Abschied von einer Lieblingsbuchhandlung Themenreihe: Lieblingsbuchhandlung

by Zeilenschwimmerin Ronja

Manch­mal ist es an der Zeit, von lieb­ge­won­nen Orten Abschied zu neh­men. Zei­len­schwim­me­rin Ronja hat ihre Lieb­lings­buch­hand­lung ver­lo­ren, die seit den Anfän­gen ihrer Lese­kar­riere für all ihre Buch­be­dürf­nisse da war.

Meine Lieb­lings­buch­hand­lung gibt es nicht mehr. Mitt­ler­weile schon seit eini­gen Jah­ren. Sie befand sich in einem alten, etwas schie­fen Fach­werk­haus, war klei­ner als man­che Ein­zim­mer­woh­nung, aus­ge­stat­tet mit zusam­men­ge­wür­fel­tem Mobi­liar (ver­mut­lich war es mal in den 90ern neu) und ziem­lich voll­ge­stopft. Sie war etwas christ­lich und eso­te­risch ange­haucht und wurde von einer ruhi­gen Inha­be­rin geführt, unter­stützt von zwei freund­li­chen Ange­stell­ten. Direkt Charme hatte die Buch­hand­lung nicht, aber man konnte sich dort wohl­füh­len – etwas, das man von der über­le­ben­den kon­kur­rie­ren­den Buch­hand­lung in mei­ner Hei­mat­stadt nicht behaup­ten kann. In mei­ner Lieb­lings­buch­hand­lung habe ich jah­re­lang fast alle meine Bücher gekauft, von den Anfän­gen mei­ner Lese­kar­riere bis zu mei­nem Umzug fürs Stu­dium. Dort habe ich auch mein Schul­prak­ti­kum gemacht.

Das Ende kam nicht über­ra­schend. Es hat sich schon län­ger abge­zeich­net. Die kon­kur­rie­rende Buch­hand­lung hatte die deut­lich bes­sere Lage – direkt am Markt­platz und nicht erst in der Sei­ten­straße –, grö­ßere Schau­fens­ter, mehr Laden­flä­che, keine Trep­pen­stu­fen vor und im Laden, aber vor allem: Sie war von Beginn an moder­ner. In mei­ner Lieb­lings­buch­hand­lung stan­den jah­re­lang die­sel­ben Bücher. Ich könnte schwö­ren, dass ich dort noch wenige Monate vor der Schlie­ßung Bücher ste­hen sah, die schon wäh­rend mei­nes Prak­ti­kums da waren (und wäh­rend mei­nes Prak­ti­kums im Jahr 2008 musste ich ein­mal Bücher umeti­ket­tie­ren, die noch DM-Preise hat­ten). Einen Inter­net­auf­tritt konnte man lange suchen und geni­a­lo­kal[1] schloss sich die Buch­hand­lung auch nicht an. Schließ­lich wur­den Lücken in den Rega­len nicht wie­der auf­ge­füllt, nur wenige Neu­erschei­nun­gen lagen noch auf den Tischen.

Zum Abschied habe ich einen Brief an die Buch­hand­lung geschickt, um mich zu bedan­ken. Meine Lieb­lings­buch­hand­lung war nicht meine Lieb­lings­buch­hand­lung, weil sie die größte, schönste oder best­sor­tierte Buch­hand­lung war, die ich je betre­ten habe. Sie war meine Lieb­lings­buch­hand­lung, weil sie mit Büchern ver­knüpft war, die ich gele­sen hatte, und vor allem mit Erinnerungen.

Mitt­ler­weile habe ich viele grö­ßere, schö­nere, bes­ser aus­ge­stat­tete oder bes­ser sor­tierte Buch­hand­lun­gen betre­ten. In Bre­men habe ich mich in zweien davon beson­ders wohl gefühlt, optisch, mensch­lich und lite­ra­risch. Hier also zwei Emp­feh­lun­gen für alle Bremer*innen unter euch: die Buch­hand­lung Balke in der Neu­stadt und die Buch­hand­lung Storm in der Innenstadt.

[1] geni­a­lo­kal ist eine Online­platt­form, über die ihr Bücher online bestel­len könnt, damit ihr nicht bei den gro­ßen Inter­ne­t­rie­sen kau­fen müsst. Die beste Funk­tion der Platt­form für ört­li­che Buch­hand­lun­gen ist aber: Wenn ihr eine Buch­hand­lung um die Ecke habt, die bei geni­a­lo­kal regis­triert ist, könnt ihr das Buch an die Buch­hand­lung sen­den las­sen und dort abho­len. Dann bekommt eure Buch­hand­lung auch einen Teil vom Gewinn. Oder ruft doch ganz alt­mo­disch ein­fach bei eurer Buch­hand­lung des Ver­trau­ens an. 😉

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