21 für 21

by Fabelforscher Christian

Zu Beginn des Jah­res hat sich Fabel­for­scher Chris­tian eine Liste mit Büchern ange­legt, die er die­ses Jahr lesen wollte – die ulti­ma­tive 21-für-21-Challenge!

21 Bücher für 2021Ange­fan­gen hat alles im Dezem­ber 2019, als Worte­we­be­rin Annika mich dazu über­re­dete, mir für 2020 eine Liste mit 20 Büchern zu über­le­gen, die ich dann das Jahr über lesen könnte – die 20-für-20-Chal­lenge war gebo­ren. Nun muss ich lei­der zuge­ben, dass das ganze Unter­fan­gen von Anfang an alles andere als rund lief und als dann im Som­mer auch noch unser Sohn gebo­ren wurde, war es mit dem Abar­bei­ten der Liste völ­lig vor­bei. Aber ein Fabel­for­scher wäre kein Fabel­for­scher, würde er den Ver­such nicht wie­der­ho­len. Ganz wie in der Wis­sen­schaft: ein­mal ist kein­mal, zwei­mal ist Zufall und drei­mal gibt noch keine schöne Statistik!

Für 2021 wollte ich den Ver­such also wie­der­ho­len, dies­mal natür­lich mit 21 Büchern, 20 für 21 klingt ja irgend­wie doof. Also wuselte ich durch die Woh­nung auf der Suche nach Büchern der Kate­go­rie „Würde ich gerne mal lesen, aber nicht gerade jetzt“. Um nicht Gefahr zu lau­fen, wie­der mit Pau­ken und Trom­pe­ten unter­zu­ge­hen, besorgte ich mir auch noch ein paar Exem­plare der Marke „Sowas wie dich les ich zum Früh­stück“ und „Oh mein Gott, dar­auf hab ich schon so lange gewar­tet“ (*hüs­tel „Die Kin­der des Wüs­ten­pla­ne­ten“ *hüs­tel) aus dem öffent­li­chen Bücher­schrank oder beim loka­len Buch­händ­ler mei­nes Vertrauens.

Kurz vor Sil­ves­ter war es dann soweit, die Liste war fer­tig. Ich türmte alles auf­ein­an­der und siehe da, der Sta­pel ging mir bei­nahe bis zur Hüfte – ob ich mich nicht doch ein wenig über­nom­men hatte?

Für alle, die den Kopf nicht dre­hen möchten/können, hier die kom­plette 21-für-21-Liste:

  • „Fak­to­tum“ (Charles Bukowski)
  • „Das Erbe der Elfen“ (Andrzej Sapkowski)
  • „Die Kin­der des Wüs­ten­pla­ne­ten“ (Frank Herbert)
  • „Der Fremde“ (Albert Camus)
  • „Im Wes­ten nichts Neues“ (Erich Maria Remarque)
  • „Kon-Tiki“ (Thor Heyerdahl)
  • „Mord in Meso­po­ta­mien” (Aga­tha Christie)
  • „Mit offe­nen Kar­ten“ (Aga­tha Christie)
  • „Fata Mor­gana“ (Aga­tha Christie)
  • „Der Ball spie­lende Hund“ (Aga­tha Christie)
  • „Das Geheim­nis der Gold­mine“ (Aga­tha Christie)
  • „Der letzte Joker“ (Aga­tha Christie)
  • „Die Farm der Tiere“ (George Orwell)
  • „Der Ver­dacht“ (Fried­rich Dürrenmatt)
  • „Das gelbe M“ (Edgar P. Jacobs)
  • „Blade Run­ner” (Philip K. Dick)
  • „Der Münch­ner im Him­mel“ (Lud­wig Thoma)
  • „Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Reise in die Arme einer Schickse“ (Tho­mas Meyer)
  • „Atlas der unent­deck­ten Län­der“ (Den­nis Gastmann)
  • „Der Name der Rose“ (Umberto Eco)
  • „Insel der ver­lo­re­nen Erin­ne­rung“ (Yoko Ogawa)

Um das ganze hier nicht aus­ar­ten zu las­sen, werde ich nur ganz kurz auf die ein­zel­nen Titel eingehen.

