„Ach, meine über alles geliebte Königin“

by Bücherstadt Kurier

Wie weit bist du bereit, für dei­nen Gott zu gehen? Oder: der schmale Grat zwi­schen Glaube und Fana­tis­mus. Dies bil­det die Grund­lage des Jugend­thril­lers „Fana­tisch“ von Patri­cia Schrö­der. – Von Bücher­städ­te­rin Jasmin

Don­ners­tag, 29. Juni: Die sieb­zehn­jäh­rige Mus­lima, die aus kei­ner streng gläu­bi­gen Fami­lie kommt, hat Freunde, einen klei­nen Bru­der sowie einen klei­nen Jack Rus­sel Ter­rier namens Mis­ter Ibra­him, doch vor allem hat Nara ein nor­ma­les Leben.

Das Chaos beginnt erst, als sie einen Zet­tel in ihrer Jacken­ta­sche fin­det, auf dem „Stelle dich nie­mals gegen den Gött­li­chen Wil­len! Es könn­ten furcht­bare Dinge gesche­hen.“ (S. 24) steht. Danach befin­det sich Naras Leben in einer ein­zel­nen Abwärts­spi­rale. Wer ihr die Bot­schaft auch immer zuge­steckt hat, der meint es ernst, denn Nara bekommt auch wei­ter­hin sol­che Nach­rich­ten und auch ihr Hund ist unauf­find­bar. Als sie schließ­lich in einem Ver­lies erwacht, scheint sie auch das letzte Stück­chen Kon­trolle ver­lo­ren zu haben. Ohne jeg­li­che Ahnung, was vor sich geht, stol­pert Nara nach sechs Tagen wie­der zurück in ihr vor­he­ri­ges Leben – stumm und dar­auf war­tend, wei­tere Anwei­sun­gen zu erhalten.

„Sechs Gaben habe ich (haben wir) durch­lau­fen. Aber damit ist das Ganze noch nicht zu Ende. Denn es feh­len noch drei. Und die haben alle mit Ster­ben, Trauer und Tod zu tun.“ (S. 218)

Mit die­sem Buch spricht die Autorin ein äußerst unge­wöhn­li­ches, aber doch aktu­el­les Thema über Fana­tis­mus sowie Aus­län­der­feind­lich­keit an. Geschrie­ben wird haupt­säch­lich aus der Sicht von Nara, zwi­schen­durch wird aber die Sicht des Pei­ni­gers sowie ver­mut­lich die Sicht ihres eben­falls ver­misst gemel­de­ten Freun­des Jamie geschil­dert, was den Lesern einen guten Rund­um­blick bietet.

Auch wenn der Anfang äußerst inter­es­sant wirkt, lässt die Span­nung schnell nach. Trotz­des­sen kam die Auf­lö­sung für mich voll­kom­men über­ra­schend, was einen schö­nen Abschluss bil­dete. Nara an sich ist ein recht gewöhn­li­cher Cha­rak­ter und mir an man­chen Stel­len etwas zu naiv. Ich hätte mir die Geschichte gerne aus der Sicht eines ande­ren Cha­rak­ters gewünscht, den ich um eini­ges inter­es­san­ter fand. Die Bot­schaft des Buches, die ich an die­ser Stelle nicht ver­ra­ten werde, ist uner­war­tet, was zu einem schö­nen Abschluss führt.

Zusam­men­fas­send muss ich sagen, dass viel mehr Poten­tial vor­han­den war, wel­ches nicht ganz aus­ge­schöpft wurde, was eigent­lich schade ist. Die Idee hin­ter „Fana­tisch“ gefällt mir aber.

Fana­tisch. Patri­cia Schrö­der. Cop­pen­rath. 2018.

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