Bilderbuch aus dem Baukasten „Der Hase ohne Nase“

by Seitenkünstler Aaron

Cover Der Hase ohne Nase

„Der Hase ohne Nase“ von Anna­bel Lam­mers und Han­neke Sie­mensma bie­tet ein durch­aus gefäl­li­ges Bil­der­buch, an dem Sei­ten­künst­ler Aaron Makel, aber auch Fein­hei­ten ent­deckt hat.

Ein Hase wird von den Wald­tie­ren aus­ge­lacht und ent­deckt beim (obli­ga­to­ri­schen) Blick in den Teich, dass er keine Nase hat. Nach einer Sinn­su­che und dem Fin­den des Frie­dens mit sich selbst wird er von einem Mäd­chen auf­ge­nom­men, das ihn liebt und mit ihm nach einem pas­sen­den Knopf sucht.

Die auf den ers­ten Blick zucker­süße Geschichte mit einer hoff­nungs­vol­len Bot­schaft für Mar­gi­na­li­sierte ent­puppt sich beim Ver­such, den Inhalt genauer zu erfas­sen, als skur­ri­les Gemisch ver­schie­de­ner Kinderbuchklischees.

Meh­rere Motive wer­den bruch­stück­haft anein­an­der­ge­reiht: Der ver­sehrte Außen­sei­ter wird aus­ge­lacht, der Außen­sei­ter fin­det den Frie­den mit sich selbst, ein ver­lo­re­nes Kuschel­tier wird gefun­den und geliebt. Zu guter Letzt erfolgt die Hei­lung des Makels, der bis dahin als gege­ben akzep­tiert wurde. Das Kuschel­tier wird repa­riert und schnup­pert auf der letz­ten Seite glück­lich an Mai­glöck­chen. (Anmer­kung der Redak­tion: Mai­glöck­chen sind gif­tig und nicht geeig­net für Hasen oder Kinder.)

Dabei tre­ten meh­rere Brü­che auf, die eine inkon­se­quente Erzäh­lung mit sich bringt: Kann der Hase ohne Nase denn schon rie­chen, dass das Mäd­chen nach Gän­se­blüm­chen duf­tet? Er kann schließ­lich schon Dinge spü­ren, nur wie soll das mit dem Geruchs­sinn ohne Nase funk­tio­nie­ren? Zunächst ist der Hase ein emp­find­sa­mes Tier unter Tie­ren im Wald. Die Tier­ge­schichte endet jäh, als der Hase gefun­den und als Kuschel­tier behan­delt wird. Befremd­lich ist, dass das bis zur Hälfte des Buches eigen­stän­dige und emp­find­same Wesen gewa­schen wird, an den Ohren auf­ge­hängt und spä­ter einen Knopf ange­näht bekommt.

Die col­la­gierte Zusam­men­set­zung der Geschichte ist inter­es­san­ter als die Inhalte an sich. Sie erin­nert an das sprung­hafte Erzäh­len von Kin­der­gar­ten­kin­dern. Das Buch bie­tet zugleich meh­rere Ansätze für ver­schie­dene Les­ar­ten, aber es bleibt die Frage, wel­che Aus­sage es eigent­lich tref­fen will: Sollte der Hase seine Nasen­lo­sig­keit akzep­tie­ren und lie­ben ler­nen oder für den Rest sei­nes Daseins Pro­the­sen tragen?

Gut gelun­gen ist hin­ge­gen die gesamte Gestal­tung: Der Titel ist grif­fig, die Illus­tra­tio­nen trans­por­tie­ren eine gefühl­volle Stim­mung und die Haupt­fi­gur ist lie­bens­wür­dig erdacht.

Die Bewer­tung die­ses Kin­der­buchs, das wie aus dem Bau­kas­ten wirkt, ist schwie­rig. Für erfah­rene, erwach­sene Leser*innen stel­len sich gänz­lich andere Ansprü­che an das Werk als für Kin­der. Das Kind (4 Jahre alt), dem hier­für das Buch vor­ge­le­sen wurde, mochte das Buch und fand beson­de­res Gefal­len an den schö­nen Bil­dern und an der Stelle, an wel­cher der Hase von dem Mäd­chen gefun­den wird.

Der Hase ohne Nase. Text: Anna­bel Lam­mers. Illus­tra­tion: Han­neke Sie­mensma. Bohem Ver­lag. 2021. BK-Alters­emp­feh­lung: ab 4 Jahren.

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