„Fak­to­tum“

Henry Chi­na­ski ist wie­der da! Nach sei­nem gran­dio­sen Auf­tritt in „Der Mann mit der Leder­ta­sche“ kann man ihm hier abseits sei­nes Lebens als Post­an­ge­stell­ter fol­gen, wie er im Voll­rausch einen Job nach dem ande­ren ver­mas­selt und dabei sich und sei­nem Traum, Schrift­stel­ler zu wer­den, treu bleibt. Bukow­ski vom Feinsten.

„Das Erbe der Elfen“

Das erste Buch aus der Reihe, auf der die „Witcher“-Computerspiele und die ent­spre­chende Net­flix-Serie basie­ren. In mei­ner unend­li­chen Weis­heit bin ich in die Video­spiel­reihe mit „Wit­cher III“ ein­ge­stie­gen und ver­stand von der Story nur eines: Bahn­hof! Um Abhilfe zu schaf­fen, nahm ich also das Buch zur Hand und fand es durch­aus span­nend und unter­halt­sam – der zweite Band liegt schon bereit. Als ich dann auch noch gese­hen habe, dass alle fünf Bände im Regal ein porn­ö­ses Rücken­mo­tiv bil­den, hat mir mein klei­ner Nerd im Ohr deut­lich zu ver­ste­hen gege­ben: Diese fünf Bücher sind ein Must-have.

„Die Kin­der des Wüstenplaneten“

Der dritte Teil des Buch­zy­klus‘ rund um den Wüs­ten­pla­ne­ten. Nicht ganz so gut wie „Der Wüs­ten­pla­net“, aber bes­ser als „Der Herr des Wüs­ten­pla­ne­ten“. Trotz sei­ner knapp 600 Sei­ten war die­ser Lis­ten­punkt in weni­gen Tagen abge­hakt. Für die nächste Chal­lenge ist der vierte Band auf jeden Fall gesetzt. Das Spice muss fließen!

„Der Fremde“

Ein Buch, das auf vie­len „Sollte man mal gele­sen haben“-Listen weit vorne steht. Mein Fazit: Sollte man mal gele­sen haben.

„Im Wes­ten nichts Neues“

Ich hatte mir das Buch irgend­wie anders vor­ge­stellt: düs­te­rer, alt­mo­di­scher, schwe­rer zu lesen. Was ich dann in Hän­den hielt, las sich span­nend und war so fes­selnd, dass ich kaum auf­hö­ren wollte zu lesen. Die atmo­sphä­risch dich­ten Schil­de­run­gen des Gesche­hens an der West­front im ers­ten Welt­krieg haben mich tat­säch­lich tief bewegt und die Cha­rak­tere sind mir der­art ans Herz gewach­sen, dass ich mehr­mals ein paar Trä­nen ver­gie­ßen musste.

„Kon-Tiki“

Nicht ein­fach eine sach­li­che Schil­de­rung des Ablaufs der Kon-Tiki-Expe­di­tion, die auf einem Bal­sa­floß von Süd­ame­rika nach Poly­ne­sien führte, son­dern eine span­nende Aben­teu­er­ge­schichte, die mich voll in ihren Bann gezo­gen hat.

