su­med)
Di. 27. Okto­ber: Peter Grimes
Mi. 28. Okto­ber: Einer flog über das Kuckucks­nest (Vor­auf­füh­rung)
Do. 29. Okto­ber: Rigoletto
Fr. 30. Okto­ber: Anna Karenina
Sa. 31. Okto­ber: Rigo­letto / Einer flog über das Kuckucksnest

Mehr Infor­ma­tio­nen und wei­tere Pro­gramm­punkte gibt es unter:
www​.thea​ter​bre​men​.de/​b​r​e​m​e​r​f​r​e​i​h​eit

Fotos: Jörg Landsberg

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