Achtsamkeit für (Klein-)Kinder „Schlafanzug-Yoga“ und „Worte, die mich stark und mutig machen“

by Satzhüterin Pia

Momente wahr­neh­men, sie bewusst erle­ben, im Hier und Jetzt sein und sich der eige­nen Gedan­ken, Emo­tio­nen und Kör­per­lich­keit bewusst­wer­den: Das alles bedeu­tet Acht­sam­keit. Dabei ist es nicht nur ein Trend und Hash­tag bei Insta­gram, son­dern auch schon für kleine Kin­der eine wich­tige Erfah­rung, inne­zu­hal­ten und sich des eige­nen Bewusst­seins klar­zu­wer­den. Zwei unter­schied­li­che Kin­der­bü­cher zum Thema Acht­sam­keit stel­len Worte­we­be­rin Annika und Satz­hü­te­rin Pia vor.

„Schlafanzug-Yoga“ von Katharina E. Volk und Antje Flad

Cover Schlafanzug-YogaNamaste! Satz­hü­te­rin Pia macht seit Jah­ren „Gele­gen­heit­s­yoga“ und ihre zwei­ein­halb­jäh­rige Toch­ter fin­det es mit jedem Mal span­nen­der, dabei zuzu­se­hen und ver­sucht auch gerne mit­zu­ma­chen. Wie geru­fen kam da das Buch „Schlaf­an­zug-Yoga“, das Kin­dern im Kin­der­gar­ten­al­ter ein Abend­ri­tual näher­brin­gen möchte, um zur Ruhe zu kom­men. Die darin erzählte ent­span­nende Fan­ta­sier­eise wird durch „kin­der­leichte“ Übun­gen beglei­tet und sowohl in Wor­ten beschrie­ben als auch in Bil­dern gezeigt.

Von Seite zu Seite rei­sen die Kin­der durch die Geschichte, die ihnen die Eltern vor­le­sen kön­nen und ahmen die Übun­gen nach. Das funk­tio­niert auch schon für unter Drei­jäh­rige gut – das tat­säch­li­che Abend­ri­tual mit der ent­spre­chen­den Ruhe für die Geschichte und das Inne­hal­ten bekom­men aber eher Kin­der ab vier Jah­ren gut hin. Ein schö­nes Gim­mick ist das Pos­ter, das den Kreis­lauf der Übun­gen dar­stellt. So kann auch ohne Buch die abend­li­che Runde stattfinden.

Die Illus­tra­tio­nen sind nied­lich und far­ben­froh. So einige Details kön­nen die Kin­der auf den Sei­ten ent­de­cken – beson­ders kleine Tiere wie Mäuse, Schmet­ter­linge oder ähn­li­ches. Die Motive selbst ori­en­tie­ren sich an den Übun­gen und deren Namen. „Der Tiger“ wird also in einer grü­nen Dschun­gel­welt gezeigt, „Die Robbe“ dage­gen in einer fros­ti­gen Eis­schol­len-Umge­bung. Das kleine Mäd­chen, das Betrachter:innen durch die Übun­gen und die Fan­ta­sier­eise führt, befin­det sich dabei immer auf einer gel­ben Yoga-Matte und am Rand der bun­ten Dop­pel­sei­ten sind die Übun­gen als eine Art Notiz­zet­tel im Detail abge­bil­det und mit zusätz­li­chen Beschrei­bun­gen versehen.

Kin­der kön­nen mit die­sem Buch, das in Zusam­men­ar­beit mit der zer­ti­fi­zier­ten Kin­der-Yoga­leh­re­rin Kim Witt ent­stan­den ist, ler­nen, inne­zu­hal­ten und auch ein­fach mal ein paar Minu­ten rich­tig still­zu­sit­zen. Nach einem anstren­gen­den Kin­der­gar­ten­tag kann das sehr gut­tun. Vor allem aber kann es eine erste bewusste Kör­per­er­fah­rung sein. Bei Kin­dern unter vier Jah­ren kön­nen da anfangs noch die einen oder ande­ren Kno­ten in Beine und Arme gera­ten, aber – typisch Kin­der – die Klei­nen ler­nen schnell!

Schlaf­an­zug-Yoga: Kin­der­leicht zur Ruhe kom­men! Katha­rina E. Volk, Antje Flad. Cop­pen­rath. 2022. Ab 4 Jahren.