„Mord in Meso­po­ta­mien“, „Mit offe­nen Kar­ten“, „Fata Mor­gana“, „Der Ball spie­lende Hund“, „Das Geheim­nis der Gold­mine“, „Der letzte Joker“

Um nicht in die glei­che Falle zu tap­pen wie letz­tes Jahr, habe ich für 2021 auch ein paar Bücher auf die Liste genom­men, die ich ohne­hin gele­sen hätte. Also durf­ten Her­cule Poi­rot, Miss Marple und Super­in­ten­dent Battle gleich mehr­mals ran. Wor­auf ich beson­ders stolz bin: In „Der Ball spie­lende Hund“ habe ich zum ers­ten Mal auf das rich­tige Pferd gesetzt und den Fall kor­rekt gelöst (wenn auch nicht so detail­liert und logisch wie Poi­rot). Ansons­ten gibt es nicht viel zu den sechs Büchern zu sagen; wer Aga­tha Chris­tie mag, wird auch diese Bücher mögen. Für mich die per­fekte lite­ra­ri­sche Unter­hal­tung für zwischendurch.

„Die Farm der Tiere“

Russ­land ist ein eng­li­scher Bau­ern­hof, der Bauer die herr­schende Klasse, Lenin ist ein Schwein, Sta­lin auch, Pferde sind die Arbei­ter und Hunde die Geheim­po­li­zei. So oder so ähn­lich könnte man die Aus­gangs­lage der Geschichte ver­ein­facht zusam­men­fas­sen (die Namen sind selbst­ver­ständ­lich geän­dert). Kurz­wei­lige und sati­ri­sche Alle­go­rie auf den Kom­mu­nis­mus und seine zuneh­men­den Abartigkeiten.

„Der Ver­dacht“

Nach „Der Rich­ter und sein Hen­ker“ der zweite Fall von Kom­mis­sar Bär­lach. Im Kran­ken­haus erfährt Bär­lach von dem Ver­dacht, der Chef­arzt einer nahen Pri­vat­kli­nik könnte ein ehe­ma­li­ger KZ-Arzt sein, der seine unmensch­li­chen und sadis­ti­schen Expe­ri­mente an sei­nen schwer­rei­chen Pati­en­ten fort­führt. Kur­zer­hand lässt er sich in besagte Kli­nik ver­le­gen, um Ermitt­lun­gen anzu­stel­len. Typisch für Dür­ren­matt kein Allerweltskrimi.

„Das gelbe M“

Der dritte Band der „Blake und Mortimer“-Reihe von Edgar P. Jacobs. In mei­nen Augen nicht ganz so stark wie die Vor­gän­ger, ins­be­son­dere „Der Kampf um die Welt“, aber trotz­dem abso­lut lesens­wert. Zu den Rezen­sio­nen zu wei­te­ren Titeln der Reihe geht es hier und hier.

„Blade Run­ner“

Die Roman­vor­lage aus der Feder von Philip K. Dick zum gleich­na­mi­gen Kino­film von Rid­ley Scott. Beide han­deln vom Repli­kan­ten jagen­den Blade Run­ner Rick Deckard, das Buch geht jedoch in vie­len Din­gen wei­ter und ist viel­schich­ti­ger als der Film. Beide sind aber lesens- und sehenswert.

„Der Münch­ner im Himmel“

Kurze Geschich­ten aus der bay­ri­schen Pro­vinz und dem Zen­trum des Bay­ern­tums auf Erden: Mün­chen (oder Minga, wie der wasch­echte Baju­ware es nennt). Wer keine bay­ri­sche Mund­art lesen kann oder kei­nen – nen­nen wir ihn rus­ti­ka­len – Humor ver­steht, der sollte sich hier lie­ber zurück­hal­ten. Für alle ande­ren: Viel Spaß beim Schmunzeln!

„Wol­ken­bruchs wun­der­li­che Reise in die Arme einer Schickse“

Ent­ge­gen mei­ner sonst übli­chen Vor­ge­hens­weise habe ich hier erst den Film gese­hen und bin dadurch über­haupt erst auf das Buch auf­merk­sam gewor­den. Humor­voll schil­dert Tho­mas Meyer die klei­nen und immer grö­ßer wer­den­den All­tags­pro­bleme des jun­gen Juden Motti Wol­ken­bruch auf sei­nem Weg in die Arme der titel­ge­ben­den Schickse. Das Buch hat mich nicht nur wun­der­bar unter­hal­ten, son­dern mir auch vor Augen geführt, wie wenig ich eigent­lich über das Leben und die Bräu­che unse­rer jüdi­schen Mitbürger:innen weiß. Für mich eine Ein­la­dung, mehr in die­ser Rich­tung zu lesen.

