Beile, Bärte und Blutrache

by Fabelforscher Christian

„Der Ver­bannte“ von Erik Kriek führt die Lese­rin­nen und Leser ins mit­tel­al­ter­li­che Island, als dort noch die Wikin­ger herrsch­ten. Fabel­for­scher Chris­tian hat sich an Bord eines ihrer Dra­chen­boote geschli­chen und ist heim­lich mit an Land gegangen.

Die Wikin­ger­zeit beginnt mit dem Über­fall des angel­säch­si­schen Klos­ters Lin­dis­farne und dau­ert bis ins Jahr 1066, in dem sowohl der Nor­man­nen­her­zog Wil­liam the Con­queror Eng­land erobert, als auch die bedeu­tende Wikin­ger­stadt Hait­habu end­gül­tig ver­nich­tet wird. Mit­ten in die­ser Zeit­spanne, im 10. Jahr­hun­dert, spielt die Geschichte von „Der Verbannte“.

Inhalt­lich

Der Prot­ago­nist Hall­stein Thords­son kehrt nach sie­ben­jäh­ri­ger Ver­ban­nung in seine Hei­mat Island zurück. Sein Vater ist mitt­ler­weile gestor­ben und so bewirt­schaf­tet seine noch junge Stief­mut­ter Solveig den elter­li­chen Hof weit­ge­hend auf eigene Faust, wäh­rend ihr Einar Ragnars­son, der Sohn eines wohl­ha­ben­den Bau­ern, fort­wäh­rend Avan­cen macht. Hall­steins ein­zi­ger Wunsch ist es, die Ver­gan­gen­heit – wäh­rend sei­ner Ver­ban­nung hat er sich als Söld­ner ver­dingt – hin­ter sich zu las­sen und ein fried­li­ches Leben als Bauer zu füh­ren. Doch obwohl er seine Strafe ver­büßt hat, kochen alte Feh­den, Rache­ge­lüste und Hass wie­der hoch. Ehe er sich ver­sieht, steckt er wie­der bis zum Hals in einem Morast aus Gewalt und Blutvergießen.

Auch wenn „Der Ver­bannte“ ohne hoch­kom­plexe Hand­lung daher­kommt und die Geschichte recht linear ver­läuft, ist die Lek­türe den­noch span­nend und kurz­wei­lig. Wich­tige Fra­gen wer­den erst nach und nach – teil­weise in Alb­träu­men Hall­steins – beant­wor­tet: Warum wurde er ver­bannt? Ist er schul­dig? Wel­che (ver­steck­ten) Absich­ten ver­fol­gen die ver­schie­de­nen Figu­ren tatsächlich?

Von außen betrachtet

Der Band ist hoch­wer­tig gestal­tet und beson­ders erwäh­nens­wert ist das Glos­sar am Ende, das ver­schie­dene Begriff­lich­kei­ten wie zum Bei­spiel Thrall oder Skja­ld­borg erklärt. Der Stil der Illus­tra­tio­nen erin­nert stark an Farb­holz­schnitte, wodurch gra­fisch die Brü­cke in die Ver­gan­gen­heit geschla­gen wird, ohne jedoch alt­ba­cken zu wir­ken – Erik Kriek ver­steht sein Handwerk.

Der Ver­bannte. Erik Kriek. Aus dem Nie­der­län­di­schen von Kat­rin Herz­berg. Avant-Ver­lag. 2019.

„Der Ver­bannte“ ist im unab­hän­gi­gen Avant-Ver­lag erschie­nen. Mehr zu Comics aus unab­hän­gi­gen Ver­la­gen fin­det ihr hier.

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