„Worte, die mich stark und mutig machen“

Übun­gen für mehr Selbst­ver­trauen ver­spricht das Bil­der­buch von Becky Cum­mings mit Illus­tra­tio­nen von Anja Grote. Mög­lich gemacht wird das durch „Zau­ber­sprü­che“, kurze Man­tras, die Kin­der bekräf­ti­gen und im Jetzt ver­an­kern sol­len. Aber wie genau funk­tio­niert diese acht­same Bil­der­buch­ma­gie? Becky Cum­mings glaubt an die Kraft der Worte:

„Die Worte haben Superkraft!

Drum sage dir: „Ich bin …!“, und dann

ein star­kes Wort, so fabelhaft,

dass es dich leuch­ten las­sen kann!“

Nach Sät­zen wie „Ich bin ein­zig­ar­tig!“, „Ich werde geliebt!“ oder „Ich ent­spanne mich!“ fol­gen gereimte Vier­zei­ler, die von pas­sen­den Illus­tra­tio­nen beglei­tet wer­den. Die Reime erfül­len unter­schied­li­che Funk­tio­nen: Teil­weise sind sie nur bekräf­ti­gend, zum Bei­spiel, wenn es darum geht, dass das Kind wun­der­bar, inner­lich schön oder lie­bens­wert ist. Andere Sei­ten geben Kin­dern Tipps auf den Weg, wie zum Thema Ent­span­nung, wo ruhi­ges Ein- und Aus­at­men emp­foh­len wird. Auch die Dop­pel­seite über Dank­bar­keit funk­tio­niert auf diese Weise. Hier wird emp­foh­len, für gutes Essen, lie­be­volle Men­schen und fröh­li­che Erleb­nisse dank­bar zu sein, ein Schritt auf dem Weg zur Acht­sam­keit. Diese Sei­ten sind mei­ner Mei­nung nach gelungen.

Anders sieht es für mich mit den Man­tras aus, die über bloße Tipps hin­aus­ge­hen und rich­tig­ge­hend beleh­rend wir­ken: Sätze wie „sage DANKE stets und BITTE.“ gehö­ren für mich nicht in ein Buch über Selbst­ver­trauen und Acht­sam­keit. Noch weni­ger funk­tio­niert für mich die Dop­pel­seite unter dem Titel „Ich bin gesund!“, gleich aus meh­re­ren Grün­den. Einer­seits ist auch diese Seite beleh­rend – und auch wenn gesunde Ernäh­rung ein wich­ti­ges Thema ist, passt es für mich nicht in die­sen Kon­text. Ande­rer­seits ist der Vier­zei­ler hier min­des­tens in der Über­set­zung reich­lich wacke­lig geraten.

„Gemüse, Obst, das isst du gern,

voll Lebens­kraft vom Stiel zum Kern!

Stets Süßes macht dich schlapp, doch mit

viel Vit­ami­nen bleibst du fit!“

Und: Wie wirkt das Man­tra auf Kin­der, die nicht gesund sind, son­dern an schwe­ren Krank­hei­ten lei­den und das Selbst­ver­trauen doch trotz­dem nötig haben? Auf sie dürfte die Dop­pel­seite eher aus­gren­zend wir­ken. Auch das wirkt nicht ganz durchdacht.

Trotz­dem ist das Bil­der­buch bis auf einige Dop­pel­sei­ten ein gutes Mit­tel, um mit Kin­dern ins Gespräch zu kom­men und einen acht­sa­men Umgang mit sich selbst zu ent­wi­ckeln. Becky Cum­mings stellt dem Buch einige Lese­tipps voran, an denen man sich beim Vor­le­sen ori­en­tie­ren kann, wie zum Bei­spiel die Man­tras mit Bewe­gun­gen zu kom­bi­nie­ren und Anschluss­kom­mu­ni­ka­tion zu füh­ren. Das scheint mir nütz­lich, damit die „Zau­ber­sprü­che“ ver­in­ner­licht wer­den. Auf der letz­ten Seite kann man schließ­lich noch ein Foto ein­kle­ben, um das Buch zu personalisieren.

Die Illus­tra­tio­nen von Anja Grote zei­gen die Kin­der oft in unter­schied­li­chen Situa­tio­nen in der Natur. Sie sind schön far­ben­froh gera­ten, hät­ten aber gerne noch diver­ser aus­fal­len kön­nen: Die meis­ten der abge­bil­de­ten Kin­der sind weiß, nur auf einer Dop­pel­seite ist eine Schwarze Mut­ter mit ihrer Toch­ter zu sehen. Auch Kin­der mit Beein­träch­ti­gun­gen sind nicht dargestellt.

Worte, die mich stark und mutig machen. Text: Becky Cum­mings. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Anna Taube. Illus­tra­tion: Anja Grote. Loewe Natur­kind. 2021. Ab 4 Jahren.

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