„Atlas der unent­deck­ten Länder“

Auf das Buch auf­merk­sam gewor­den bin ich bei einer Lesung des Autors Denis Gast­mann. Mit vie­len kur­zen Anek­do­ten und Bil­dern von sei­nen Rei­sen und sehr humor­voll hat er uns durch den Abend geführt, sodass ich gar nicht anders konnte, als das Buch lesen zu wol­len. Fazit: ein tol­les Buch für alle, die sich auch abseits der gro­ßen Tou­ris­ten­ziele für die weite Welt inter­es­sie­ren. Pro­bleme wer­den den­noch kri­tisch beleuch­tet und am Ende kommt auch die Melan­cho­lie nicht zu kurz.

„Der Name der Rose“

Ich bin ja kein Maso­chist, ABER: Das Buch war von vorne bis hin­ten eine Qual – und ich habe es genos­sen! Ein Prot­ago­nist hal­lu­zi­niert Sei­ten­weise vor dem Kir­chen­por­tal und stän­dig unter­hält sich irgend­wer mit irgend­wem auf Latein, sodass man die meiste Zeit nach der Über­set­zung im Anhang blät­tert. (Ich habe zwar das große Lati­num, aber eine 4,5 als End­note zeugt nicht gerade von pro­fun­dem Wis­sen.) „Laaa­ang­wei­lig!“, möchte man dem Autor zuru­fen und doch hat mich das Buch mit sei­ner Geschichte und sei­nen Geheim­nis­sen gefes­selt. Wer sich übri­gens erst den Film anschauen möchte, um zu sehen, ob er oder sie das Buch lesen will, sollte das bes­ser las­sen: Der Film ist im Ver­gleich zum Buch ein­fach nur schlecht.

„Insel der ver­lo­re­nen Erinnerung“

Auf einer namen­lo­sen Insel gehört es zum All­tag der Men­schen, dass Dinge plötz­lich ver­schwin­den und sich bis auf wenige Men­schen nie­mand mehr an deren bloße Exis­tenz erin­nern kann. Die es doch kön­nen, wer­den von der Erin­ne­rungs­po­li­zei gejagt. Zu mei­nem Buch­tipp anläss­lich des Indi­book­days geht es hier.


Und damit kom­men wir zum Ende der 21-für-21-Liste. Als ich vor knapp einem Jahr die Liste fer­tig zusam­men­ge­stellt hatte, war ich noch ein biss­chen skep­tisch, ob es dies­mal wohl klap­pen würde. Nun kann ich stolz sagen: Ja, es hat geklappt – auf ins neue Jahr und damit auf zur 22-für-22-Challenge!

An der aktu­el­len Liste ist mir auf­ge­fal­len, dass ich (abge­se­hen von Aga­tha Chris­tie) fast aus­schließ­lich Werke männ­li­cher Autoren gele­sen habe. Nach­dem ich mich ein wenig mit dem Thema der Ungleich­be­hand­lung von Autorin­nen in Bespre­chun­gen, Lese­ka­nons und der all­ge­mei­nen Wahr­neh­mung beschäf­tigt habe, möchte ich für 2022 ver­mehrt Werke von Frauen lesen. Wie sich das in mei­ner 22-für-22-Liste nie­der­schlägt, habe ich bis­her noch nicht ent­schie­den – ein­fach mehr Frauen, 50:50 oder aus­schließ­lich Autorinnen?

Es bleibt span­nend, aber bis 2022 sind ja noch ein paar Tage Zeit. Wenn alles klappt, melde ich mich dann in einem Jahr mit neuen Lese­er­fah­run­gen zurück.

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